Nein, das Hantavirus ist keine Nebenwirkung des Covid-19-Impfstoffs von Biontech/Pfizer

Seit dem tödlichen Ausbruch des Hantavirus auf einem niederländischen Kreuzfahrtschiff im April 2026 wird in sozialen Medien über die Ursache des Ausbruches spekuliert. In diesem Zusammenhang wird fälschlicherweie behauptet, dass das Hantavirus sogar eine Nebenwirkung des mRNA Covid-19- Impfstoffes der Pharmaunternehmen Biontech/Pfizer sei. Als "Beweis" wird eine Datenbank der Weltgesundheitsorganisation WHO angeführt, worin das Hantavirus im Zusammenhang mit der Impfung genannt wird. Allerdings stellt die Datenbank keine kausale Verbindung zwischen der Krankheit und dem Impfstoff her, sondern listet nur Vorfälle auf, bei denen verschiedene Infektionen in zeitnahem Abstand zur Impfung aufgetreten sind.

"Wenn dir klar wird, dass Hantavirus als Nebenwirkung der COVID-Impfung aufgeführt ist..", heißt es in einem Facebook-Reel, das ein User am 7. Mai 2026 postete (hier archiviert). Ein junger Mann mit schwarzer Brille blickt in die Kamera, schüttelt den Kopf und deutet auf einen eingeblendeten Screenshot. Rot unterstrichen ist darin "Hantavirus pulmonary infection" zu lesen. Nutzerinnen und Nutzer teilten das Reel über 900 Mal auf Facebook. 

In einem X-Post vom 7. Mai 2026 heißt es: "Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listet das so genannten 'Hantavirus' als Nebenwirkung der Covid-mRNA-'Impfstoffe' auf. Die WHO hat dieses auf der VigiAccess-Website vergraben." Der User teilte in seinem Posting eine Anleitung, wo der Eintrag in der Datenbank der WHO zu finden ist. In einem Screenshot der Datenbank wurde "Hantaviral infection" und "Hantavirus pulmonary infection" – also Hantavirus-Infektionen – rot umrandet. Der Post wurde fast einer halben Million Nutzerinnen und Nutzer auf X angezeigt. 

Image
X-Screenshot und Instagram-Screenshot der Behauptung. Orange Kreuze von AFP hinzugefügt: 8. Mai 2026

Die Behauptung kursierte auf mehreren Plattformen und in verschiedenen Sprachen wie Chinesisch, Englisch, Französisch, Niederländisch, Portugiesisch und Rumänisch.

AFP-Recherchen ergaben allerdings, dass die Behauptung irreführend ist. 

AFP berichtete, dass der Ausbruch des Hantavirus auf dem Kreuzfahrtschiff bereits bekannte Narrative und Verschwörungserzählungen über Impfstoffe, angebliche Bevölkerungsreduktionskampagnen und vermeintliche Wundermittel wieder aufleben ließ. 

Hantavirus ist keine bestätigte Nebenwirkung dea Covid-19-Impfstoff

Der Screenshot, der in dem kursierenden Facebook-Video eingeblendet ist, lässt sich mithilfe einer umgekehrten Bildsuche auf ein Dokument zurückführen, das im Jahr 2021 von dem US-amerikanischen Pharmaunternehmen Pfizer veröffentlicht wurde.

Der von Biontech und Pfizer gemeinsam entwickelte mRNA-Impfstoff mit dem Handelsnamen Comirnaty wurde erstmals im Dezember 2020, zu Beginn der weltweiten Covid-19-Pandemie, zugelassen. Seither wurden weltweit mehrere Milliarden Impfdosen von verschiedenen Covid-19-Impfstoffen verabreicht, darunter auch Comirnaty. Über die Sicherheit des Impfstoffes von Biontech/Pfizer berichtete AFP in der Vergangenheit mehrmals.

Auf Anfrage von AFP bestätigte eine Sprecherin von Pfizer am 8. Mai 2026 schriftlich, dass in den Online-Posts auf ein authentisches Dokument des Unternehmens verwiesen wird. Das Dokument beinhaltet eine zusammenfassende Analyse aller unerwünschten gesundheitlichen Ereignisse, die nach der Verabreichung des Impfstoffes auftraten.

Auf Seite 33 des Dokuments lässt sich die Passage, die im Screenshot des kursierenden Videos zu sehen ist, wiederfinden. Tatsächlich steht hier "Hantavirus pulmonary infection" geschrieben. Die Virusinfektion ist im Anhang "Liste der unerwünschten Ereignisse von besonderem Interesse" angeführt.

Allerdings handelt es sich bei diesem Anhang nicht um die Auflistung von bestätigten Nebenwirkungen, die infolge einer Impfung mit dem Biontech/Pfizer-Impfstoff auftreten können, sondern um eine Liste von gesundheitlichen Erscheinungen, die innerhalb eines bestimmten Zeitraums nach der Verabreichung des Impfstoffes aufgetreten sind. Die im Dokument angeführten "adverse events" – auf Deutsch "unerwünschten Ereignisse" – müssen demnach nicht zwingend durch den Impfstoff hervorgerufen worden sein.

Auf Seite 6 des Dokuments steht geschrieben: "Eine Häufung von Meldungen über unerwünschte Ereignisse (AERs) bedeutet nicht zwangsläufig, dass ein bestimmtes unerwünschtes Ereignis durch das Arzneimittel verursacht wurde; vielmehr kann das Ereignis auf eine Grunderkrankung oder andere Faktoren (...) zurückzuführen sein." Dies bestätigte auch die Sprecherin von Pfizer: "Diese Ereignisse werden aus Gründen der Vollständigkeit und Transparenz erfasst und implizieren keinen kausalen Zusammenhang mit der Impfung." Und weiter: "Eine Hantavirus-Infektion ist in der Zusammenfassung der Merkmale des Covid-19-Impfstoffs von Biontech-Pfizer nicht als Nebenwirkung aufgeführt."

In der offiziellen Auflistung der Nebenwirkungen des Covid-19-Impfstoffes von Biontech/Pfizer wird das Hantavirus nicht genannt. 

Während bei diesen Ereignissen nur der zeitliche Zusammenhang von Bedeutung ist, gibt es bei bestätigten Nebenwirkungen von Medizinprodukten kausale Zusammenhänge. In Deutschland können Patientinnen und Patienten sowie Gesundheitspersonal Nebenwirkungsverdachtsfälle dem Bundesinstitut für Arzneimitel und Medizinprodukte (BfArM) zukommen lassen. Jede eingehende Meldung wird laut dem BfArM nach international verwendeten Standards erfasst und an die Europäische Datenbank EudraVigilance weitergeleitet. Insofern durch die Meldung von möglichen Nebenwirkungen ein tatsächliches Arzneimittelrisiko erkannt wird, erfolgt laut BfArM eine wissenschaftliche Beratung, die regulatorische Maßnahmen zur Folge haben kann. Diese Maßnahmen können dazu führen, dass Hersteller Packungsbeilagen ändern oder Behörden im Extremfall die Zulassung eines Arzneimittels oder Medizinprodukts widerrufen.

Der Virologe und geschäftsführende Direktor des Instituts für Virologie an der Universität Marburg Stephan Becker bestätigte AFP schriftlich am 8. Mai 2026, dass die online verbreitete Behauptung irreführend sei. "Aus virologischer Sicht kann ich sagen, dass eine Hantavirusinfektion nicht durch eine Impfung gegen Covid-19 hervorgerufen werden kann", so Becker.

Das Dokument, dessen Screenshot online geteilt wird, wurde der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) übermittelt, da Pharmaunternehmen in den USA nach der Marktzulassung von Medizinprodukten dazu verpflichtet sind, ihre medizinischen Produkte zu überwachen und Informationen über potenzielle Risiken weiterzugeben. 

AFP veröffentlichte zur Fehlinterpretation des Pfizer-Dokuments bereits in der Vergangenheit einen Artikel

WHO-Datenbank listet nicht nur bestätigte Nebenwirkungen

In einem weiteren Post, der im deutschsprachigen Raum kursierte, wurde als angeblicher Beweis ein Screenshot der WHO-Datenbank VigiAccess mit der irreführenden Behauptung geteilt. Der User legte in seinem Post eine Anleitung dar, wie Nutzerinnen und Nutzer die WHO-Datenbank navigieren und die Einträge zum Hantavirus finden können. Tatsächlich ist in der Liste der "gemeldeten möglichen Nebenwirkungen" das Hantavirus angegeben, allerdings handelt es sich auch hierbei nicht um bestätigte Nebenwirkungen. Diese Liste enthält ebenfalls eine Vielzahl an gesundheitlichen Ereignissen, die nach der Verabreichung des Impfstoffes zwar gemeldet wurden, aber nicht zwingend bestätigte Nebenwirkungen sein müssen. Die Liste enthält auch soziale Umstände wie beispielsweise das Teilen eines Bettes oder ungesunde Ernährung. 

Der User schrieb in seinem Post korrekterweise: "Die WHO bezeichnet ihre eigene Datenbank VigiAccess als Sammlung wissenschaftlich unbestätigter Beobachtungen – nicht als Beleg für Nebenwirkungen." Allerdings interpretierten manche Nutzerinnen und Nutzer in den Kommentaren den Post irreführenderweise so, dass die Verabreichung des Covid-19-Impfstoffes von Biontech/Pfizer tatsächlich das Hantavirus als bestätigte Nebenwirkung zur Folge hätte.

Auf der Website der WHO-Datenbank steht gleich zu Beginn: "VigiAccess soll als nützlicher Ausgangspunkt für Personen dienen, die mehr über die Arten möglicher Nebenwirkungen erfahren möchten, die nach der Anwendung von Arzneimitteln gemeldet wurden. VigiAccess kann jedoch nicht dazu verwendet werden, einen bestätigten Zusammenhang zwischen einer vermuteten Nebenwirkung und einem bestimmten Arzneimittel herzustellen." 

Auf Anfrage von AFP bestätigte Stefan Vieths, Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts, am 11. Mai 2026, dass die Bedeutung der Einträge der WHO-Datenbank missverstanden wurden: "Da es sich bei diesen Meldungen um Verdachtsfälle handelt, ist ein ursächlicher Zusammenhang von Reaktionen zu einer Impfung beziehungsweise Arzneimittelgabe aus dieser Datenbank per se nicht ableitbar." Infektionen mit dem Hantavirus "sind keine bekannte Nebenwirkung einer Impfung mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty von Pfizer/Biontech", so Stefan Vieths.

Hantavirus brach auf Kreuzfahrtschiff aus

Auf dem niederländischen Kreuzfahrtschiff "Hondius" infizierten sich im April 2026 mehrere Passagiere während einer Reise mit dem Hantavirus, wie zahlreiche Medien berichteten. Mehrere Passagiere verstarben aufgrund der Infektion mit Virus. Unter den Passagieren befanden sich auch Deutsche, die sich mit dem Virus infiziert haben. Vier deutsche Passagiere, die laut Medienberichten symptomfrei seien, wurden am 11. Mai 2026 in ihre jeweiligen Heimatregionen gebracht.

Laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) handelt es sich bei den auf dem Kreuzfahrtschiff vorkommenden Hantaviren um die sogenannten Andesviren aus Südamerika. Hantaviren kommen zwar weltweit vor, allerdings unterscheiden sich die verschiedenen Spezies der Hantaviren im Krankheitsverlauf. Während es bei den in Deutschland vorkommenden Viren zu vergleichsweise milden Verläufen kommen kann, lösen die Andesviren tendenziell eher schwerere Krankheitsverläufe aus, weshalb eine erhöhte Lebensgefahr für Infizierte besteht. Je nach Virusart treten verschiedene Symptome auf, häufig leiden Infizierte unter hohem Fieber sowie Kopf- und Gliederschmerzen.

Hantaviren werden in erster Linie über die Ausscheidungen von Nagetieren übertragen, allerdings können die Viren auch durch engen körperlichen Kontakt von Mensch zu Mensch weitergegeben werden. Die Inkubationszeit, also die Zeit, die zwischen der Infektion mit einem Krankheitserreger und dem Auftreten der ersten Symptome vergeht, ist variabel. Sie beträgt in der Regel jedoch zwei bis vier Wochen. In Ausnahmefällen kann sie bis zu 60 Tage andauern.

Fazit: In sozialen Medien wurde die irreführende Behauptung geteilt, dass das Hantavirus eine Nebenwirkung des Covid-19-Impfstoffes von Biontech/Pfizer sei. Die in den Posts angeführten Listen sind keine belastbaren Beweise dafür, dass das Hantavirus eine bestätigte Nebenwirkung der Impfung sei.

Monat des Hantavirus-Ausbruchs korrigiert
12. Mai 2026 Monat des Hantavirus-Ausbruchs korrigiert

Haben Sie eine Behauptung gefunden, die AFP überprüfen soll?

Kontaktieren Sie uns