Personen in Schutzanzügen gehen auf das von einem Hantavirus-Ausbruch betroffene Kreuzfahrtschiff MV Hondius zu: 11. Mai 2026 (AFP / JORGE GUERRERO)

Angst vor dem Hantavirus lässt Verschwörungserzählungen aus der Corona-Zeit wiederaufleben

Der tödliche Ausbruch des Hantavirus Anfang Mai 2026 auf einem unter niederländischer Flagge fahrenden Kreuzfahrtschiff hat Verschwörungserzählungen wieder aufleben lassen, die während der Covid-19-Pandemie Hochkonjunktur hatten – zum Beispiel über Impfstoffe, angebliche Bevölkerungsreduktionskampagnen und Wundermittel. 

Die Weltgesundheitsorganisation WHO betonte am 8. Mai 2026, dass von den Passagierinnen und Passagieren des MV Hondius nur ein minimales Risiko für die Öffentlichkeit ausgehe. Jedoch tauchten erneut falsche Behauptungen auf, die seit dem Beginn der Coronavirus-Pandemie im Jahr 2020 online in verschiedenen Sprachen hartnäckig zirkulierten und auch dazu beitrugen, die öffentlichen Maßnahmen der Gesundheitsbehörden gegen das Coronavirus zu untergraben.

"LOCKDOWN-ALARM: Globalisten starten Covid 2.0, während sich das Hantavirus weltweit ausbreitet", schrieb InfoWars-Gründer Alex Jones am 7. Mai 2026 auf X. "Genau wie ein Lichtschalter."

Ähnlich wie in 2020, als eine weithin diskreditierten Pseudodokumentation Falschinformationen über Covid verbreitete, sprachen Nutzerinnen und Nutzer in einer Flut von falschen und irreführenden Beiträgen vom Hantavirus-Ausbruch als "Plandemie" – also eine Pandemie, die geplant wurde. 

Die genaue Ursache des Ausbruchs war bis zum Erscheinen dieses Artikels noch nicht bekannt. Aber es wurde vermutet, dass sich ein Passagier mit der seltenen Atemwegserkrankung angesteckt hatte, bevor er in Argentinien an Bord des Schiffes ging und andere an Bord infizierte.

AFP fand aber eine Reihe von verschiedenen Falschbehauptungen in sozialen Medien über die vermeintliche Ursache des Ausbruchs. Beispielsweise vermuteten einige Nutzerinnen und Nutzer eine dunkle Verschwörung, um Bevölkerungen Impfstoffe aufzuzwingen oder in einen Lockdown zu zwingen. Andere Posts behaupteten fälschlich, dass der Vorfall auf dem MV Hondius dazu benutzt werden würde, den erweiterten Einsatz von Briefwahl in den bevorstehenden Wahlen in den USA im November 2026 zu rechtfertigen. Denn damit wäre es laut den Nutzerinnen und den Nutzern leichter, den Wahlausgang zu beeinflussen und Wahlbetrug zu begehen. Solche Vorwürfe erwiesen sich in der Vergangenheit meistens als haltlos. 

"Das fast sofortige Wiederaufleben der Verschwörungstheorien aus der Covid-19-Zeit macht deutlich, dass Falschinformationen nicht einfach verschwinden, sobald die Krise, aus der sie hervorgegangen sind, vorbei ist", sagte Yotam Ophir, Leiter des Labors für Medienwirkung, Falschinformationen und Extremismus an der University at Buffalo, gegenüber AFP am 7. Mai 2026. 

Während der Covid-Pandemie verknüpften sich gesundheitsbezogene Fehlinformationen stärker mit politischer Identität, so der Experte. Die Erzählung von Wahlmanipulationen "bestärke daher bestehende Überzeugungen".

Andere Beiträge führten frühere Berichte über potenzielle Impfstoffe gegen das Hantavirus, Äußerungen des Milliardärs Bill Gates aus der Covid-Zeit und eine fiktive Fernsehserie aus den 1990er-Jahren als Beweise dafür an, dass das Hantavirus absichtlich freigesetzt worden sei, um die Bevölkerung zu dezimieren oder Impfstoffherstellern Profit zu verschaffen.

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Entgegen Falschbehauptungen in sozialen Medien ist Hantavirus keine Nebenwirkung der Covid-19-Impfstoffe von Pfizer (AFP / ISHARA S. KODIKARA)

Einige behaupteten ferner, das Hantavirus sei eine Nebenwirkung der Covid-19-Impfstoffe von Pfizer, und  führten dabei fälschlich ein Dokument als Beweis an, aus dem lediglich hervorging, dass es sich um eines von vielen "unerwünschten Ereignissen von besonderem Interesse" handelte, die beobachtet wurden, und nicht um etwas, das durch die Impfung verursacht wurde.

Ophir sagte, viele der Verschwörungserzählungen, die jetzt wieder auftauchen, hätten eine lange Geschichte und gingen auf jahrhundertealte Ängste zurück, dass Krankheiten von Eliten künstlich erzeugt würden.

Doch sie verbreiten sich heute schneller, angetrieben durch Social-Media-Algorithmen und manchmal unterstützt durch Impfgegner, die beispielsweise von US-Präsident Donald Trump in hochrangige Ämter berufen wurden.

Unbewiesene Heilmethoden

Es gibt keine zugelassenen Impfstoffe oder bekannten Heilmittel gegen das Hantavirus, das in der Regel von infizierten Nagetieren übertragen wird und Atemwegs- und Herzprobleme sowie hämorrhagisches Fieber verursachen kann. 

Im Internet priesen jedoch alternative Medizinerinnen und Mediziner sowie einige Politikerinnen und Politiker sofort das Antiparasitikum Ivermectin und andere Medikamente als Heilmittel an.

Die ehemalige US-Abgeordnete  Marjorie Taylor Greene schrieb, das Virus sei eine "Biowaffe", die freigesetzt worden sei, damit Pharmaunternehmen von "giftigen" Impfstoffen profitieren könnten. Greene griff die Behauptungen zur Ivermectin-Anwendung der texanischen HNO-Ärztin Mary Talley Bowden auf, die bereits Falschinformationen verbreitete, die von AFP überprüft wurden.

Bowden veröffentlichte später ein Angebot zum Verkauf von Ivermectin, während Floridas Gouverneur Ron DeSantis seine Unterstützung für einen gescheiterten Gesetzesentwurf bekräftigte, der darauf abzielte, Ivermectin rezeptfrei verfügbar zu machen. 

"Es gibt extreme Fehlinformationen über Ivermectin", sagte John Lednicky, Virologe am College of Public Health and Health Professions der University of Florida, am 8. Mai 2026 gegenüber AFP.  "Außerhalb von Labortests hat sich Ivermectin bei der Behandlung von Infektionen nicht als wirksam erwiesen."

Ophir aus Buffalo sagte, die Verbreitung von Verschwörungserzählungen in der Covid-Pandemie könne ein Versuch sein, sich politisch zu profilieren – und möglicherweise auch finanziell motiviert sein.

Angesichts der Angst und Verwirrung rund um den Ausbruch erklärte er gegenüber AFP, dass "Online-Influencer, Social-Media-Gruppen oder KI-gesteuerte Nutzer die Gelegenheit nutzen könnten, um Geld zu verdienen."

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