Nein, ein niederländisches Luxushotel nimmt keine "1500 Asylsuchenden" auf

Tausende von Menschen beantragen jedes Jahr Asyl in den Niederlanden. Fehlen die Kapazitäten in den regulären Aufnahmezentren, so werden Asylsuchende manchmal vorübergehend in ehemaligen Hotels untergebracht. Im Januar 2025 kursierte in sozialen Medien ein bearbeiteter Screenshot eines angeblichen Zeitungsberichts, in dem behauptet wurde, das prestigeträchtige Kurhaus im niederländischen Badeort Scheveningen bereite sich auf die Unterbringung von "1500 Asylsuchenden" vor. Nach Angaben der Behörden werden jedoch keine Asylsuchenden in dem Hotel untergebracht. Der Screenshot des Artikels wurde bearbeitet und der Titel geändert.

"Möchtest du auch eine Nacht im Kurhaus in Den Haag verbringen? Dann musst du einfach Asyl in den Niederlanden beantragen!", schrieb ein Nutzer am 11. Januar 2025 in einem niederländischen Beitrag auf X. Dieser wurde mehr als 500 Mal geteilt. Dem Post war ein Screenshot eines Zeitungsartikels beigefügt mit der Überschrift "Weg frei für die Ankunft von 1500 Asylsuchenden, Grand Hotel Amrâth Kurhaus. Genehmigung erteilt." 

Derselbe Screenshot tauchte auch auf Facebook auf.

Nach Angaben der Gemeinde Den Haag und der Zentralagentur für Asylsuchende (COA) – die staatliche Stelle, die für die Unterbringung von Asylbewerberinnen und -bewerbern zuständig ist – wird das berühmte Fünf-Sterne-Hotel jedoch keine Asylbewerberinnen und -bewerber aufnehmen. Der Screenshot des Artikels wurde gefälscht. 

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X-Screenshot der Behauptung: 27. Februar 2025

Bearbeiteter Screenshot 

Um den Originalartikel aus dem Screenshot herauszufinden, hat AFP im Internet nach der Überschrift des in den Posts verwendeten Artikels gesucht. Es wurden keine Hinweise auf einen Artikel mit genau dieser Überschrift gefunden, aber eines der ersten Ergebnisse bei Google führte zu einem Artikel mit einem fast identischen Titel: "Weg frei für die Ankunft von Asylbewerbern in Albergen. Genehmigung endgültig".

Der Artikel wurde im Januar 2024 auf der Website der niederländischen Regionalzeitung "De Twentsche Courant Tubantia" veröffentlicht (hier archiviert). Darin wird das Kurhaus nicht erwähnt, sondern beschrieben, wie ein altes Hotel in Albergen  – einem Dorf in der niederländischen Provinz Overijssel – für die Unterbringung von 150 Asylsuchenden vorbereitet wurde.

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Bearbeiteter Screenshot, der online geteilt wurde (links), und der Originalartikel aus der Zeitung "De Twentsche Courant Tubantia" (rechts): 27. Februar 2025

Das Layout des geteilten Screenshots ahmt das Layout und den Stil der Zeitung nach, und der Hinweis auf Albergen wurde durch die Erwähnung von 1500 Asylbewerbern im Kurhaus ersetzt. Es gibt auch einige Unregelmäßigkeiten in der Zeichensetzung und Rechtschreibung der gefälschten Schlagzeile.

In dem gefälschten Screenshot wurden sowohl das Foto als auch die Bildunterschrift ebenfalls geändert. Nur der Name des Journalisten Hans Brok, der den Text verfasst und das Foto im ursprünglichen Artikel aufgenommen hatte, wurde beibehalten. Auch das Foto des Kurhauses wurde Brok zugeschrieben. Eine umgekehrte Bildsuche nach dem Bild zeigt jedoch, dass das Foto vom Hotel selbst stammt.

Genau dasselbe Foto wurde auf der Website des Hotels veröffentlicht (hier archiviert). Das vollständige Bild ist hier zu sehen. Es sind die gleichen Menschen und Sonnenschirme am Strand zu erkennen, die gleichen Wolken und die gleiche Richtung der Flaggen am Dach des Hotels. Dasselbe Foto wird auch auf verschiedenen Buchungsseiten verwendet, um für das Hotel zu werben. Nirgendwo werden Brok oder die Zeitung "De Twentsche Courant Tubantia" als Quelle für das Foto genannt.

Bei einer weiteren Suche mit den Stichworten "Kurhaus" und "Asylsuchende" konnte AFP einen Artikel der Zeitung "Algemeen Dagblad" vom April 2023 ausfindig machen. In diesem wird eine Lokalpolitikerin der liberal-konservativen Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD) in einer Debatte über die Aufnahme von Asylsuchenden durch niederländische Städte mit den Worten zitiert: "Was ist der nächste Schritt? Das Kurhaus?"(hier archiviert). Mit dieser sarkastischen Bemerkung sollte die Unterbringung von weiteren Asylsuchenden in Den Haag kritisiert werden. Doch wurde an keiner Stelle der Debatte die Unterbringung  von Asylbewerberinnen und -bewerbern im Kurhaus tatsächlich erwähnt.

Behörden bestätigen: Keine Asylsuchenden im Kurhaus

Alle Notunterkünfte und regulären Unterkünfte der Zentralagentur für Asylsuchende (COA) können über das Tool "Location Finder" auf deren Website gefunden werden. Dem Tool zufolge gibt es nur eine Notunterkunft in Den Haags Stadtteil Scheveningen, am Gevers Deynootweg. Dort wurde ein altes Wohnheim renoviert, um von Anfang 2025 bis 2028 bis zu 50 unbegleitete Minderjährige unterzubringen. 

Nathalie Nuiten, eine Sprecherin der COA in Südholland, erklärte am 27. Februar 2025 gegenüber AFP, dass der Kurhaus-Artikel "ganz offensichtlich gefälscht" sei.

Nach Angaben des Zentralamts für Statistik (CBS) kamen im Jahr 2024 insgesamt 44.055 Asylsuchende und ihre Familienangehörigen in den Niederlanden an (hier archiviert). Nach ihrer Ankunft können sie in verschiedenen Arten von Unterkünften untergebracht werden, wie etwa in einer regulären Unterkunft in einem Asylbewerberzentrum oder in einer Notunterkunft – falls die Kapazitäten in der regulären Unterkunft fehlen.

Hotels werden manchmal als Notunterkünfte in Anspruch genommen, und mehrere alte Hotels wurden in der Vergangenheit zu regulären Notunterkünften umgebaut, erklärte Nuiten. Im Grand Hotel Amrâth Kurhaus war dies jedoch nicht der Fall.

Eine Sprecherin der Stadtverwaltung von Den Haag teilte AFP in einer E-Mail vom 5. März 2025 mit, dass es "keine Pläne für eine Unterbringung im Kurhaus" gäbe. "Das ist eine Fake News", fügte sie hinzu.

AFP hat das Kurhaus-Hotel um einen Kommentar gebeten, aber zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch keine Antwort erhalten.

Fazit: Im Grand Hotel Amrâth Kurhaus im niederländischen Badeort Scheveningen wurden und werden keine Asylsuchenden untergebracht. Der in sozialen Medien geteilte Screenshot, in dem dies behauptet wird, wurde bearbeitet und ist eine Falschinformation.

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