Behauptungen über angebliches Truth Social-Verbot in der Ukraine sind falsch

US-Präsident Donald Trump kritisierte seinen ukrainischen Amtskollegen Wolodymyr Selenskyj und machte ihn für den seit drei Jahren andauernden russischen Angriffskrieg mitverantwortlich. Online kursierten daraufhin Falschbehauptungen, Selenskyj habe Trumps Onlineplattform Truth Social in der Ukraine verboten. Doch ein Plattformsprecher sagte gegenüber AFP, Truth Social sei gar nicht in der Ukraine eingeführt worden. Laut eines ukrainischen Regierungsbeamten ist die Plattform im Land willkommen.

"Diktator Selenskyj sperrt Truth Social in der ganzen Ukraine!", heißt es in einem X-Beitrag vom 20. Februar 2025. Dazu teilte der User einen Screenshot der ukrainischen Flagge mit der englischsprachigen Meldung: "Truth Social ist in Ihrer Region derzeit nicht verfügbar."

Auf Facebook, Threads, Instagram und Telegram wurde die Behauptung in ähnlichem Wortlaut geteilt. Auch auf Englisch, Französisch, Portugiesisch und Niederländisch kursierte die Aussage vielfach.

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Facebook-Screenshot der Behauptung: 25. Februar 2025

Mehrere kremlnahe Medienorganisationen berichteten ebenfalls über die Behauptung, darunter die russischen staatlichen Nachrichtendienste RIA Novosti und Sputnik. Auch die Website "Pravda" verbreitete die Behauptung. Die Website ist Teil eines koordinierten Netzwerks, das russische Propaganda in Europa und den USA verbreitet, wie die französische Beobachtungsstelle für digitale Einflussnahme aus dem Ausland (Viginum) aufdeckte. Auch AFP hat bereits auf "Pravda" verbreitete Falschbehauptungen widerlegt.

Trump beschuldigte seinen ukrainischen Amtskollegen

Am 19. Februar 2025 veröffentlichte Trump einem vernichtenden Post auf seiner Plattform Truth Social. Darin bezeichnete er Selenskyj als "Diktator ohne Wahlen". In dem Post, der zahlreiche Ungereimtheiten beinhaltete, beschuldigte Trump den ukrainischen Präsidenten, den Krieg mit Russland absichtlich zu verlängern, um mehr westliche Hilfe zu erhalten. 

Selenskyj forderte daraufhin eine Erneuerung der "starken" Beziehungen zwischen der Ukraine und den Vereinigten Staaten und sagte, der US-Präsident lebe in einem "Desinformationsraum". 

Der ukrainische Oberbefehlshaber hat jedoch keine Maßnahmen ergriffen, um den Zugang zu Truth Social zu beschränken

Truth Social wurde in der Ukraine nicht eingeführt

Laut eines Sprechers der Trump Media and Technology Group, der Truth Social gehört, wurde die Plattform in der Ukraine gar nicht gestartet. "Berichte, dass Truth Social in der Ukraine gesperrt wurde, sind falsch – Truth Social war in der Ukraine nie verfügbar", schrieb der Sprecher am 20. Februar 2025 auf AFP-Nachfrage per E-Mail.

Nachdem die Falschbehauptung über ein angebliches Verbot von Truth Social durch Selenskyj in sozialen Medien zu kursieren begann, reagierte ein Sprecher des ukrainischen Außenministeriums mit einem Statement auf X: Die Plattform sei nicht von Regierungsbehörden in der Ukraine verboten worden, weil sie im Land "leider" gar nicht verfügbar sei. "Wir würden es begrüßen, wenn Truth Social die Ukraine zu den autorisierten Einsatzgebieten hinzufügen würde", schrieb Heorhii Tykhyi, Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, am 20. Februar 2025 auf X: 

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Screenshot eines X-Posts von Heorhii Tykhyi, Sprecher des ukrainischen Außenministeriums: 26. Februar 2025

Das Zentrum für die Bekämpfung von Desinformation, eine staatliche Behörde der Ukraine, widersprach der Behauptung über ein angebliches Verbot ebenfalls in einem X-Post.

Ein AFP-Reporter in der Ukraine machte am 21. Februar 2025 einen Screenshot der Startseite von Truth Social. Auf diesem Screenshot ist dieselbe Meldung zu sehen, die auch in den kursierenden Social-Media-Beiträgen angezeigt wird:

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Screenshot der Startseite von Truth Social, aufgenommen am 21. Februar 2025 in der Ukraine durch einen AFP-Korrespondenten

Alle Faktenchecks mit Bezug zum Krieg in der Ukraine finden sich auf der AFP-Website.

Fazit: Entgegen online kursierender Behauptungen wurde der Zugang zu Trumps digitaler Plattform Truth Social in der Ukraine nicht durch Präsident Selenskyj eingeschränkt. Wie ein Unternehmenssprecher und ein Beamter des ukrainischen Außenministeriums bestätigten, wurde die Plattform bisher noch gar nicht im Land eingeführt.

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