Leitungswasser unterliegt hierzulande strengen Kontrollen

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Auf Facebook kursiert das Foto einer verdreckten Wasserleitung in. Das Bild soll angeblich belegen, dass Leitungswasser mit Keimen belastet und gesundheitsgefährdend ist. Das Bild wurde 2017 in Thailand aufgenommen. Deutsches Leitungswasser unterliegt strengen Kontrollen und ist von hoher Qualität.

Dutzende User haben Ende Mai 2022 das Bild einer verschmutzten Wasserleitung auf Facebook geteilt (hier, hier). Das Foto kursierte in den vergangenen Jahren immer wieder auf sozialen Netzwerken, unter anderem auf Englisch, Französisch, Slowenisch und Bulgarisch. Zehntausende Nutzerinnen und Nutzer sahen das Bild zudem auf Telegram.

Die Behauptung: Das Bild zeigt ein aufgeschnittenes Metallrohr, das in seinem Innern bräunliche Ablagerungen aufweist. Im Beitragstext heißt es: "So zum Beispiel sieht ein Leitungswasserrohr aus, welches Wasser zu Ihrem Haus bringt." Leitungswasser sei die am meisten unterschätzte Ursache für Krankheiten, heißt es weiter, da es angeblich mit "Schwermetallen, Pestiziden, Fluorid, Chlor, Pharmaprodukten" und vielem mehr belastet sei. Unter einem Posting vom Oktober 2022 finden sich zudem zwei Links, die zu Wasserfiltern führen, die im Onlineshop des "Kopp"-Verlags verkauft werden.

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 16.11.2022

Zur Qualität von Trinkwasser kursieren immer wieder Falschbehauptungen in sozialen Netzwerken. AFP überprüfte in der Vergangenheit in diesem Kontext etwa Behauptungen, spanisches Trinkwasser sei mit Graphenoxid belastet oder Wasserwerke würden dem Leitungswasser Beruhigungsmittel beimischen.

Foto entstand 2016 in Thailand

In den aktuell geteilten Beiträgen wird nicht direkt behauptet, dass es sich bei der Leitung um eine deutsche Wasserleitung handelt, allerdings suggeriert der Satz "So zum Beispiel sieht ein Leitungswasserrohr aus, welches Wasser zu Ihrem Haus bringt", dass das Bild ein Rohr aus einem deutschsprachigen Land zeigt. Einige Postings zeigen etwa österreichische Flaggen.

Eine Bilderrückwärtssuche führte AFP zu einem Facebook-Post der Metropolitan Waterworks Authority (MWA), dem öffentlichen Trinkwasserversorger Thailands, vom Mai 2017. Die Behörde erklärte in ihrem Beitrag, dass die auf dem aktuell geteilten Foto gezeigte Wasserleitung im April 2016 in Lat Krabang, einem östlichen Vorort von Bangkok, entfernt wurde. Bei der bräunlichen Substanz im Innern des Rohrs handelt es sich demnach um Kalkablagerungen, die im Laufe der Zeit durch im Wasser gelöste Kalkpartikel entstanden seien. Die MWA fügte an, dass das Wasser, das durch die Leitung floß, trotz der Ablagerungen von guter Qualität sei, da diese sich nicht mit dem Wasser vermischen würden.

Der Sprecher des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW), Lars Wagner, erklärte auf AFP-Anfrage am 18. November 2022 per E-Mail, dass die Trinkwasserversorgung in Deutschland zu den weltweit besten zählt. In Deutschland regelt die Trinkwasserverordnung die Beschaffenheit des Trinkwassers und deren Überwachung. Demnach darf die Verwendung von Trinkwasser die menschliche Gesundheit nicht durch Krankheitserreger oder chemische Stoffe gefährden.

Hohe Qualität des deutschen Trinkwassers

Der letzte gemeinsame Bericht des Bundesgesundheitsministeriums und des Umweltbundesamtes zur Qualität des Trinkwassers vom Januar 2021 für die Jahre 2017 bis 2019 attestiert dem Trinkwasser in Deutschland eine sehr gute Qualität. "Die Ergebnisse der Trinkwasserüberwachung belegen, dass bei nahezu allen mikrobiologischen und chemischen Qualitätsparametern in über 99 Prozent der Untersuchungen die strengen Anforderungen der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) eingehalten und die Grenzwerte nicht überschritten wurden. Für viele Parameter waren es sogar 99,9 bis 100 Prozent", heißt es in einer Mitteilung des Gesundheitsministeriums zur Veröffentlichung des Berichts. Giftige Stoffe wie Schwermetalle, Pestizide oder Pharmaprodukte sind demnach darin nicht oder nur in unbedenklichem Ausmaß enthalten.

Die Pressesprecherin der Berliner Wasserbetriebe, Astrid Hackenesch-Rump, erklärte am 18. November 2022 per E-Mail gegenüber AFP, dass Ablagerungen, wie sie auf dem aktuell geteilten Foto zu erkennen sind, in Deutschland nicht denkbar seien. "Die Trinkwasserverordnung schreibt sehr strenge Grenzwerte vor, die so ausgestaltet sind, dass man das Wasser ein Leben lang genießen kann, ohne eine gesundheitliche Beeinträchtigung davonzutragen", schrieb Hackenesch-Rump.

Bei Stoffen, die noch nicht in der Trinkwasserverordnung erfasst sind, gelten "gesundheitliche Orientierungswerte", die oft den Bruchteil eines späteren Grenzwertes ausmachen, also deutlich niedriger angesetzt seien. Die Berliner Wasserbetriebe führen im Jahr etwa 2700 Trinkwasseruntersuchungen durch. Von der Trinkwasserverordnung gefordert sind gut 2.000, so Hackenesch-Rump.

Auch in Österreich und der Schweiz kann Wasser aus der Leitung bedenkenlos getrunken werden. Die österreichische Trinkwasserverordnung besagt, dass Wasser geeignet sein muss, "ohne Gefährdung der menschlichen Gesundheit getrunken oder verwendet zu werden". Es darf keine Mikroorganismen, Parasiten und Stoffe jedweder Art enthalten, "die eine potentielle Gefährdung der menschlichen Gesundheit darstellen". Der letzte Bericht des österreichischen Gesundheitsministeriums zur Qualität des österreichischen Trinkwasser stammt von 2017. Die in dem Bericht zusammengefassten Untersuchungen des Trinkwassers haben ergeben, dass dessen Qualität "durchwegs ausgezeichnet" ist.

Dasselbe gilt für die Schweiz. Hier regelt das Protokoll Wasser und Gesundheit der Vereinten Nationen die Qualität des Trinkwassers. Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit stzt dessen Bestimmungen um. Der Bericht Umsetzung des Protokolls Wasser und Gesundheit in der Schweiz kam im August 2022 zu dem Ergebnis, "dass die Trinkwasserqualität in der Schweiz in chemischer und mikrobiologischer Hinsicht im allgemeinen gut ist."

Fazit: Das Foto der Trinkwasserleitung entstand 2016 in Thailand und zeigt keine Leitung aus einem europäischen Land. Bei den Ablagerungen handelt es sich um Kalkrückstände. Der letzte Bericht zur Trinkwasserqualität von 2021 attestiert dem deutschen Trinkwasser eine sehr gute Qualität. In beinahe 100 Prozent der untersuchten Proben wurden die Qualitätsvorgaben der Trinkwasserverordnung eingehalten.

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