Deutsche Getränkehersteller können trotz Ukrainekrieg Apfelschorle produzieren

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Während der Krieg in der Ukraine tatsächlich Auswirkungen auf zahlreiche Branchen hat, gibt es keinen Produktionsstopp deutscher Apfelschorle. Im September 2022 tausendfach auf Facebook geteilte Postings behaupteten, dass Getränkehersteller aufgrund unterbrochener Lieferketten momentan keine Apfelschorle produzieren könnten. Getränkeverbände widersprachen der Behauptung allerdings. Die Auswirkungen des Krieges spüren aber auch die Obst- und die Apfelsaftbranche, etwa durch fehlende Kohlensäure.

Tausende haben die Apfelsaft-Behauptung Mitte September auf Facebook geteilt.

Die Behauptung: Obstbauern wüssten hierzulande nicht, wohin sie mit ihrer diesjährigen Ernte sollen, während Getränkehersteller momentan keine Apfelsaftschorle produzieren könnten. Grund seien durch den Ukrainekrieg unterbrochene Lieferketten für Apfelkonzentrat.

Facebook-Screenshot: 06.10.2022

Fruchtsäfte gehören zu den liebsten alkoholfreien Getränken der Deutschen. Rund 30 Liter pro Kopf werden in Deutschland jedes Jahr getrunken, so der Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie (VdF). Apfelsaftkonzentrat ist Apfelsaft, dem Wasser und Aromastoffe, etwa zum besseren Transport, entzogen und später wieder hinzugefügt wurden.

Fruchtsaftverbände dementieren

Den in den Postings behaupteten Produktionsstopp von Apfelsaftkonzentrat gab es jedoch nicht. Klaus Heitlinger ist Geschäftsführer des Verbandes der deutschen Fruchtsaft-Industrie und wies die Behauptung am 7. Oktober 2022 zurück: "Es gibt ausreichend Apfelsaftkonzentrat am Markt, eine Knappheit ist nicht zu erkennen, auch nicht in den nächsten zwölf Monaten.“

Florian Berger vom Verband der Getränkehersteller Österreichs widersprach am 5. Oktober 2022 ebenfalls: "Die angesprochene Mangellage gibt es in Österreich (derzeit) nicht."

Eine Sprecherin der European Fruit Juice Association (AIJN) sagte am 11. Oktober 2022 außerdem gegenüber AFP, dass dort keine Meldungen über Produktionsstopps von Apfelsaft bekannt wären. Ob es anderswo in der Welt zu einem Produktionsstopp von Apfelschorle kam, konnte AFP nicht überprüfen.

AFP hat außerdem bei einem der größten Fruchtsaft-Unternehmen in Europa nachgefragt. Boris Bolwin von Eckes-Granini bestätigte am 6. Oktober gegenüber AFP, dass "es bei Eckes-Granini aktuell keinen Produktionsstopp aufgrund unterbrochener Lieferketten gibt." Sowohl die Apfelsaftkonzentrat-Produktion, als auch die Herstellung der Apfelsaftschorlen laufe dort "problemlos".

Erfolgreiche deutsche Apfelernte

Die diesjährige deutsche Ernte ist wie in den Postings beschrieben tatsächlich gut. Das deutsche statistische Bundesamt Destatis erwartet laut einer Pressemitteilung vom 18. August 2022, dass der Zehnjahresdurchschnitt der Apfelernte 2022 um 8,2 Prozent übertroffen werden könnte. Die Obstbaubetriebe würden eine gute Ernte von über einer Million Tonnen Äpfeln erwarten. Christian Weseloh ist Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Erzeugerorganisationen Obst und Gemüse (BVEO). Er bestätigte am 12. Oktober, dass es ein Überangebot an Äpfeln gebe.

In Österreich fiel die diesjährige Apfelernte hingegen geringer aus als in den Vorjahren. Johann Greimel ist Geschäftsführer des Bundesobstbauverbandes Österreichs. Er schrieb am 6. Oktober an AFP, dass die Normalernte dieses Jahr nicht ganz erreicht werden könne. Es seien ihm aber keine vom Ukrainekrieg beeinflussten Lieferkettenprobleme betreffend Obstprodukten bekannt. Manfred Kohlfürst, Präsident des österreichischen Bundesobstbauverbandes, schrieb am 7. Oktober: "Dazu ist mir nichts bekannt und ich kann mir das auch nicht vorstellen." Polen habe etwa große Verarbeitungskapazitäten und Industrieobst sei gut verfügbar. Hohe Transportkosten und eine kleinere Ernte in China könnten sich aber global auswirken.

Apfelsorten bei der Messe 'Fruit Logistica' in Berlin am 5. April 2022 ( AFP / TOBIAS SCHWARZ)

Konsequenzen des Ukrainekriegs

Viele Getränke, darunter Apfelschorle, enthalten Kohlensäure. Die ist aktuell rar und damit auch ein Problem für die Getränkebranche. Europaweit fehlt es an Kohlensäure, erste Brauereien mussten bereits einen Teil ihrer Produktion einschränken oder gar einstellen. Kohlensäure fällt als Nebenprodukt bei der Düngerherstellung an, viele Anlagen sind aber wegen der hohen Energiepreise gedrosselt.

Boris Bolwin von Eckes-Granini schrieb, dass man selbst vom Kohlesäuremangel nicht stark betroffen sei, aber: "In der Getränkebranche ist die Kohlensäureknappheit aktuell tatsächlich ein Thema." Auch andere Auswirkungen des Ukrainekrieges und der Corona-Pandemie seien spürbar: "Wir mussten und müssen weiterhin mit Frachtraumverknappungen und mit einem explosionsartigen Anstieg der Transport- und Logistikkosten im europäischen Straßen- und Überseeverkehr umgehen. Hinzu kommt eine sprunghafte Verteuerung von Energie und Packmaterialien."

Dass die fehlende Kohlensäure ein Problem für die Branche darstelle, bestätigte auch Klaus Heitlinger vom Verband der deutschen Fruchtsaft-Industrie. Welche Produkte nicht verfügbar sein werden, lasse sich nicht vorhersagen, kohlensäurehaltige Produkte seien jedoch knapp. Ein weiteres Problem seien fehlende Glasflaschen aus ukrainischen Glasfabriken: "Dies sind 500.000 Tonnen Glas pro Jahr die am Markt fehlen und entspricht circa einer Milliarde Fruchtsaftflaschen pro Jahr. Hierdurch haben sich die Preise für Glasflaschen und anderes Behälterglas mindestens verdoppelt."

Auch die Apfelbauern haben teilweise mit Auswirkungen des Ukrainekries zu kämpfen. Die polnische Ernte, die sonst auch nach Russland oder in die Ukraine geht, wird stattdessen in Westeuropa verkauft.

Fazit: Die Fruchtsaftindustrie stellt weiterhin Apfelsaftschorle her. Einen Produktionsstopp aufgrund vom Ukrainekrieg beeinträchtigter Lieferketten gibt es nicht, wie mehrere Getränke- und Obstverbände gegenüber AFP bestätigten. Die Branche hat allerdings mit Problemen wie Kohlensäuremangel, eine indirekte Folge des Ukrainekrieges, zu kämpfen.

Ukrainischer-Russisch Krieg