Kürbisse sollten nach Halloween nicht im Wald entsorgt werden

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Deutsche Tierschutzorganisationen raten davon ab, Kürbisse nach Halloween im Wald oder an Feldern abzuladen. Verunreinigungen wie Kerzenwachs oder auch Schimmel seien für wilde Tiere ein Gesundheitsrisiko. Dennoch zirkuliert im Netz ein Beitrag, in dem es heißt, Kürbisse sollten nach Halloween an Wildtiere verfüttert werden. Dabei birgt das Verfüttern auch rechtliche Probleme.

Tausende User haben einen Aufruf auf Facebook geteilt, der Menschen dazu bewegen soll, ihre Kürbisse nach Halloween an Wildtiere zu verfüttern. Auch auf Telegram und Twitter wird der Beitrag verbreitet. Bereits in den Jahren zuvor kursierte die Behauptung.

Die Behauptung: "Schmeißt keine Kürbisse nach Halloween weg", heißt es in einem online geteilten Beitrag. Vielmehr sollten sich Menschen Wälder und Felder suchen und die Kürbisse aufbrechen, damit Tiere diese essen können. "Sie sind gut für Wildtiere und die Samen wirken wie eine natürliche Entwurmung." In einigen Beiträgen heißt es zudem, jährlich würde nur ein Fünftel der 2,5 Milliarden Kürbisse weiter verwertet.

Facebook-Screenshot der Behauptung: 25.10.2022

Über die Behauptung zum Verfüttern von Kürbissen wurde bereits 2021 im Netz berichtet, so beispielsweise vom Faktencheck-Portal Mimikama. Auch der Hamburger Tierschutzverein und Online-Medien warnten 2021 vor dem im Netz kursierenden Tipp.

Tierschutzorganisationen raten vom Verfüttern der Kürbisse ab

Auf AFP-Anfrage erklärte eine Sprecherin der Deutschen Wildtier Stiftung am 18. Oktober 2022, das Füttern von Wildtieren führe oft zu mehr Problemen als positiven Effekten. "Die geschnitzten Kürbisse sind nach Halloween in der Regel bereits verdorben und daher für Säugetiere nicht mehr für den Verzehr geeignet." Zudem bestehe die Gefahr von möglichen Wachsresten auf den Kürbissen.

Eine Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes erklärte ebenfalls am 18. Oktober: "Wir raten grundsätzlich davon ab, weil Wildtiere in der Regel nicht auf eine Zufütterung angewiesen und gesundheitliche Probleme nicht auszuschließen sind. Diese können grundsätzlich auch durch Wachsreste oder Schimmel entstehen." Weder Speise- noch Zierkürbisse zählten außerdem zum natürlichen Nahrungsspektrum der meisten freilebenden Wildtiere.

Das Argument der Entwurmung durch Kürbissamen ergebe zudem keinen Sinn, "da ein entsprechender Befall mit Parasiten als normal anzusehen ist und für gesunde Tiere kein Problem darstellt", so die Sprecherin. Der angebliche Entwurmungseffekt durch Samen sei wissenschaftlich zudem nicht ausreichend belegt, ergänzte eine Sprecherin der Tierschutzorganisation Peta einen Tag später.

Die Wildtierstiftung erläuterte hierzu, zumindest Arten wie der Hokkaido-Kürbis könnten gegen Endoparasiten wirken. "Aber die geschnitzten Kürbisse (egal, ob Riesenkürbis, Moschuskürbis oder Gartenkürbis) sind nach Halloween in der Regel bereits verdorben und daher für Säugetiere nicht mehr für den Verzehr geeignet."

Weiter erläuterte die Sprecherin des Tierschutzbundes: "Wenn Wildtiere wie Füchse, Wildschweine etc. angefüttert werden, kann dies zudem dazu führen, dass sie ihre natürliche Scheu vor Menschen verlieren und auf Dauer lästig oder zur Gefahr werden. Aus Tierschutzsicht ist daher von einer Fütterung von Wildtieren grundsätzlich abzuraten."

Auch die Peta-Sprecherin betonte am 19. Oktober 2022: "Wir würden dringend davon abraten, Halloween-Kürbisse an heimische Wildtiere zu verfüttern, indem diese an Wäldern und Feldern verteilt werden." Heimische Wildtiere wie Rehe oder Wildschweine sollten in freier Wildbahn grundsätzlich nicht gefüttert werden, erläuterte die Sprecherin weiter. Anders sei es beispielsweise bei der Fütterung von Vögeln im eigenen Garten.

Das Verfüttern der Kürbisse könne mehrere Probleme verursachen, so die Peta-Sprecherin. Tiere würden angelockt und würden so die Scheu vor dem Menschen verlieren. Außerdem bestünden dabei Gesundheitsrisiken. "Hierbei ist auch zu beachten, dass Kürbisgewächse in Deutschland, anders als in den USA, keine heimische Pflanzenfamilie sind und daher auch für die Tierwelt hierzulande keine gewohnte Nahrungsquelle darstellen."

Besonders Zierkürbisse könnten auch giftig sein, ganz abgesehen von Verunreinigungen, Schimmel oder Fremdstoffen an den Kürbissen. Es bestehe zudem ein erhöhtes Risiko der Krankheitsübertragung, wenn sich mehrere Tiere an Futterstellen versammeln.

Der Tierschutzbund erläuterte aber dennoch, bei in Gefangenschaft lebenden Tieren sei dies etwas anders. Dort wisse man, wie viel die Tiere bekommen, wie frisch die Kürbisse sind, vergammelte Reste könnten entfernt werden und es werde auf eine ausgewogene Ernährung geachtet.

Die Peta-Sprecherin erklärte dazu: "Sicherlich sind Speisekürbisse auch zumindest für einige Tierarten essbar. Dabei sollten natürlich immer die Bedürfnisse der jeweiligen Tierart beachtet werden und nur Kürbissorten und -mengen gefüttert werden, die unbedenklich sind."

Füttern von Wildtieren ist in der Regel verboten

Neben den gesundheitlichen Risiken für Tiere sehen die von AFP befragten Organisationen auch rechtliche Probleme bei der Verfütterung von Kürbissen an Wildtiere.

Das Füttern von Wildtieren sei über die jeweiligen Landesjagdgesetze geregelt, so die Peta-Sprecherin. Für Privatpersonen sei dies in der Regel eine Ordnungswidrigkeit, die mit hohen Geldstrafen geahndet werden könne.

Auch der Tierschutzbund weist auf die rechtlichen Grenzen hin: "Eine Fütterung von Rehen, Hirschen, Wildschweinen und anderen Tierarten, die dem Jagdrecht unterliegen, ist nur den jeweiligen Jagdausübungsberechtigten vorbehalten und zudem nur in Ausnahmesituationen mit entsprechenden Futtermitteln (dazu zählen Kürbisse nicht) zulässig." Auch die Entsorgung der Kürbisse, vor allem in großen Mengen und auf fremdem Boden, könne eine Ordnungswidrigkeit darstellen.

Laut Wildtierstiftung ist die Fütterung von Wildtieren in den meisten deutschen Bundesländern verboten. Weiter erläuterte die Sprecherin:

"Wildtiere kommen wunderbar allein zurecht. Rehe und Hirsche beispielsweise reduzieren im Winter ihre Körpertemperatur, um Energie zu sparen. Ihr Herzschlag verringert sich – statt 60 bis 70 Mal in der Minute, schlägt das Herz jetzt nur noch 30 bis 40 Mal. Zudem verkleinert sich der Verdauungstrakt, da die Tiere im Winter oft nur faserreiche Nahrung wie dürre Gräser und Brombeerblätter finden."

Erst bei lang andauernden Frostperioden und einer länger geschlossenen Schneedecke seien die Tiere auf Unterstützung angewiesen. Selbst dann erfolge diese aber nur durch Förster und Jäger.

Produktion und Entsorgung von Kürbissen

Neben den Behauptungen zur Verfütterung der Kürbisse, heißt es in einigen der Beiträge, jährlich würden 2,5 Milliarden Kürbisse produziert, von denen nur ein Fünftel “wiederverwendet” werde. Der Rest lande auf Deponien und verursache umweltschädliche Gase.

Ein Sprecher der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) erläuterte hierzu am 18. Oktober 2022 gegenüber AFP, aus der Anbaustatistik der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen gehe eine weltweite Erntemenge von 28 Millionen Tonnen Kürbissen hervor. "Allerdings enthält diese Menge auch Zucchini sowie eine beachtliche Menge an Kürbissen, die für die Verarbeitung (Babynahrung, Kürbisöl und so weiter.) vorgesehen sind."

In Deutschland seien 2021 insgesamt 99.100 Tonnen Speisekürbisse produziert worden, dazu kämen noch etwa 20.000 Tonnen Importe. Von dieser Gesamtmenge hätten Privathaushalte lediglich 41 Prozent eingekauft, darunter größtenteils Hokkaido-Kürbisse, die weniger als Dekoration, sondern hauptsächlich als Lebensmittel genutzt wurden. Der Rest lande in der Gastronomie oder der Verarbeitung.

Das Statistische Bundesamt sprach für das Jahr 2019 noch von 86.000 geernteten Speisekürbissen in Deutschland. Die Menge sei in zehn Jahren um 79 Prozent gestiegen.

Fazit: Kürbisse sollten nach Halloween nicht an Wildtiere verfüttert werden. Dabei bestehen gesundheitliche Risiken für die Tiere. Zudem ist das Füttern von Wildtieren durch Privatpersonen in der Regel eine Ordnungswidrigkeit.