1997 während eines Affenpockenausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo, Foto von den CDC zur Verfügung gestellt ( CDC/AFP / BRIAN W.J. MAHY)

Der Affenpocken-Ausbruch hat nichts mit einem Corona-Impfstoff zu tun

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Nutzerinnen und Nutzer haben Ende Mai in sozialen Netzwerken eine vermeintliche Verbindung zwischen dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca und einem internationalen Affenpocken-Ausbruch hergestellt. Die User begründen die Behauptung mit einem veränderten Schimpansen-Adenovirus, das in einem Corona-Impfstoff enthalten ist. Expertinnen und Experten schlossen einen Zusammenhang zu dem Affenpocken-Erreger gegenüber AFP allerdings aus. Die beiden Viren seien völlig unterschiedlich. Das in dem Impfstoff verwendete Adenovirus wurde unschädlich gemacht wird und ist nicht in der Lage, sich zu vermehren oder zu einem anderen Virus zu mutieren.

Auf Facebook stellten Ende Mai Hunderte User einen Zusammenhang zwischen der steigenden Zahl von Affenpockeninfektionen und einer Impfung mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca her. Auch auf Telegram sahen Zehntausende die Behauptung. Nutzerinnen und Nutzer verbreiteten ähnliche Behauptungen auch in weiteren Sprachen, darunter Französisch, Spanisch, Griechisch, Ungarisch oder Bulgarisch.

Die Behauptung: "Wer sich über Affenpocken Epidemie wundert. Schimpansen Adenovirus im Astra Zeneca Impfstoff.", steht zu einem Ausschnitt eines Beipackzettels des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca. Das Wort "Schimpansen-Adenovirus" ist rot hervorgehoben. "Es ist schon 'schlau' vorbereitet....", schreibt ein Nutzer dazu. Ein anderer fragt: "Was ist, wenn die Affenpocken über einen Zusatz im Covid-Impfstoff von Astra Zeneca ausgelöst werden?"

Facebook-Screenshot der Behauptung: 31.05.2022

Die Beiträge wurden veröffentlicht, nachdem im Frühjahr 2022 ein Ausbruch der Affenpocken beobachtet worden war. Bis zum 26. Mai wurden der Weltgesundheitsorganisation (WHO) "insgesamt 257 im Labor bestätigte Fälle und etwa 120 Verdachtsfälle gemeldet". Bisher seien keine Todesfälle im Zusammenhang mit der Krankheit gemeldet worden. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) wurden in Deutschland bis zum 31. Mai 33 Affenpockenfälle gemeldet. Anders als bei früheren Fällen seien die Betroffenen zuvor nicht in afrikanische Länder gereist, in denen das Virus endemisch ist, das heißt, in denen die Krankheit schon länger auftritt.

Nach Angaben der WHO klingen die Symptome der Affenpocken wie Fieber oder Hautausschlag in der Regel nach ein paar Wochen von selbst ab, Todesfälle sind selten. Das Virus wird durch engen Kontakt mit einer infizierten Person, einem infizierten Tier oder durch mit dem Virus kontaminiertes Material übertragen. Es gibt kein spezifisches Heilmittel gegen Affenpocken, aber eine Impfung gegen Pocken hat sich als zu 85 Prozent wirksam bei der Vorbeugung der Krankheit erwiesen, so die WHO.

Auf die Frage, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Schimpansen-Adenovirus, das im Corona-Impfstoff von Astrazeneca verwendet wird, und den Affenpocken geben könnte, sagte Yannick Simonin, Virologe an der französischen Universität Montpellier, der auf neu auftretende Viren spezialisiert ist, am 25. Mai gegenüber AFP: "Es ist unmöglich, dass das stimmt.". Er wies auf den großen Unterschied zwischen den viralen Genomsequenzen der beiden Viren hin: "Die Unterschiede zwischen den beiden Viren sind so groß wie die zwischen einer Ameise und einem Nashorn."

Das Schimpansen-Adenovirus von Astrazenca ist harmlos

Der Corona-Impfstoff von Astrazeneca enthält laut Produktinformationen "Schimpansen-Adenovirus, der das SARS-CoV-2-Spike-Glykoprotein kodiert".

Dabei handelt es sich laut der an der Impfstoffentwicklung beteiligten Universität Oxford um ein "harmloses, abgeschwächtes" Adenovirus, das bei Schimpansen (Menschenaffen unterscheiden sich von anderen Affen) normalerweise Erkältungskrankheiten auslöst. Es sei allerdings genetisch so verändert worden, dass es sich beim Menschen nicht vermehren könne. Das modifizierte Adenovirus sei so angepasst, dass es die Spike-Proteine von SARS-CoV-2 – dem Virus, das Covid-19 verursacht – produziere, sodass das körpereigene Immunsystem lernen kann, diese zu erkennen und sich so auf eine echte Infektion vorbereitet.

Wie der Impfstoff von Astrazeneca mit angepassten Viren die körpereigene Immunreaktion gegen SARS-CoV-2 aktiviert.

Laut der Universität Oxford wurde der Impfstoff von Astrazeneca "als die am besten geeignete Impfstofftechnologie für einen SARS-CoV-2-Impfstoff ausgewählt, da er bei anderen Impfstoffen nachweislich eine starke Immunantwort mit einer einzigen Dosis hervorruft". Weiter heißt es: "Adenovirale Vektoren aus Schimpansen sind ein sehr gut untersuchter Impfstofftyp, der bereits bei Tausenden von Probanden sicher eingesetzt wurde."

Teresa Lambe, Professorin für Vakzinologie und Immunologie an der Universität Oxford und führendes Mitglied des Oxford-Covid-19-Impfstoffteams, erklärte am 26. Mai gegenüber AFP, dass das "im Impfstoff verwendete Schimpansen-Adenovirus AZD1222 genetisch so verändert worden ist, dass es unmöglich ist, es im Menschen zu vermehren".

Affenpocken gehören zu einer anderen Virenfamilie

Das Affenpockenvirus ist ein zoonotisches Virus, es wird also von Tieren auf den Menschen übertragen. Die Symptome ähneln denen von Pockenpatienten, sind aber klinisch weniger schwer, erklärt das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) auf seiner Website. Es gehört zur Gattung der Orthopoxviren aus der Familie der Pockenviren.

Die im Corona-Impfstoff von Astrazeneca verwendeten Viren gehören zu einer anderen genetischen Familie, den Adenoviren.

"Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass dieser Affenpockenausbruch mit Impfstoffen zusammenhängt", erklärte David Heymann, Professor für Epidemiologie von Infektionskrankheiten an der London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM), am 25. Mai gegenüber AFP.

"Affenpocken sind ein DNA-Virus, das zur Familie der Orthopocken gehört", sagte Heymann, der Ausbrüche von Affenpocken beim Menschen in Zentral- und Westafrika untersucht hat. Es sei "ein sehr stabiles Virus, das nicht mutiert – und wenn doch, dann nur sehr wenig".

Auf die Frage, ob es plausibel sei, dass das von Astrazeneca verwendete Schimpansen-Adenovirus zum Affenpockenvirus mutiert sei, antwortet Teresa Lambe ähnlich deutlich: "Es handelt sich um zwei völlig unterschiedliche Virustypen, sodass es nicht möglich ist, dass sich das Adenovirus in ein Affenpockenvirus verwandelt."

"Adenoviren haben eine andere Größe und Struktur [als Pockenviren], und sie befallen andere Zellen und andere Wirte", ergänzte Yannick Simonin.

Trotz des Namens geht man davon aus, dass die Affenpocken nicht von Primaten stammen, die ebenfalls daran erkranken können. Der Name rührt daher, dass die Krankheit 1958 entdeckt wurde, als zwei Ausbrüche einer pockenähnlichen Krankheit in zu Forschungszwecken gehaltenen Affenkolonien auftraten, erklärte die US-Gesundheitsbehörde CDC. Das spezifische tierische Reservoir der Affenpocken sei nach wie vor unbekannt.

"Ähnlich wie Menschen gelten Affen als Krankheitsüberträger", schreibt das ECDC. "Einige Hinweise deuten darauf hin, dass einheimische afrikanische Nagetiere wie die gambische Riesenratte und Eichhörnchen ein natürliches Reservoir des Virus sein könnten."

Auf seiner Website weist Frankreichs nationales medizinisches Forschungsinstitut Inserm ebenfalls die "Gerüchte und Falschinformationen" über einen möglichen Zusammenhang zwischen Affenpocken und Corona-Impfstoffen zurück. "Diese Verbindung ist absolut unbegründet, denn erstens ist dieses Virus [Affenpocken] nicht spezifisch für Affen (es kommt sogar eher bei anderen Arten vor, insbesondere bei Nagetieren). Zum anderen, weil es zur Familie der Pockenviren und nicht zu den Adenoviren gehört."

Andere Impfstoffe gegen Corona, wie die von Johnson & Johnson oder Sputnik hergestellten, verwendeten ebenfalls Adenoviren, um eine Immunreaktion gegen SARS-CoV-2 hervorzurufen. Sie verwendeten jedoch keine Schimpansen-Adenoviren, sondern menschliche Adenoviren.

Fazit: Es ist falsch, dass ein Inhaltsstoff des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca den aktuellen Ausbruch von Affenpocken verursacht hat. Expertinnen und Experten schlossen das gegenüber AFP aus. Das von Astrazeneca verwendete Schimpansen-Adenovirus ist ein völlig anderes als das die Affenpocken auslösende.

Übersetzung:
COVID-19