Nein, 5G-Technologie kann keine Palmen töten

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Rund 1700 User haben Ende Februar ein Foto geteilt, das tote Palmen neben einem als Palme getarnten 5G-Funkturm zeigen soll. Das 5G-Netz sei für das Absterben verantwortlich, heißt es in einem Posting. Allerdings sind die Palmen wegen Wassermangels vertrocknet, beim gezeigten Funkturm handelt es sich auch nicht um einen 5G-Turm.

Rund 1600 User haben das Palmenbild in Deutschland seit dem 22. Februar geteilt (hier). Die Aufnahme kursiert bereits seit Dezember auf sozialen Medien weltweit, etwa auf Facebook teilten sie in dieser Zeit Zehntausende (hier, hier, hier). In Deutschland heißt es zum Bild: "Das macht 5G (...) Getarnt als Palme und die Palmen sterben daneben."

Facebook-Screenshot: 24.02.2021

Die 5G-Technologie ist die fünfte Generation der Mobiltelefonie und soll eine höhere Geschwindigkeit als die derzeitigen 4G-Netze bieten. Weltweit gibt es immer wieder Verschwörungsmythen, die in 5G-Strahlung Gefahren für die Gesundheit erkannt haben wollen. AFP hat solche Behauptungen bereits widerlegt (etwa hier). Auch die toten Palmen gehören in diese Reihe. 

Eine Suche nach den Stichwörtern "Palmen", "gebogen" und "5G" führte AFP zu einem TikTok-Video vom 6. Dezember 2020. Darin filmt der User abgestorbene Palmen in der Stadt Avondale, Arizona, in den Vereinigten Staaten. Den Zustand der Palmen erklärt er sich durch einen Funkturm in der Mitte, der nur wie eine Palme aussieht: "Man kann sehen, dass das offensichtlich kein echter Baum ist." Durch eine Suche auf Google Maps hat AFP die Stelle auf dem dortigen Avondale Boulevard wiedergefunden und daraufhin bereits im Dezember 2020 die Stadt zum Fall kontaktiert.

Pier Simeri, Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und Presse der Stadtverwaltung von Avondale, bestätigte, dass die künstliche Palme oder "Monopalme" 2019 vom Unternehmen Verizon Wireless aufgestellt wurde. Solche als Bäume getarnten Funktürme stellen Netzbetreiber aus ästhetischen Gründen auf der ganzen Welt auf. 

In einer E-Mail erklärte Simeri, die drei Palmen seien abgestorben, "weil sie während des letztjährigen Sommers [2020], der sehr heiß war, nicht genug Wasser erhalten haben (...) Es gibt keine Verbindung zum Wassersystem der Stadt für Bewässerungszwecke, da der Rest des Geländes ein landwirtschaftliches Feld ist."

Eine Suche in den Archiven der Stadt mit den Worten "Monopalm" und "Verizon" führte zu detaillierten Aufzeichnungen über den Bau der Antenne. Die Pläne sahen vor, dass die lebenden Palmen um den Mast herum durch Gelpacks Wasser erhalten hatten. Simeri erklärte jedoch, dass "das während des vergangenen Sommers, in dem die meisten Tage über 110 Grad [Fahrenheit, oder 43 Grad Celsius] lagen, nicht ausreichend war."

AFP konsultierte anschließend auch Kevin King, Direktor der Unternehmenskommunikation bei Verizon Wireless, dem Eigentümer der lokalen Netz-Infrastruktur. Er teilte mit, dass "der Zellturm im Bild kein 5G-Standort ist", sondern dass die Antenne 4G LTE-Service biete.

King stimmte mit Simeri überein, dass die Palmen rund um den Bahnhof durch mangelnde Bewässerung abgestorben seien. Sie seien inzwischen ersetzt worden, sagte er, und man arbeite jetzt mit dem Grundstückseigentümer daran, ein Bewässerungssystem für zukünftige Bäume zu bauen.

Eine Suche auf der Website von Verizon Wireless zeigt allerdings, dass das betroffene Gebiet neben 4G und 4G+ durchaus auch über eine 5G-Abdeckung verfügt.

Victor Rangel, Professor und Telekommunikationsspezialist an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM), schloss dennoch aus, dass die Antenne der Grund für das Sterben der Palmen darstelle, da die Strahlung, die sie aussenden könnte, die Zusammensetzung der Zellen nicht verändere oder ihre Temperatur erhöhe, um sie auszutrocknen.

"Der Abstand [zwischen der Antenne und den Palmen] ist bereits sehr groß, mehr als fünf Meter, wenn man sich mehr als drei Meter von der Mitte der Antenne entfernt, sinkt das Signal auf 14 Prozent des empfohlenen Grenzwertes (...) dies führt nicht zu einer Veränderung der Zellzusammensetzung oder einer Erhöhung der Temperatur. Um ein mögliches Risiko darzustellen, müsste man einen Meter von der Strahlung entfernt sein, vom Zentrum der Antenne", erklärte er in einem Telefoninterview mit AFP.

Er fügte hinzu, dass 5G-Antennen keinen Schaden für Lebewesen verursachen, "weil die elektromagnetischen Wellen [die sie aussenden] sehr gering sind" und ihre Leistungsdichte mit jedem Meter Abstand deutlich abnimmt. Aus diesem Grund, sagte er, müssen mehr von ihnen installiert werden, damit mehr Bereiche einer Stadt ein Signal haben.

Fazit: Die Antenne auf dem Bild trägt keine 5G-Technologie und die gebogenen Palmen auf dem viralen Bild sind an Wassermangel gestorben. Außerdem gibt es keine Beweise dafür, dass die 5G-Technologie eine Palme derart schädigen könnte.

Übersetzung:
5G