Dieser angebliche Lauterbach-Tweet stammt von einem Satire-Account

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Hunderte Nutzerinnen und Nutzer haben seit Ende September einen vermeintlichen Tweet des SPD-Politikers Karl Lauterbach auf Facebook geteilt. Darin habe sich Lauterbach angeblich für die Aufnahme von Geflüchteten ausgesprochen, um die Wahlchancen der AfD zu verschlechtern. Der Tweet stammt allerdings nicht von Lauterbach, sondern von einem Satire-Account, der Lauterbach nur imitiert.

Hunderte haben eine Bildschirmaufnahme des angeblichen Tweets Lauterbachs seit Ende September auf Facebook geteilt (hier, hier, hier).

Die Falschbehauptung: SPD-Politiker Karl Lauterbach habe am 28. September getwittert: "Die guten Wahlergebnisse der AfD in Sachsen und Thüringen entstanden nur durch sehr hohe Anzahl an Deutschen die dort noch leben. Wir sin ein Migrationsland und müssen bis zur nächsten Wahl dort mehr Flüchtlinge unterbringen, die dann auch wählen dürfen damit AfD keine Chance hat." Nutzerinnen und Nutzer halten diese Forderung für echt. Es heißt etwa: "Nun dürfte auch der Letzte begreifen, was da am Sonntag gewählt wurde......". Eine andere Nutzerin schreibt: "Für Herrn Lauterbach leben in Sachsen einfach zu viel Deutsche....".

Facebook-Screenshot: 30.09.2021

Zuerst fällt beim angeblichen Lauterbach-Tweet auf, dass er mehrere Rechtschreibfehler aufweist. Außerdem trägt der Account einen schwarzen Stern neben dem Namen. Von Twitter verifizierte Accounts zeigen allerdings einen blauen Haken.

Genau so einen blauen Haken hat auch Karl Lauterbachs echter Twitteraccount mit dem Handle @Karl_Lauterbach, den er auch auf seiner Website verlinkt. Der Account aus der aktuell geteilten Aufnahme ist minimal anders. In diesem Handle ist das "t" durch ein "l" ersetzt, der Account heißt @Karl_Laulerbach. Der Fake-Account Lauterbachs beschreibt sich selbst als Satire-Account. Er verwendet auch ein ähnliches Profilbild wie das echte Profil und benutzte zwischenzeitlich auch "Karl Lauterbach" mit "t" als Profilnamen, also dem Namen über dem eigentlichen Twitter-Handle. Die dort aufgesetzte Nase sowie Brille des Satire-Accounts sind aufgrund der Qualität der aktuell geteilten Bildschirmaufnahmen aber nur schlecht erkennbar.

links der echte Account von Karl Lauterbach, rechts der Satire-Account

Auf diesem Account fand AFP auch tatsächlich den in sozialen Netzwerken geteilten Tweet.

Auf seinem Twitter-Account weist Karl Lauterbach auch bereits auf den Fake-Tweet hin und verlinkt zu einem Faktencheck von Correctiv. AFP hat außerdem im Büro von Karl Lauterbach nachgefragt. Sprecher Guido Laue schrieb am 30. September: "Nein, Herr Lauterbach hat sich nicht in dieser Form auf Twitter oder in einem anderen Kontext geäußert – auch nicht in der Vergangenheit."

Auch AFP konnte mittels Suchmaschinen und in Pressedatenbanken keine vergleichbare Äußerung des echten Lauterbachs finden.

Fazit: Der aktuell geteilte Tweet mit einer Forderung nach mehr Migration, um die Wahlchancen der AfD zu schmälern, stammt von einem Fake-Account und nicht von Karl Lauterbach selbst. Der Politiker dementierte die Echtheit des Tweets.

BUNDESTAGSWAHL 2021 MIGRATION