Nein, diese Pfizer-Tablette soll nicht als tägliche Impf-Ergänzung zum Einsatz kommen

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Hunderte Nutzerinnen und Nutzer haben seit Anfang September einen Artikel auf Facebook geteilt, wonach das Pharmaunternehmen Pfizer eine Corona-Tablette auf den Markt bringen wolle. Diese sollen Patientinnen und Patienten vermeintlich zwei Mal täglich als Ergänzung zur Impfung einnehmen, heißt es in den Postings. Das Medikament werde demnach schon in diesem Jahr auf den Markt kommen und dann von Regierungen vorgeschrieben. Pfizer erklärte jedoch auf AFP-Anfrage, das Produkt sei für Erkrankte vorgesehen und erst in der Testphase. Das Bundesgesundheitsministerium betonte, es gebe aktuell keine Pläne in Bezug auf das Pfizer-Medikament.

Hunderte User haben die Behauptung zu den Corona-Tabletten auf Facebook geteilt (hier, hier, hier). Auch auf Twitter verbreitet sich der Artikel mit der Behauptung (hier).

Die Behauptung: Der US-Pharmakonzern Pfizer entwickle eine Corona-Tablette, die als Ergänzung zum Impfstoff zweimal täglich eingenommen werden soll. Pfizer sei zudem zuversichtlich, dass das Medikament schnell zugelassen und von Regierungen vorgeschrieben werde. Die Produktion sei daher bereits vor Abschluss der klinischen Studien gestartet.

Facebook-Screenshot der Falschbehauptung: 14.09.2021

Tatsächlich forscht das Pharmaunternehmen Pfizer an einem Medikament, das bei einer Corona-Infektion gegen schwere Verläufe eingesetzt werden soll. Medien berichteten bereits mehrfach über die Forschung zu dem Produkt (hier, hier, hier).

Der auf Facebook als Quelle geteilte Artikel der Deutschen Wirtschaftsnachrichten verweist in diesem Zusammenhang auf eine Mitteilung von Pfizer. Auch ein Tweet des Pfizer Geschäftsführers Albert Bourla wird als Quelle für die Behauptungen herangezogen. Darin erklärt dieser, es würden sowohl Impfung als auch Behandlungen für Sars-CoV-2 benötigt.

In einer am 1. September erschienenen Mitteilung spricht das Unternehmen zwar tatsächlich von einem neuen Medikament, nicht aber von Tabletten, die zweimal pro Tag in Verbindung mit der Impfung geschluckt werden müssen.

Woran arbeitet Pfizer also?

In der Mitteilung erklärt Pfizer, das Unternehmen forsche an einer antiviralen Behandlung, die bei der ersten Feststellung einer Infektion eingesetzt wird. Das bisher als PF-07321332 bezeichnete Medikament solle nun genauer auf seine Sicherheit und Wirksamkeit hin an zahlreichen Testpersonen untersucht werden. Das Produkt solle die Aktivität eines wichtigen Enzyms behindern, welches das Coronavirus zur Replikation benötigt.

Desweiteren heißt es, die Behandlung sei für Covid-19-Erkrankte gedacht. Lediglich symptomatische und noch nicht hospitalisierte Menschen mit einer nachgewiesenen Sars-CoV-2-Infektion sollen demnach behandelt werden.

An den Versuchen nehmen laut Pfizer insgesamt 1140 an Sars-CoV-2 erkrankte Probandinnen und Probanden teil, welche das Medikament oder ein Placebo alle zwölf Stunden, also zwei Mal am Tag, einnehmen. Von einer Verabreichung des Medikaments als Ergänzung für Geimpfte ist dabei nicht die Rede.

Auf AFP-Nachfrage am 8. September bestätigte das eine Pfizer-Sprecherin. Es handele sich um eine Behandlung für Menschen, die an viralen Infektionen erkrankt sind. Weiter schrieb sie: "PF-07321332 ist ein neuer SARS-CoV-2-Protease-Inhibitor, der über den Mund verabreicht wird, sodass er möglicherweise bei den ersten Anzeichen einer Infektion oder bei der ersten Wahrnehmung einer Exposition verschrieben werden kann."

Das Medikament ist nicht als täglicher Zusatz für Geimpfte gedacht

Obwohl sich der Artikel der "Deutschen Wirtschaftsnachrichten" auf die Pfizer-Mitteilung beruft, geht aus dieser nicht hervor, dass das Medikament zusätzlich von Geimpften genutzt werden soll.

Die Behauptung, das Medikament solle auch an gesunde Geimpfte verabreicht werden, sei nicht korrekt, bestätigte auch die Pfizer-Sprecherin. Es sei für die Behandlung von Sars-CoV-2-Infektionen gedacht, "unabhängig vom Impfstatus". Eine solche antivirale Behandlung könne helfen, "das Virus zu verlangsamen oder eine Reproduktion aufzuhalten".

Regierungen sollen das Medikament vorschreiben?

Der Artikel-Autor behauptet außerdem, Pfizer rechne mit einer schnellen Zulassung des Medikaments und der vorgeschriebenen Verwendung durch die Regierungen. Die Produktion sei deshalb bereits angelaufen. Grundlage der Aussage soll ein Beitrag des australischen Fernsehsenders 7News sein, der auch auf Twitter abrufbar ist.

Die Pfizer-Sprecherin erklärte gegenüber AFP, die Produktion sei in der Tat angelaufen. Dabei gehe es allerdings darum, das Produkt für die klinischen Versuche bereitzustellen. Über einen möglichen Zulassungszeitraum wolle sie nicht spekulieren, erklärte die Sprecherin weiter.

Auf die Frage, ob Pfizer bereits mit einer Nachfrage verschiedener Regierungen rechne, entgegnete sie: "Es ist zu früh, um zum jetzigen Zeitpunkt Informationen über potenzielle Vorab-Kaufvereinbarungen für diese zu prüfende Behandlung zu geben."

Auf AFP-Nachfrage 7. September erklärte ein Sprecher des Bundesministeriums für Gesundheit, es gebe aktuell keine Planung mit den Pfizer-Tabletten. Tatsächlich seien allerdings mehrere antivirale Wirkstoffe zur Behandlung von Covid-19 in der klinischen Entwicklung. "Erste erfolgversprechende Kandidaten könnten möglicherweise bereits Ende des Jahres 2021 eine Zulassung erhalten." Gegebenenfalls könnten solche Arzneimittel dann auch für bestimmte Patientinnen und Patienten mit Impfung einen Nutzen haben.

Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) listet das Pfizer-Medikament unter zahlreichen Behandlungsmethoden, die aktuell in Entwicklung sind. Auf der Webseite heißt es: "Die Europäische Arzneimittel-Agentur arbeitet mit den Entwicklern potenzieller COVID-19-Therapien zusammen, damit vielversprechende Arzneimittel die Patienten in der Europäischen Union (EU) so schnell wie möglich erreichen können."

Fazit: Das Pfizer-Medikament PF-07321332 steckt nach wie vor in der Entwicklung. Aus der Pressemitteilung des Unternehmens geht hervor, dass es sich dabei um ein Medikament zur Behandlung von Covid-19-Erkrankten handelt und nicht um eine ergänzende Behandlung für gesunde Geimpfte. Das bestätigte auch eine Pfizer-Sprecherin. Das Bundesgesundheitsministerium hat aktuell keine Pläne für das Pfizer-Medikament. Es seien aber mehrere antivirale Wirkstoffe in der Entwicklung, die auch bis Ende des Jahres zugelassen werden könnten.

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