Nein, die verstorbene Bewohnerin einer Pflegeeinrichtung in Oberhausen wurde zuvor nicht geimpft

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Nach Medienberichten über Zwischenfälle in einem Pflegeheim in Oberhausen haben Hunderte User die Behauptung geteilt, eine der Heimbewohnerinnen sei nach der Impfung sogar verstorben. Ein Vorstandsbeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVN) hatte zuvor in einem Brief von "unklaren Todesfällen" nach den Drittimpfungen gesprochen. Behörden und KVN haben kurz darauf allerdings dementiert: Die verstorbene Heimbewohnerin war zuvor nicht geimpft worden.

Hunderte Nutzerinnen und Nutzer haben die Behauptung zum Todesfall im Pflegeheim auf Facebook geteilt (hier, hier). User teilen auch aktuell noch eine mittlerweile veraltete WDR-Meldung über die Zwischenfälle, darin war noch von einem ungeklärten Todesfall die Rede (hier). Auf Telegram erreichte die Meldung Zehntausende (hier).

Die Behauptung: Eine Palliativpatientin (Anm. d. Red.: eine an einer unheilbaren Krankheit leidende Patientin) in Oberhausen sei nach der Verabreichung der dritten Biontech-Covid-19-Impfung verstorben. Die Autorinnen und Autoren aktueller Postings beziehen sich dabei vor allem auf besagten veralteten WDR-Teletext vom Dienstag, den 7. September, und auf ein ebenfalls überholtes Schreiben eines Beauftragten des Vorstands der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein. In beiden Texten war noch noch von ungeklärten Todesfällen die Rede und beide werden noch immer verbreitet.

Facebook-Screenshot der Falschbehauptung: 09.09.2021

Nachrichtenlage zu den Zwischenfällen von Oberhausen

Tatsächlich ist es in der betroffenen Pflegeeinrichtung in Oberhausen am 4. September nach Auffrischungsimpfungen zu zwei Reanimationen gekommen (in den verbreiteten Artikeln ist die Rede von drei Reanimationen plus Todesfall). Mehr Medienberichte zu dem Fall finden sich hier, hier. Tatsächlich ist die genannte Palliativpatientin in diesem Zeitraum verstorben.

Die Verstorbene war gar nicht geimpft

Wie die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein am 9. September in einer Pressemitteilung klarstellte, steht der verzeichnete Todesfall in der Einrichtung in keinem Zusammenhang mit der Impfung. Der nicht abgestimmte Brief eines Beauftragten des Vorstands sei nicht mehr aktuell: "Eine Bewohnerin, die im zeitlichen Umfeld der Auffrischungsimpfungen in der Pflegeeinrichtung verstorben ist und zuvor palliativ versorgt wurde, gehörte nicht zum Personenkreis der Geimpften", schrieb die KVN.

Weiterhin seien die beiden Fälle von Reanimationen bei Bewohnerinnen und Bewohnern aufgetreten, die bereits vorerkrankt waren. Ein ursächlicher Zusammenhang zu den verabreichten Impfungen sei bisher nicht belegt. Vergleichbare Reaktionen nach Auffrischungsimpfungen sind der KV Nordrhein in anderen Fällen bisher ebenfalls nicht bekannt.

Auch der Krisenstab der Stadt Oberhausen erklärte am 9. September in einer Stellungnahme: "Zwei der betroffenen geimpften Personen mussten reanimiert werden. Entgegen anderslautender Berichterstattung gab es keinen Todesfall in Zusammenhang mit der Impfung. Die Person, die leider verstorben ist, war palliativ und wurde vorher nicht geimpft."

Schließlich hat auch der WDR seinen Teletext zwischenzeitlich überarbeitet. Dort heißt es, Stand 9. September, eine Corona-Impfung stehe nicht im Zusammenhang mit dem Todesfall in Oberhausen.

WDR-Teletext Screenshot: 09.09.2021

Fazit: Ja, es hat Zwischenfälle in einer Pflegeeinrichtung in Oberhausen gegeben und zwei Bewohner mussten reanimiert werden. Nein, der Todesfall steht in keinem Zusammenhang mit verabreichten Auffrischungsimpfungen, wie die KV Nordrhein und der Krisenstab der Stadt Oberhausen erklären. Im Fall der beiden Reanimationen gebe es zum aktuellen Zeitpunkt keine Belege für einen ursächlichen Zusammenhang. Veraltete Veröffentlichungen des WDR wurden inzwischen überarbeitet.

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