Nein, dieses Foto zeigt nicht den Angreifer von Würzburg

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Hunderte User haben seit Mitte Juli ein vermeintliches Foto des Angreifers von Würzburg auf Facebook geteilt. Auf dem Bild ist ein lachender Mann in einem Gerichtssaal zu sehen, der beide Mittelfinger in Richtung Kamera hält. Das Foto stammt allerdings vom schwedischen Fotografen Sven Lindwall aus dem Jahr 2018. Er bestätigte gegenüber AFP, dass es sich dabei nicht um den Täter aus Würzburg handelt.

Ein einziges Foto soll es auf den Punkt bringen. „Ein großes Problem dieses Landes an einem Bild erklärt…," steht über einem seit Mitte Juli Hunderte Male auf Facebook geteilten Bild (hier, hier, hier). Mit einem Lachen sitzt darauf ein Mann an einem Tisch. Vor ihm sind einige Mikrofone montiert. Ein weiterer Mann im Anzug betrachtet ihn kritisch von der Seite, während er seine Mittelfinger in die Luft hebt und der Kamera präsentiert. Unter der Szene heißt es: „Der Mörder von Würzburg, das Bild sagt alles".

In den Kommentarspalten äußern Nutzerinnen und Nutzer ihre Wut, beleidigen den Mann auf dem Foto oder fordern seinen Tod. "Sperrt mich mal in eine Zelle mit dem, dann vergeht ihm sein Scheiß-Grinsen," schreibt einer von ihnen.

AFP-Screenshot: 16.07.2021

In Würzburg kam es am 25. Juni zu einem tödlichen Messerangriff. Ein tatverdächtiger 24-jähriger Somalier griff gegen 17 Uhr in einem Kaufhaus in der Innenstadt zahlreiche Menschen offenbar wahllos mit einem langen Messer an. Drei Frauen starben, weitere Opfer wurden schwer verletzt. Seither herrscht in Deutschland eine teils hitzig geführte Debatte über den Umgang mit straffälligen Asylsuchenden.

Eine Bildsuche führte AFP auf die Webseite der schwedischen Boulevardzeitung "Expressen". Diese stellte das Foto bereits im Januar 2018 in einem anderen Zusammenhang online. Auch die Webseite der norwegischen Zeitung "Dagbladet" zeigte das Bild mit Verweis auf die Quelle: den Fotografen Sven Lindwall.

Auf Anfrage von AFP bestätigte Lindwall am 14. Juli, dass er das Bild bereits 2018 in einem Gerichtssaal aufgenommen habe – und zwar in Schweden. Aus den Artikeln des Expressen und des Dagbladet geht weiterhin hervor, dass es sich bei dem abgebildeten Mann um Fouad S. handelt, einen mittlerweile verurteilten Mörder aus Stockholm, der 2017 drei Menschen tötete. Er sei zu lebenslanger Haft verurteilt worden, heißt es in mehreren schwedischen Medienberichten (hier, hier). Die Prozessunterlagen zu dem Fall vom Bezirksgericht Solna stammen vom 23. Januar 2018.

Immer wieder zirkuliert das Bild von Fouad S. im Netz und wird in einen falschen Kontext gesetzt (mehr dazu hier, hier). Regelmäßig fordern Nutzerinnen und Nutzer die Abschiebung des Mannes, den sie als Geflüchteten wahrnehmen (hier, hier). Fouad S. ist allerdings kein Geflüchteter in Deutschland, sondern wuchs im schwedischen Vorort Hallonbergen im Norden von Stockholm auf, wie Expressen, sowie die finnische Tageszeitung Hufvudstadsbladet unabhängig voneinander berichteten.

Zudem passt die Erscheinung von Fouad S. auf dem Foto nicht zum eigentlichen Täter aus Würzburg. Ein Vergleich des Bildes mit veröffentlichtem Material der Attacke im Juni (hier) zeigt, dass es sich beim Angreifer aus Würzburg eindeutig nicht um Fouad S. handelt.

Warum sich Fouad S. auf dem Bild auf diese Weise präsentierte, ist bis heute nicht ganz klar. Lindwall erinnert sich gegenüber AFP: Er habe sich auf einer Leiter positioniert, um Bilder des Raumes zu machen, während die Prozessteilnehmer eintraten. Kurz bevor die Türen geschlossen wurden, habe Fouad S. ihn bemerkt, gelächelt und ihm seine Mittelfinger gezeigt.

Fazit: Bei dem Mann auf dem geteilten Bild handelt es sich nicht um den Angreifer aus Würzburg. Das Foto wurde 2018 in Schweden aufgenommen und zeigt einen bereits verurteilten Mörder aus Stockholm.

Mitarbeit: Saladin Salem/mbi

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