Für diese Forderung von Greta Thunberg nach einem Essstäbchen-Verbot gibt es keine Belege

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Tausende Facebook-User haben Mitte April eine angebliche Forderung der Umweltaktivistin Greta Thunberg geteilt, wonach sie Chinesinnen und Chinesen ein Verbot von Essstäbchen nahegelegt habe. Damit wolle Thunberg Bäume retten, heißt es in den Postings. Ihre Sprecherin dementierte die angebliche Forderung allerdings. Auch in Medien und in der Datenbank aller Statements des zuständigen chinesischen Ministeriums gibt es keine Hinweise auf die Forderung oder eine Antwort auf sie.

Mehr als 3600 Facebook-Nutzerinnen und Nutzer haben seit dem 11. April 2021 das Foto von Greta Thunberg samt ihrer angeblichen Forderung zum Stäbchen-Verbot geteilt (hier, hier, hier). Auf Telegram erreichte sie mehr als 58.000 Menschen (hier, hier).

In Posting-Texten zum Bild heißt es: "Greta Thunberg forderte die Chinesen dazu auf, traditionelle Lebensmittelstäbchen aufzugeben und damit die Bäume zu konservieren!"

Die angebliche Reaktion darauf ist in den Postings ebenfalls zu lesen: "Antwort: Die Chinesen forderten Greta auf, in die Schule zurückzukehren, wo sie herausfinden kann, welche Stäbchen aus Bambus sind, und Bambus ist Gras! Die Chinesen haben Greta und ihre Freunde auch aufgefordert, sich zu weigern, ihren Arsch mit Toilettenpapier abzuwischen, denn das sind Bäume!"

Die gleiche Behauptung widerlegte AFP bereits auf Englisch, Französisch und Ungarisch.

Facebook-Screenshot: 23.04.2021

Greta Thunberg ist eine seit 2018 bekannte schwedische Umweltaktivistin, deren "Schulstreiks für das Klima" die weltweite Umweltbewegung "Fridays For Future" angestoßen haben. Thunberg gilt als das Gesicht der Bewegung und wird deshalb immer wieder von Gegnerinnen und Gegnern hart angegangen. Dabei tauchen auch regelmäßig falsche Behauptungen über sie auf. So kursieren aktuell etwa manipulierte Bilder, die sie diffamieren sollen. In der Vergangenheit wurde außerdem fälschlicherweise behauptet, Thunberg wolle hungerstreiken, bis der ehemalige US-Präsident Donald Trump zurücktrete. Auch die Stäbchen-Behauptung gehört in diese Reihe an Falschinformationen.

AFP hat im Internet nach den Schlüsselbegriffen der angeblichen Essstäbchen-Forderung von Greta Thunberg gesucht. Sie kursiert mindestens seit Januar 2020 im Netz. In einem Tweet hieß es damals etwa: "Greta sagte, sie nutzt keine Stäbchen, weil es ein Symbol der Umweltzerstörung ist." Ähnliche Postings verbreiteten sich auch auf Chinesisch (hier, hier und hier). 

Einen Beweis, dass Greta Thunberg selbst etwas Ähnliches gesagt hat, fand AFP weder auf Deutsch, Englisch noch Chinesisch. Weder die Forderung noch die Antwort der chinesischen Regierung sind durch eine offizielle Stelle dokumentiert.

AFP hat deshalb Greta Thunberg per E-Mail kontaktiert. Am 15. April antwortete eine Sprecherin: "Greta hat niemals eine solche oder ähnliche Aussagen gemacht und sie hat nie eine solche Antwort bekommen."

Bis zur Veröffentlichung dieses Faktenchecks hat AFP vom chinesischen Ministerium für Ökologie und Umwelt kein Statement zu der Behauptung bekommen. Jedoch sind alle öffentlichen Informationen des Ministeriums auf der Plattform Weibo zu finden. Dort ergab eine Suche nach Schlüsselbegriffen auf Chinesisch keine Treffer. Ebenso nicht auf der Homepage des Ministeriums.

Die deutschen Facebook-Postings zeigen zur Behauptung ein Foto von Thunberg auf der mehrtägigen Weltklimakonferenz "COP25" in Madrid. Dort hielt sie Anfang Dezember 2019 eine Rede, bei der Essstäbchen aber ebenfalls kein Thema waren.

Die meisten Facebook-Postings sind außerdem wortwörtliche Übersetzungen von einem tausendfach geteilten Beitrag von März 2020. Dieser Beitrag zeigt ein anderes Foto von Thunberg, diesmal beim UN-Klimaschutzgipfel am 23. September 2019. Ein Video ihrer Rede zeigt allerdings, dass sie auch dort Essstäbchen nicht thematisierte.

Fazit: Es gibt keine Hinweise darauf, dass Greta Thunberg tatsächlich die Forderung nach einem Essstäbchen-Verbot öffentlich formuliert hat. Es gibt auch keine deutschen, englischen oder chinesischen Medienberichte dazu oder zu einer angeblichen Antwort von "den Chinesen". Das chinesische Ministerium für Ökologie und Umwelt führt in der Datenbank, in der alle öffentlichen Ministeriumsstatements gesammelt werden, keine Beiträge zu diesem Thema.