Diese Ampel in Berlin wurde 2025 durch einen Brand beschädigt
- Veröffentlicht am 2. Juli 2026 um 17:02
- Aktualisiert am 2. Juli 2026 um 17:09
- 4 Minuten Lesezeit
- Von: Judith KANTNER, AFP Deutschland
Im Juni 2026 erlebte Europa die stärkste Hitzewelle seit Beginn der Messungen. Neben den hunderten zusätzlichen Todesfällen, die wegen der anhaltenden Hitze gemeldet wurden, führten die historischen Temperaturrekorde in Deutschland auch zu Problemen in der Infrastruktur. Online kursierte in dieser Zeit ein Video, das eine Ampel in Berlin zeigen soll, deren Gehäuse aufgrund der Hitzewelle angeblich geschmolzen sei. Allerdings wurde die Ampel durch einen Brand im Jahr 2025 beschädigt. Dies bestätigten die für Berliner Ampelanlagen zuständige Firma Infrasignal sowie Bildmaterial der beschädigten Ampel, das bereits vor der Hitzewelle aufgenommen wurde.
"35 Grad im Schatten, nicht nur wir zerfließen grad in Berlin", steht in einem Video geschrieben, das am 26. Juni 2026 auf Facebook gepostet wurde. Im Video ist eine Ampel zu sehen, deren Gehäuse geschmolzen zu sein scheint. Nutzerinnen und Nutzer zeigten sich in den Kommentaren irritiert. "Wenn man ne Ampel auf Temu bestellt?!", schrieb eine Nutzerin sogleich. Andere zweifelten an der Echtheit des Videos. "Schöne KI", kommentierte ein anderer Nutzer. Der Post wurde mehr als 500 Mal weiterverbreitet.
Die Behauptung verbreitete sich reichweitenstark auf mehreren Plattformen und in verschiedenen Sprachen wie Englisch, Russisch und Türkisch.
Das Video verbreitete sich während einer Hitzewelle in Deutschland im Juni 2026. An mehreren Orten wurden Temperaturen über 40 °C gemessen. Laut dem Deutschen Wetterdienst wurde am 26. Juni 2026 in Saarbrücken, der Landeshauptstadt des Saarlandes, mit 41,3 °C die bislang höchste Temperatur in Deutschland registriert. In Berlin wurde mit 39,9 °C am letzten Juniwochenende laut dem Deutschen Wetterdienst der Temperaturrekord geknackt. In mehreren Ländern Europas wurden Rekordtemperaturen verzeichnet, die mehr als tausend Hitzetoten im Juni zur Folge hatten.
Ampel in Berlin-Friedrichshain wurde durch einen Brand beschädigt
Mittels einer Geolokalisierung fand AFP heraus, dass das Video der beschädigten Ampel an der Kreuzung Stralauer Allee/Markgrafendamm/Alt-Stralau/Elsenbrücke im Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg aufgenommen wurde. Dies lässt sich mit den Gebäuden, die im Hintergrund des Videos zu sehen sind, verifizieren. Direkt hinter der Ampel befindet sich der Club "Renate", in dem es in der Nacht auf den 19. Juni 2025 zu einem Brand kam. Medien berichteten, dass es primär im Außenbereich des Clubs brannte, im sogenannten "Renate-Garten". Dadurch wurden unter anderem Fahrräder, eine Litfaßsäule und Ampeln vor dem Club beschädigt.
Auch "BerlinLive" berichtete in einem Instagram-Reel vom 19. Juni 2025 über den Brand. Darin ist das Ausmaß des Schadens zu sehen, inklusive der beschädigten Ampeln. Der im Reel dokumentierte Schaden an der Ampel ähnelt dem im online geteilten Video.
Auf Anfrage von AFP bestätigte Infrasignal am 29. Juni 2026 schriftlich, dass der Schaden an der Ampel tatsächlich auf den Brand aus dem Vorjahr zurückzuführen sei. Eine Sprecherin der Firma, die im Auftrag der Hauptstadt für den Bau und die Instandhaltung von Lichtsignalanlagen in Berlin zuständig ist, schrieb zu der kursierenden Behauptung: "Ein Fall, in dem Signalgeber bei 40 °C derartige Schäden erleiden, ist uns nicht bekannt."
Ein Mitarbeiter von Infrasignal fotografierte am 29. April 2026 — also Monate vor der Hitzewelle in Berlin — den Schaden an der Ampel. Das Unternehmen stellte AFP das Bildmaterial zur Verfügung:
Wenige Tage nach der Hitzewelle, am 30. Juni 2026, nahm AFP selbst Bildmaterial an der Kreuzung in Berlin-Friedrichshain auf. Zu diesem Zeitpunkt fand AFP an diesem Standort keine Ampel, deren Gehäuse geschmolzen zu sein scheint. Tatsächlich steht an dieser Stelle an der Kreuzung nur eine unversehrte Ampel des Vermiet- und Baulogistikdienstleisters Zeppelin Rental, wie ein Aufkleber des Unternehmens auf der Ampel erkennen lässt. Laut Zeppelin wurde die temporäre Ampelanlage auch durch den Brand beschädigt und einen Tag danach ausgetauscht.
Eine provisorische Ampel steht laut einer schriftlichen Auskunft von Zeppelin Rental vom 1. Juli 2026 aufgrund eines Umbaus schon seit Februar 2024 dort. Laut dem Unternehmen Infrasignal wird der Verkehr an dieser Kreuzung bereits seit mehreren Jahren durch eine temporäre Ersatz-Ampelanlage geregelt.
Ampelgehäuse schmelzen nicht bei 40 °C Außentemperatur
Die Sprecherin von Infrasignal gab an, dass Ampeln aus massivem Kunststoff bestehen. Laut Swarco, einem Hersteller von Ampeln, bestehen die Gehäuse meist aus langlebigen Materialien wie dem Kunststoff Polycarbonat oder Aluminium. Die Schmelzpunkte der beiden Stoffe liegen jedoch weit über 40 °C. Im Fall von Aluminium liegt der Schmelzpunkt bei etwa 660 °C. Ab 220 °C wird Polycarbonat formbar.
Somit ist es nicht möglich, dass die Hitzewelle, deren Höchstwert bei knapp über 40 °C lag, das Ampelgehäuse in dem geteilten Beitrag derart deformierte. Ein Brand allerdings, dessen Temperatur mehrere hundert Grad Celsius betragen kann, ist hingegen durchaus in der Lage, ein Ampelgehäuse derart zu beschädigen.
Zwar war die Hitzewelle in Berlin im Juni 2026 nicht der Grund dafür, dass das Ampelgehäuse in dem geteilten Video geschmolzen ist, allerdings führte sie zu zahlreichen Infrastrukturproblemen in Deutschland. Medien berichteten unter anderem von Störungen im Zugverkehr, aufgeplatzten Autobahnstrecken sowie tatsächlichen Ausfällen von Ampeln in Berlin.
Fazit: Online wird behauptet, dass in Berlin eine Ampel aufgrund der Hitzewelle im Juni 2026 geschmolzen sei. Die im Video gezeigte Ampel wurde allerdings durch einen Brand in einem Berliner Club beschädigt, wie Medienberichte und Auskünfte gegenüber AFP ergaben.
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