Kein Zusammenhang mit Pfizer: Patent dient nicht der Verfolgung Geimpfter

Seit der Covid-19-Pandemie im Jahr 2020 sind Impfungen ein beliebtes Ziel von Verschwörungserzählungen und Desinformation. Laut einer wiederkehrenden Falschbehauptung  die im Mai 2026 erneut in sozialen Medien auftauchte soll die Injektion dazu dienen, Menschen zu überwachen und nachzuverfolgen. Das ist aber frei erfunden. Ein geteiltes Patent hat weder etwas mit einer solchen Technologie zu tun, noch hängt es mit einem Impfstoff zusammen. Außerdem hat das Patent seit seiner ursprünglichen Anmeldung im Jahr 2021 bis dato keinen Interessenten oder Abnehmerin gefunden, sagte der Inhaber des Patents gegenüber AFP.

"Diese Patentanmeldung von #Pfizer wurde am 31. August 2021 genehmigt", lautet ein X-Beitrag vom 4. Mai 2026. Ein Screenshot des Dokuments soll zeigen, dass das Patent "zum Zweck der Fernkontaktverfolgung aller geimpften Menschen weltweit dienen" und vom US-Pharmunternehmen Pfizer stammen soll.

Der Nutzer schreibt, dass diese Kontaktverfolgung über eine "Quantenverbindung mit pulsierenden Mikrowellenfrequenzen von 2,4 GHz oder höher von Mobilfunkmasten und Satelliten" funktionieren würde. Die Geimpften würden so mit dem "Internet der Dinge" verbunden werden.

Dazu wurde ein Bild geteilt, auf dem ein am 31. August 2021 in den USA registriertes Patent zu sehen ist. Bei dem registrierten Gut handelt es sich – übersetzt ins Deutsche – um "Methoden und Systeme zur Priorisierung von Behandlungen, Impfungen, Tests und/oder Maßnahmen unter Wahrung der Privatsphäre des Einzelnen".

Auch auf Telegram und Facebook wurde die Behauptung seit März 2026 wieder geteilt, nachdem sie auf der Plattform auch schon im Jahr 2025 kuriserte. Die Behauptung machte bereits im Jahr 2021 die Runde und wurde von AFP auf Englisch sowie von anderen Faktencheckorganisationen überprüft. Damals hieß es in Posts zusätzlich, dass Satelliten sich mit dem "Graphenoxid, das im Fettgewebe aller geimpften Personen gespeichert wird" verbinden würden.

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X-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 26. Mai 2026

Doch AFP-Recherchen zeigen, dass das Patent einem anderen Zweck als online behauptet dient und darüber hinaus nichts mit dem Impfstoffhersteller Pfizer zu tun hat.

Erfindung stammt nicht von Pfizer

Eine erweiterte Websuche führte zum Originaldokument, wie AFP auch schon in einem Faktencheck aus 2021 ausführte. Als Erfinder sind Gal Ehrlich und Maier Fenster eingetragen. Sie registrierten in den USA im August 2021 ein Verfahren, das ein System beschreibt, welches etwa Bluetooth in Mobiltelefonen nutzt, um Anhand der Aktivität einer Person ihre potenzielle Ansteckungsgefahr zu ermitteln. Laut der Beschreibung geht es bei dem registrierten Verfahren um eine "anonyme Auswahl von Probandinnen und Probanden für die Behandlung einer durch einen Erreger verursachten Infektionskrankheit".

"Jedes Handy interagiert mit jedem anderen Handy in der Nähe. So funktioniert das", sagte einer der eingetragenen Erfinder Gal Ehrlich gegenüber AFP in einem Gespräch am 15. Mai 2026. "Jedes Mal, wenn sich ein Telefon mit einem anderen Telefon verbindet, erhöht sich der Zähler um einen Punkt", erklärte er.

Das Verfahren soll der Priorisierung von Patientinnen und Patienten bei Behandlungen dienen, wie Ehrlich mitteilte. Dabei würden jedoch keine persönlichen Daten gesammelt werden, lediglich die Kontakte mit anderen Geräten seien ausschlaggebend. "Wer also ein geselliger Mensch ist, würde zum Beispiel zuerst geimpft werden, unabhängig von seinem Alter." Ehrlich fügte hinzu, dass das Patent ausgearbeitet worden sei, "bevor der Impfstoff (von Pfizer, Anm.d.Red) auf den Markt kam".

Selbst mehrere Jahre nachdem das Patent angemeldet wurde und die Behauptung anfing zu kursieren, habe es keine Anfragen von Pharmaunternehmen oder Regierungen gegeben, sagte Ehrlich. "Niemand hat eine Lizenz erworben, und niemand hat diese Methode angewendet." Die Technologie konzentriere sich auch auch nicht auf Impfungen per se, sondern inkludiere jede Art von medizinischen Behandlungen.

Die Presseabteilung von Pfizer bestätigte am 6. Mai 2026 schriftlich, dass die "Patentanmeldung in keinem Zusammenhang mit Pfizer steht".

Inhaltsstoffe sind nicht nachverfolgbar

Das kursierende Patent erwähnt zwar die englischen Wörter für "Kontaktverfolgung" (contact tracking). In diesem Zusammenhang nimmt das Dokument jedoch im PDF auf Seite 27 Bezug auf bereits existierende Nachverfolgungsmethoden. Dazu heißt es: "Optional wird dieses erlernte Verhalten vertraulich behandelt und/oder anonym erfasst oder bei der Erfassung verarbeitet, um die Anonymität zu wahren."

Darüber hinaus enthält der Impfstoff von Pfizer laut Produktinformation auf Seite 261 etwa Inhaltsstoffe wie Cholesterin, Trometamol, Saccharose oder Wasser – Graphenoxid ist nicht Teil davon. Am 13. Mai 2026 schrieb die Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) an AFP: "Der Comirnaty-Impfstoff enthält keine Inhaltsstoffe, durch die geimpfte Personen weltweit nachverfolgt werden könnten." Der Handelsname des mRNA-Impfstoffs von Pfizer gegen Covid-19 lautet Comirnaty, der Wirkstoff heißt Bretovameran

"Impfstoffe enthalten keine Rückverfolgungsstoffe", sagte die argentinische Forscherin Maria Victoria Sanchez vom argentinischen Nationalen Rat für wissenschaftliche und technische Forschung (Conicet) gegenüber AFP, als die Behauptung im Jahr 2021 kursierte.

AFP veröffentlichte weitere Faktenchecks zum Thema Covid-19 und Impfungen.

Fazit: Ein Screenshot eines Patents aus 2021 kursiert online erneut samt der Falschbehauptung, es zeige, dass der Covid-19-Impfstoff von Pfizer für die "Fernkontaktverfolgung aller geimpften Menschen weltweit" zugelassen worden wäre. Das Patent ist nicht für die Verfolgung geimpfter Personen bestimmt und steht in keinem Zusammenhang mit Pfizer, wie ein Urheber des Patents und das Pharmaunternehmen gegenüber AFP erklärten.

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