Stromausfall in Berlin: Asylbewerberinnen und -bewerber übernachteten in Notunterkunft oder bei Bekannten

Nach einem Brandanschlag im Südwesten Berlins Anfang Januar 2026 waren rund 45.000 Haushalte tagelang ohne Strom. In diesem Zusammenhang führten Userinnen und User sozialer Plattformen mit einer Behauptung in die Irre, dass Asylbewerberinnen und -bewerber in einem Luxushotel am Kurfürstendamm untergebracht wurden, während deutsche Staatsangehörige in Turnhallen schlafen oder sich teure Hotels hätten leisten müssen. Dabei waren betroffene Geflüchtete in einer Notunterkunft oder bei Bekannten untergebracht, wie zuständige Behörden bestätigten. Das besagte Luxushotel bezeichnete die Behauptungen ebenfalls als "unzutreffend".

"Wie will man das noch erklären????", hieß es in einem Facebook-Beitrag, der seit 5. Januar 2026 mehr als 300 Mal geteilt wurde. Darunter teilte die Userin einen Bericht einer deutschen Boulevardzeitung und suggerierte, dass Berlin aufgrund des Stromausfalls Anfang Januar 2026 ein "Luxushotel für Asylbewerber" gemietet hätte. "Es liegt direkt am Ku'damm", einer wohlhabenden Gegend der Hauptstadt, ist außerdem über der Schlagzeile zu lesen. Dem gegenübergestellt wurde das Bild einer alten Frau, die in einer Turnhalle mit einer Decke zugedeckt ist. "Für junge, kräftige Männer, die noch nie etwas für dieses Land getan haben" würden luxuriöse Bedingungen gelten, behauptete eine weitere Userin einen Tag später, während für "eine 92jährige, pflegebedürftige Frau gilt: Unterbringung in einer Turnhalle". 

Auch ein Sharepic wurde vielfach geteilt, in dem dieselbe Überschrift der Boulevardzeitung zu lesen ist. Asylbewerberinnen und -bewerber würden "Kostenlos residieren im Luxus-Hotel", ist zu lesen. "Eigene Bürger" würden hingegen "70 Euro fürs Zimmer pro Nacht" zahlen müssen. Das zeige die "Prioritäten von CDU & SPD".

Die Behauptungen kursierten in mehreren Sprachen wie Englisch, Polnisch, Rumänisch, Serbisch, Thailändisch und Italienisch. Auch auf Threads und X wurden die Behauptungen geteilt. Personen und Gruppen, die der vom Verfassungsschutz als teilweise rechtsextremistisch eingestuften Partei Alternative für Deutschland (AfD) nahestehen, verbreiteten diese ebenfalls.

Das Sharepic (links im folgenden Screenshot zu sehen) wurde zuerst vom stellvertretenden Vorsitzenden der AfD-Fraktion im Bundestag, Sebastian Münzenmaier, veröffentlicht. Der österreichische freiheitliche Politiker Roman Haider (FPÖ) teilte am 7. Januar 2026 eine ähnliche Behauptung und schrieb: "Pensionisten auf Feldbetten, Migranten im Luxushotel". In Österreich ist die Bezeichnung Pensionistin das Pendant zum deutschen Begriff Rentnerin.

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Facebook-Screenshots der Behauptungen, orange Kreuze von AFP hinzugefügt: 15. Januar 2026

Rund um den Stromausfall und die Unterbringung von Betroffenen kursierten mehrere Behauptungen. Dennis Hohloch, AfD-Abgeordneter in Brandenburg, lud ein Video hoch, in dem er behauptete: "In Berlin ist ja Stromausfall und Flüchtlinge werden jetzt unter anderem in einem Hotel am Ku’damm, einem Ex-Luxushotel untergebracht." Inzwischen wurde der Clip entfernt, wie das Faktencheck-Team des deutschen Recherchenetzwerks "Correctiv" am 13. Januar 2026 schrieb. Darüber berichtete auch die dpa in einem Faktencheck am 8. Januar 2026.

Am 3. Januar 2026 hatte ein Brandanschlag im Südwesten Berlins 45.000 Haushalte und tausende Unternehmen von der Stromversorgung abgeschnitten. Mangels Strom fiel mancherorts auch die Heizung aus. Es dauerte bis zum 7. Januar 2026, bis die Energieversorgung wieder anlief. Der Anschlag auf das Stromnetz war mutmaßlich politisch motiviert. Linksextremistische Gruppierungen bekannten sich dazu. Die Authentizität eines Bekennerschreibens ist noch nicht abgeklärt.

Doch Behauptungen, wonach betroffene Geflüchtete in einem Luxushotel am Kurfürstendamm untergebracht worden wären, sind unwahr, wie AFP-Recherchen belegen.

Artikel ist alt und steht nicht im Zusammenhang mit dem Blackout

Mithilfe einer Stichwortsuche fand AFP den Artikel, der in den geteilten Bildern samt der Behauptungen zu sehen ist. Dieser wurde am 15. November 2023 von der "Bild"-Zeitung online publiziert. Der Text lautete damals: "Ein bekanntes Hotel in Kudamm-Nähe hat den Betrieb eingestellt und dient seit wenigen Tagen als Unterkunft für Asylbewerber." Im nächsten Satz wurde das Hotel Dormero in der Eislebener Straße genannt.

Im Herbst 2023 berichtete das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) von "Engpässen in der Unterbringung" von Geflüchteten. Um diese zu überbrücken, wurden "neue Verträge zur Anmietung von Zimmerkontingenten mit verschiedenen Hostels und Hotels in Berlin geschlossen". Das gab das LAF in einer Pressemitteilung am 2. Oktober 2023 bekannt.

Diese Maßnahme wurde damals durch "hohe Zugangszahlen im Asylbereich" begründet und steht nicht im Zusammenhang mit dem Stromausfall Anfang 2026.

Abgesehen davon stammt das Bild der Rentnerin in der Turnhalle tatsächlich aus Januar 2026. Mehrere Medien berichteten, dass sie vom Stromausfall betroffen war und auf einem Feldbett geschlafen habe. Wie auf dem geteilten Bild sowie aus mehreren Perspektiven zu sehen ist, besuchte Berlins Bürgermeister Kai Wegner (CDU) die Halle, in der sie übernachtete.

Am 6. Januar 2026, drei Tage nach dem Beginn des Stromausfalls, teilte Wegner zudem auf X mit, dass Hotelkosten von Betroffenen unter bestimmten Voraussetzungen erstattet würden. Damit sind Behauptungen, wonach Deutsche für Hotelkosten aufkommen mussten, teilweise unzutreffend. Dennoch stand er für das Krisenmanagement seiner Regierung unter Kritik.

Stadtverwaltung und Dormero dementierten die Behauptung

Das LAF veröffentlichte am 7. Januar 2026 ein Videostatement. Demnach handle es sich bei den Behauptungen, dass Geflüchtete wegen des Stromausfalls im Bezirk Steglitz-Zehlendorf in Hotels untergebracht worden wären, "um eine Falschnachricht". Weiter heißt es: "Tatsächlich waren auch Geflüchtete in unseren Unterkünften im Bezirk Steglitz-Zehlendorf betroffen, sie wurden jedoch in der Notunterkunft am ehemaligen Flughafen Tegel untergebracht und nicht in Hotels!" Sie würden "mit Wiederherstellung der Stromversorgung in ihre Unterkünfte" zurückkehren.

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Ein Bus bot warmen Unterschlupf, während teilweise auch Heizungen vom massiven Stromausfall in Berlin betroffen waren: 6. Januar 2026 (AFP / RALF HIRSCHBERGER)

AFP bat auch die Stadtverwaltung um Auskunft. Ein Sprecher der Senatsverwaltung für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung antwortete am 15. Januar 2026: "Im Zusammenhang mit dem Stromausfall in Berlin wurden keine Geflüchteten in Hotels untergebracht." Er nannte stattdessen ebenfalls die Notunterkunft Tegel. Teilweise hätten die Menschen "eine Unterkunft bei Bekannten und Verwandten gefunden, weshalb nicht alle Personen verlegt wurden", führte der Sprecher weiter aus.

Geflüchtete in Hotels unterzubringen, ist eine gängige Praxis, wenn es "nicht genügend freie Plätze in regulären Flüchtlingsunterkünften gibt", wie das LAF auf Instagram erklärte. Allerdings: Diese Form der Unterbringung habe "nichts mit dem Stromausfall zu tun". Der Sprecher der zuständigen Senatsverwaltung teilte mit, dass Stand 12. Januar 2026 in regulären Unterkünften 32.853 Plätze belegt und 941 verfügbar waren. In Hotels waren demnach 3256 Plätze belegt und weitere 461 verfügbar. Die Praxis wird etwa von der Opposition kritisiert, weil diese Art der Unterbringung teuer sei. Das LAF veranschaulicht auf seiner Website, wie Geflüchtete auf die jeweiligen Berliner Bezirke verteilt sind.

Die Hotelkette Dormero führt den Standort Berlin Ku’damm in der Eislebener Straße 14, der in den Beiträgen mit den irreführenden Behauptungen gezeigt wird, auf ihrer Website an. AFP erhielt eine Stellungnahme des Unternehmens am 14. Januar 2026: "Gerne bestätigen wir, dass im Zusammenhang mit dem Stromausfall ab dem 3. Januar 2026 keine Geflüchteten im DORMERO Hotel Berlin Ku’damm untergebracht wurden." Die Behauptungen "über eine Belegung des DORMERO Hotels durch Geflüchtete infolge des Stromausfalls" seien "unzutreffend".

Fazit: Im Zusammenhang mit dem Stromausfall in Berlin 2026 wurde online irreführenderweise behauptet, dass Asylbewerberinnen und -bewerber in einem Luxushotel untergebracht wurden, während deutsche Staatsangehörige in Turnhallen schlafen oder sich teure Hotels leisten mussten. AFP fand jedoch heraus, dass Geflüchtete in einer Notunterkunft oder bei Bekannten unterkamen – nicht in Hotels. Das besagte Luxushotel bezeichnete die Behauptungen ebenfalls als "unzutreffend".

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