Bild von Nicolás Maduro in blutverschmiertem Hemd ist KI-generiert

Auf die Gefangennahme des entmachteten venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro und seiner Frau am 3. Januar 2026 durch eine US-Spezialeinheit folgten massenhaft Falschinformationen in sozialen Medien. Unter anderem teilten Nutzerinnen und Nutzer ein Bild, auf dem Maduro in Handschellen und einem blutbefleckten Hemd zu sehen ist. Auch ein Bilddienst stellte die angebliche Aufnahme seinen Medienkunden zur Verfügung. Eine Analyse des Bildes ergab visuelle Fehler, die darauf hindeuten, dass es mit Künstlicher Intelligenz generiert wurde. Auch Erkennungstools sowie der Bilddienst selbst bestätigten, dass das Bild KI-generiert ist.

"USA angriff mit Blutbad in Venezuela", schrieb eine Facebook-Seite namens Radio Südtirol in einem Facebook-Beitrag vom 4. Januar 2026 und teilte darin einen Artikel der Website von Hitradio Südtirol, in dem ein Foto von Nicolás Maduro zu sehen ist. Auf dem Bild trägt der entmachtete venezolanische Staatschef Handschellen und ein weißes, blutverschmiertes Hemd. 

Das Bild wurde auch auf X geteilt und zunächst in einem Artikel der "Berliner Morgenpost" mit der Quelle "ddp// WD / Polaris" verwendet. Auch auf anderen Sprachen wie Chinesisch, Englisch, Russisch oder Türkisch kursierte es auf verschiedenen Plattformen im Zusammenhang mit der Gefangennahme Maduros.

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Screenshot des Artikels von Hitradio Südtirol, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 8. Januar 2026

Das Bild wurde kurze Zeit nach der Festnahme des entmachteten Staatschefs in der venezolanischen Hauptstadt Caracas verbreitet, die bei einem Blitzeinsatz des US-Militärs erfolgte. Bei dem US-Angriff wurden nach venezolanischen Angaben mindestens 100 Menschen getötet. Völkerrechtlerinnen und -rechtler sehen den Einsatz als Völkerrechtsbruch an.

Nach der Festnahme erklärte die US-Regierung, die Entscheidungen der venezolanischen Übergangsregierung unter Interimspräsidentin Delcy Rodríguez würden von den USA "diktiert". Außerdem würden die USA venezolanisches Öl raffinieren und verkaufen wollen.

Am 5. Januar 2026 erklärte Maduro vor einem Gericht in New York City bei seiner ersten Anhörung, er sei "unschuldig". Ihm werden in den USA mehrere Anklagepunkte vorgeworfen, darunter Drogenterrorismus. Die nächste Anhörung wurde für den 17. März 2025 angesetzt, bis dahin bleibt Maduro inhaftiert.

Das online geteilte Bild von Maduro in Handschellen und blutverschmiertem Hemd ist unauthentisch.

Eine Analyse mit dem KI-Erkennungstool InVID WeVerify, an dessen Entwicklung AFP beteiligt ist, ergab mit einer Wahrscheinlichkeit von 84 Prozent, dass das Bild KI-generiert ist.

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Screenshot des Analyseergebnisses von InVID WeVerify: 7. Januar 2026

Eine Untersuchung mit Google Backstory, einem Analysetool für Kontexte von online geteilten Bildern, kam ebenfalls zu dem Ergebnis, es gebe "starke Beweise", dass das Bild KI-generiert ist oder mit KI manipuliert wurde.

Nach der Operation veröffentlichte US-Präsident Donald Trump ein Foto auf seiner Plattform Truth Social, das den entmachteten venezolanischen Staatschef an Bord des Schiffs USS Iwo Jima in einem anderen Outfit und ohne Blutflecken zeigt. AFP konnte die Echtheit dieses Fotos nicht überprüfen. In der Vergangenheit postete Trump bereits KI-generierte Inhalte auf seinem Account.

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Truth Social-Screenshot des Posts von Donald Trump zur Gefangennahme von Nicolás Maduro: 6. Januar 2026

AFP verbreitete ebenfalls Screenshots von Fotos von Maduros Festnahme, die auf dem offiziellen X-Account der Einheit Rapid Response 47 des Weißen Hauses veröffentlicht wurden, als Maduro am 3. Januar 2026 in das Hauptquartier der US-Drogenbekämpfungsbehörde (Drug Enforcement Administration, DEA) gebracht wurde. Auf keinem der Screenshots ist er in blutverschmierter Kleidung zu sehen.

Bilddienst löschte Bilder aus Datenbank

AFP fand das online geteilte Bild mithilfe einer umgekehrten Bildsuche auch in einem Artikel der Tageszeitung "Berliner Morgenpost", die zur Funke Mediengruppe gehört. Darin war "ddp// WD / Polaris" als Quelle des Bildes angegeben. Auf AFP-Anfrage, woher das Bild stammt, antwortete die Mediengruppe am 6. Januar 2026, das Bild von dem deutschen Bilddienst ddp media bezogen zu haben. 

Die "Berliner Morgenpost" entfernte das Bild nach der Anfrage von AFP aus dem Artikel und veröffentlichte am 7. Januar 2026 eine Richtigstellung. Darin zitierte sie auch die Bildunterschrift, mit der das Bild von ddp media geliefert wurde. Die Erstellung des Bildes mit KI wurde in der Bildbeschreibung nicht erwähnt. 

Ddp media bestätigte auf AFP-Anfrage am 6. Januar 2026, dass das Bild von seiner "Partneragentur Polaris geschickt" und "nicht als KI-generiert gekennzeichnet" worden sei. "Hätten wir es gewusst, wären die Bilder gar nicht erst verteilt worden." Das KI-generierte Bild sei aus der Datenbank entfernt worden. Eine Anfrage an den US-amerikanischen Bilddienst Polaris Images blieb bis zur Veröffentlichung dieses Artikels unbeantwortet.

Geteiltes Bild weist visuelle Unstimmigkeiten auf

Bei genauer Betrachtung des Bildes sind zudem visuelle Unstimmigkeiten erkennbar. Beispielsweise scheint der kleine Finger an der linken Hand des Soldaten auf der rechten Seite zu fehlen. 

Außerdem sind zwar auf Maduros Hemd Blutflecken zu sehen, sein weißes Unterhemd darunter scheint jedoch weitgehend makellos zu sein.

Auf dem KI-generierten Bild ist außerdem eine tiefe Narbe auf Maduros Stirn zu sehen. Sie erscheint dort ausgeprägter als sie tatsächlich ist, wie ein Foto zeigt, das der AFP-Fotograf Pedro Mattey im Juli 2025 aufgenommen hat.

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Vergleich des KI-generierten Bildes (links) mit einem AFP-Foto von Nicolás Maduro von Juli 2025 (rechts), gelbe Hervorhebungen und rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 8. Januar 2026

AFP hat nach der Gefangennahme mehrere irreführende Behauptungen über das Ereignis widerlegt, darunter ein weiteres mit Künstlicher Intelligenz (KI) erstelltes Bild, oder auch alte Videos, die zur Darstellung der Operation der US-Spezialeinheit verwendet wurden, sowie KI-generierte Aufnahmen von Feierlichkeiten zu Maduros Absetzung.

Fazit: Ein Bild des entmachteten venezolanischen Staatschefs Nicolás Maduro in Handschellen und blutverschmiertem Hemd wurde KI-generiert. Das bestätigten sowohl KI-Erkennungstools als auch ein Bilddienst, mit dessen Quelle das Bild im deutschsprachigen Raum kursierte. Auch visuelle Unstimmigkeiten deuten darauf hin, dass das Bild unauthentisch ist.

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