Nein, Ricarda Lang sprach bei Markus Lanz nicht über die veränderte russische Grenze

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Hunderte Facebook-User haben im Februar 2022 einen Screenshot geteilt, der die Bundesvorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, in einem Interview mit Moderator Markus Lanz zeigt. In seiner Sendung soll sie gesagt haben, dass die "jetzige" Verlegung der russischen Grenze an die Ukraine eine Provokation darstelle. Lanz habe sie darauf hingewiesen, dass Russland "schon immer" an die Ukraine angrenze. In der Sendung gab es diesen Wortwechsel aber nicht. Das ZDF und der Bundesvorstand der Grünen dementieren eine solche Aussage gegenüber AFP.

Hunderte Nutzerinnen und -Nutzer haben das Zitatbild Anfang Februar auf Facebook geteilt (hier, hier). AfD-Politikerin Ina Buchmann erreichte mit ihrem Posting ebenfalls Hunderte User.

Die Behauptung: Das Bild zeigt die damals noch designierte Bundesvorsitzende der Grünen, Ricarda Lang, im Gespräch mit dem Moderatoren Markus Lanz in seiner gleichnamigen Talkshow. Zwei Sprechblasen illustrieren einen angeblichen Dialog zwischen den beiden. Lang soll demnach gesagt haben: "Wenn Russland jetzt seine Grenzen an die Ukraine verlagert, ist das eine klare Provokation." Darauf soll Lanz geantwortet haben: "Ähm, Russland grenzt aber schon immer an der Ukraine."

Facebook-User nehmen Lang zum Teil in Schutz und kommentieren das Bild mit den Worten: "Darf man sich jetzt schon nicht mehr mal versprechen, ganz schön kleinlich." Andere schreiben: "Ich glaube die hätte in der Schule nicht geschlafen und etwas gelernt. Ist aber typisch grün" und "Diese Frau gehört verboten".

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 17.02.2022

Eine Suche in der ZDF-Mediathek ergab, dass Ricarda Lang am 9. Februar 2022 Gast der Talksendung von Markus Lanz war. Das komplette Video ist noch ein Jahr bis Februar 2023 in der Mediathek abrufbar.

Darin tragen Lanz und Lang die selbe Kleidung wie im geteilten Bild und sprechen tatsächlich auch über den aktuellen Konflikt an der ukrainisch-russischen Grenze. In dem Gespräch geht es vor allem um die Auswirkungen des Konflikts auf den Betrieb der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2, durch die Gas aus Russland nach Deutschland transportiert werden soll.

Lang passierte in dem Gespräch tatsächlich ein Fehler, der sich aber nicht auf die russische Grenze bezog. Sie sagte ab Minute 4.09: "Wenn die russischen Aggressionen weitergehen, dann liegt Nord Stream 2 auf dem Tisch. Dann kann diese Pipeline nicht einfach so gebaut werden." Lanz entgegnete ihr, dass die Pipeline bereits gebaut und betriebsbereit sei. Die Pipeline ist tatsächlich bereits fertig gebaut. In Betrieb ist sie aber noch nicht (hier, hier).

Lang hat nichts über die Verlagerung der russischen Grenze gesagt

AFP hat sich die gesamte Talkshow noch einmal angeschaut mit dem Ergebnis, dass Ricarda Lang an keiner Stelle etwa über eine Verlagerung der russischen Grenze an die Ukraine gesagt hat.

AFP hat trotzdem beim ZDF nach der Echtheit des Meme-Zitats gefragt. Am 17. Februar 2022 schrieb ZDF-Sprecher Thomas Hagedorn in einer E-Mail an AFP: “Die neue Grüne Co-Parteivorsitzende nahm in der Sendung Stellung zum Ukraine-Russland-Konflikt, zur Energiewende und zur Klimapolitik. Der von Ihnen zitierte Satz kam in der Sendung nicht vor.”

AFP fragte auch bei den Grünen nach. Am selben Tag schrieb der Sprecher des Grünen-Bundesvorstandes, Paul von Streit, in einer E-Mail: "Das von Ihnen angesprochene Zitat ist so nicht gefallen. Ein weiteres Lanz-Interview mit Frau Lang gab es nicht."

Woher stammt das Meme?

Im Bild ist unten links "@schwurbel_oase" zu lesen. Dabei handelt es sich um einen Instagram-Account, der teils humoristische, teils regierungskritische Memes veröffentlicht. Im Feed taucht auch das auf Facebook geteilte Bild in mehreren Versionen auf. Der Account veröffentlichte vier verschiedene vermeintliche Gesprächsabläufe mit den Sprechblasen mit Ricarda Lang (hier, hier, hier, hier). Alle vier Zitate sind erfunden, wie ein Abgleich mit der Sendung zeigt. In einem weiteren Bild kritisiert der Account die "völlige Inkompetenz" Langes und illustriert sie mit demselben Screenshot aus der Sendung.

In allen vermeintlichen Dialogen sagt Lang immer wieder etwas Falsches, das Lanz richtigstellt. Mit dem Gesprächsverlauf scheinen die Instagram-Postings auf die tatsächliche Korrektur von Markus Lanz zur Nord-Stream-2–Äußerung Langs anzuspielen. Auf den fiktiven Inhalt gibt das auf Facebook geteilte Bild selbst keinen Hinweis. User auf Facebook nehmen dieses ernst.

Fazit: Die Behauptung, die Grünen-Bundesvorsitzende Ricarda Lang habe sich in der Talkshow von Markus Lanz über eine Verlagerung der russischen Grenze an die Ukraine geäußert, ist falsch. In der Sendung hat sie solch eine Äußerung nicht getätigt. Das ZDF und auch der Bundesvorstand der Grünen dementieren dies ebenfalls.

Ukrainischer-Russisch Krieg