Es gibt keine Polizei-Warnung vor Schlüsselanhängern mit Chips

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Seit Anfang des Jahres haben Hunderte Nutzerinnen und Nutzer auf Facebook eine vermeintliche Warnung der Polizei Berlin geteilt. Die angebliche Aufforderung: Keine kostenlosen Schlüsselanhänger annehmen, die an Tankstellen und ähnlichen Orten ausgegeben würden – dieses sei Teil einer Betrugsmasche rumänischer Krimineller. Die Falschmeldung kursiert schon seit Jahren, die Polizei Berlin hat sie bereits in der Vergangenheit dementiert.

Seit dem 8. Januar teilen erneut mehrere Hundert Facebook-Nutzerinnen und -Nutzer die vermeintliche Warnung der Polizei Berlin (hier oder hier). Demnach würden an Orten wie Tankstellen und Parkplätzen Schlüsselanhänger oder kleine Schmuckgegenstände verschenkt. Diese enthielten einen Ortungschip, mit dem rumänische Kriminelle dann feststellen könnten, ob man sich Zuhause aufhalte. Bei Abwesenheit werde dann die Gelegenheit zu einem Einbruch genutzt.

Eine Suche nach Postings in sozialen Medien zeigt, dass die Behauptung nicht erst seit Jahresbeginn kursiert. Mehr als 3000 Facebook-User hatten eine ähnliche Warnung bereits 2018 geteilt, nur ohne deren Ursprung bei der Polizei Berlin zu vermuten.

Falschmeldung 2021, Facebook-Screenshot: 12.01.2021

Schon 2012 warnte die Polizei Niedersachsen auf Facebook vor der vermeintlichen Warnung. Damals kam sie angeblich von der Polizei in den Niederlanden. Die Polizei stellte klar, dass keine derartigen Fälle bekannt seien und forderte zum Löschen der Nachricht auf. Außerdem verwies sie auf die "Hoax-Liste" der Technischen Universität (TU) Berlin. Der österreichische Faktencheck-Blog Mimikama berichtete ebenfalls schon damals darüber, auch weil laut Mimikama teils Quellen wie die Tankstellenkette "OMV" und Polizisten der Polizei Hannover und Hessen der Falschmeldung aufgesessen waren. In einem Bericht des ORF warnte die Polizei Kärnten ebenfalls bereits 2012 vor der Falschmeldung.

Laut der Hoax-Liste der TU Berlin kursiert die Legende schon seit 2008, als die Tankstellenkette Caltex in Südafrika zu Werbezwecken Schlüsselanhänger an ihren Tankstellen verteilte. Auch die Faktencheck-Website Snopes beschrieb 2008 die Ursprünge der Geschichte so, die südafrikanische Nachrichtenseite Independent Online berichtete damals ebenfalls.

2016 machte die Behauptung erneut die Runde, diesmal auf Whatsapp, wie die "Heidenheimer Zeitung" berichtete.

Falschmeldung 2020, Facebook-Screenshot: 12.01.2021

Im Frühjahr 2020 tauchte sie dann wieder auf, Mimikama stellte sie erneut richtig. In manchen Versionen tauchte bei der Falschmeldung damals schon der angebliche Absender Polizei Berlin auf. Diese dementierte das allerdings im März 2020 auf Facebook. Sie wies auf die lange Geschichte der Falschmeldung hin und schrieb zur Behauptung: "Das ist natürlich Unsinn."

Im Posting von 2021 (siehe erstes Foto), das angeblich von der Polizei Berlin stammen soll, sieht man sogar noch in Schwarz-Weiß dieselben Hervorhebungen, die bereits das Posting aus dem Jahr 2020 (siehe zweites Foto) aufwies. Auch passen einige Details im Posting nicht zu einer offiziellen polizeilichen Warnung: Neben der übertriebenen Zeichensetzung ergeben auch Formulierungen wie „nach Angaben der Polizei“ durch die Polizei selbst keinen Sinn.

AFP hat am 12. Januar 2021 trotzdem nochmal bei der Polizei Berlin nach der aktuell geteilten Behauptung gefragt. Ein Sprecher wies sie abermals zurück: "Die Warnung stammt definitiv nicht von uns." Auch hätten die Beamten aktuell nicht gehäuft solche Einbruchsfälle beobachtet: "Das tritt nicht vermehrt auf", sagte der Sprecher.

Fazit: Nein, rumänische Kriminelle verfolgen nicht den Aufenthaltsort mittels in Schlüsselanhängern versteckten Ortungschips. Bei der Warnung handelt es sich um eine alte Falschmeldung, die bereits mehrfach von verschiedenen Medien sowie Polizeistellen dementiert wurde. Auch die Polizei Berlin bestätigt, nicht Ursprung der Warnung zu sein.