Keine Inszenierung: ARD-Bericht zeigte eine Übung an der Charité

Im Mai 2026 wurde ein mit Ebola infizierter US-amerikanischer Arzt auf Bitte der US-Regierung auf einer Isolierstation der Berliner Universitätsklinik Charité behandelt. Vor diesem Hintergrund kursierte in sozialen Medien ein Bildausschnitt aus einer ARD-Sendung über die Station, der die Behauptung einer Inszenierung des Virus zur Panikmache belegen soll. Die Behauptung ist jedoch irreführend. Die ARD zeigte eine Übungseinheit auf der Sonderisolierstation.

"Auch Ebola ist WIEDER nur Fake", schrieb eine Nutzerin in einem X-Post vom 22. Mai 2026. Die Userin teilte mit ihrem Post ein Bild, in dem im Vordergrund zwei Personen in Schutzanzügen mit Gebläsefilter zu sehen sind. Im Hintergrund ist eine andere Person erkennbar, die keinen solchen Schutzanzug trägt. Drei rote Pfeile zeigen im Sharepic auf diese dritte Person. Der Beitrag erreichte über 200.000 Mal andere Nutzerinnen und Nutzer auf der Plattform X.

Das Bild kursierte auf unterschiedlichen Plattformen und in verschiedenen Sprachen wie Arabisch, Französisch, Italienisch und Polnisch.

Während einige Nutzerinnen und Nutzer aufgrund dieses Bildausschnitts an der tatsächlichen Gefährlichkeit des Ebola-Virus zweifelten, erhoben andere den Vorwurf der Inszenierung. Eine Nutzerin behauptete am 21. Mai 2026 auf Facebook, dass es sich hierbei um Schauspielerinnen und Schauspieler handeln würde: "Bereit für die Ebola Plandemie? Die Darsteller ueben gerade neue Tanz Einlage."

Mit dem Stichwort "Plandemie" greifen Nutzerinnen und Nutzer eine alte Verschwörungserzählung auf, die bereits während der Covid-19-Pandemie kursierte. Laut der Erzählung seien großflächige Virusausbrüche Teil eines übergeordneten Plans. Zu diesem Thema veröffentlichte AFP bereits mehrere Faktenchecks.

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X-Screenshot der Behauptung, oranges Kreuz von AFP hinzugefügt: 3. Juni 2026

Die Behauptungen, die mit dem geteilten Bild getätigt wurden, lassen sich nicht bestätigen. AFP-Recherchen ergaben, dass das geteilte Bild aus ARD-Berichten stammt, die einen Übungsdurchlauf von Mitarbeitenden der Charité zeigen und keine Schauspielerinnen und Schauspieler.

Ebola-Ausbruch in Kongo: 60 bestätigte Todesfälle

Am 15. Mai 2026 bestätigte die Demokratische Republik Kongo einen Ausbruch von Ebolafieber im Nordosten des Landes. Das Virus, das über Körperflüssigkeiten übertragen werden kann, verursacht bei Infizierten hohes Fieber und kann auch zu inneren und äußeren Blutungen führen. Der Ausbruch Mitte Mai wurde durch die Ebola-Spezies Bundibugyo hervorgerufen. Laut dem Robert-Koch-Institut weist die Bundibugyo Spezies eine Sterblichkeitsrate von 30 bis 40 Prozent auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rief zwei Tage darauf, am 17. Mai 2026, eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" aus – ihre zweithöchste Alarmstufe.

In einer Pressekonferenz vom 3. Juni 2026 bestätigte die WHO, dass in der Demokratischen Republik Kongo, dem Epizentrum des Ebola-Ausbruchs, 60 Personen aufgrund der Ebola-Spezies Bundibugyo gestorben sind. Es gibt noch keinen zugelassenen Impfstoff gegen das Virus, allerdings rechnet die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union mit einem möglichen Impfstoff bis Ende 2027.

Der Direktor der Klinik für Infektiologie an der Charité, Leif Erik Sander, gab am 27. Mai 2026 in Berlin bekannt, dass der mit Ebola infizierte US-Bürger auf dem Weg zur Besserung sei. Seine Laborwerte seien laut Angaben wieder "fast normal". Zudem sollen die Ehefrau und Kinder des Infizierten weiterhin symptomfrei sein. Auch die Tests der Familienmitglieder des US-Amerikaners fielen negativ aus, so Sander.

ARD-Sendungen nutzten Archivmaterial einer Übung

Wie manche Userinnen und User in Posts korrekt angaben, ist das geteilte Bild auf eine Sendung der "tagesschau"(ab Minute 07:17) vom 19. Mai 2026 zurückzuführen (hier archiviert). Für einen Bericht über die Behandlung des US-amerikanischen Ebola-Infizierten wurden Videoaufnahmen verwendet, in denen Mitarbeitende der Charité in Gebläseschutzanzügen zu sehen sind. Dasselbe Videomaterial zeigten auch die "tagesthemen" (ab Minute 01:35) am 21. Mai 2026 (hier archiviert). 

In beiden Sendungen kennzeichnete die ARD die Videoaufnahmen in der linken oberen Ecke mit dem Hinweis "ARCHIV". Dieser Hinweis ist im online kursierenden Bild aufgrund des kleineren Bildausschnitts nicht zu sehen. 

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Screenshot der "tagesthemen"-Sendung vom 21. Mai 2026, grüne Hervorhebung von AFP hinzugefügt: 4. Juni 2026

Eine Sprecherin des Norddeutschen Rundfunks (NDR), einer der neun regionalen Sender der ARD, bestätigte AFP am 3. Juni 2026, dass es sich um Videomaterial handelt, das erstmals am 1. April 2018 ausgestrahlt wurde. Die Sprecherin erklärte, dass das Material mit einem Archivhinweis versehen wurde, um transparent zu machen, dass die Aufnahmen nicht aktuell gedreht wurden. "Auf solches Archivmaterial wird dann zurückgegriffen, wenn zum Beispiel aktuelle Aufnahmen nicht realisierbar sind", erläuterte sie. Und weiter: "So sind zum Beispiel Dreharbeiten auf einer Sonderisolierstation nur sehr selten möglich."

Zudem erklärte der NDR, die Aufnahmen würden keine reale Behandlungssituation abbilden, sondern eine Übung von Mitarbeitenden der Charité. Aus diesem Grund war es möglich, dass ein Kamerateam des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) überhaupt filmen durfte. AFP sind keine Aufnahmen des US-Amerikaners auf der Station bekannt. Die Charité stellte Medien lediglich ein Foto bereit, in dem zu sehen ist, wie die zwei Kinder des Infizierten durch ein Fenster zu ihrem Vater schauen. 

Dass die Archivaufnahmen von einer Übung stammen, bestätigte auch ein Sprecher der Charité. Er schrieb AFP am 3. Juni 2026, dass es sich bei diesen Aufnahmen um eine Übung von Mitarbeitenden der Station handelte. Laut dem Sprecher trug die im Hintergrund erkennbare Person zudem keinen Schutzanzug, "weil das in dieser Zone der Station nicht notwendig ist". 

Die Sonderisolierstation der Charité ist in Deutschland die größte ihrer Art. Nach Angaben der Klinik verfügt die Station über zwölf Schleusenzimmer, durch die das medizinische Personal hindurchgehen muss, bevor es auf die Station gelangt. Zuvor muss das Personal, wie im ARD-Beitrag gezeigt, virendichte Schutzanzüge mit einer externen Gebläseeinheit anlegen, die das Personal vor hochinfektiösen Erregern schützen soll. Für das An- und Ablegen der Ausrüstung ist die Hilfe eines weiteren Teammitglieds notwendig. Nach der verrichteten Arbeit, die aufgrund der hohen Anstrengung in einem solchen Anzug maximal vier Stunden dauern darf, muss das Personal die Anzüge mithilfe von aufgeschäumter Säure dekontaminieren, wie die Charité auf ihrer Website angab. 

Übungen an Sonderisolierstationen werden monatlich ausgeführt

Das Bundesgesundheitsministerium informiert auf seiner Website darüber, dass die Mitarbeitenden der Sonderisolierstation an der Charité zweimal im Monat Trainings für konkrete Abläufe und Notfallszenarien sowie  regelmäßige Nachschulungen absolvieren.

Auf der Website der Charité über die Sonderisolierstation informiert das Universitätskrankenhaus über die konkreten Schulungsszenarien: "In monatlichen ganztägigen Trainingseinheiten bereiten sich Pflegekräfte und Ärzt:innen mit spezieller infektiologischer, intensivmedizinischer und isolationstechnischer Expertise gemeinsam auf verschiedenste Behandlungsszenarien vor." Die Mitarbeitenden setzen sich in den Schulungen sowohl mit theoretischen Inhalten wie Krankheitslehre und gesetzlichen Vorgaben auseinander, als auch mit praktischen Situationen, die im Rahmen von Simulationen geübt werden.

Zudem werden laut Charité jährlich reale Anwendungsszenarien mit anderen Institutionen gemeinsam geprobt, die mehrere Tage andauern. 

Fazit: In sozialen Medien wurde irreführenderweise behauptet, ein Bild aus einer ARD‑Sendung würde eine Inszenierung rund um das Ebola-Virus belegen. Tatsächlich handelt es sich um Archivmaterial einer Übung von Mitarbeitenden an der Charité, das erstmals im Jahr 2018 ausgestrahlt wurde.

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