Die südlichen Vororte Beiruts nach israelischem Beschuss am 2. März 2026 (AFP / IBRAHIM AMRO)

Soziale Medien nach US-israelischem Angriff auf Iran mit Desinformation über Nahen Osten geflutet

  • Veröffentlicht am 5. März 2026 um 09:44
  • Aktualisiert am 5. März 2026 um 13:18
  • 3 Minuten Lesezeit
  • Von: Anuj CHOPRA
  • Übersetzung und Adaptierung: AFP Deutschland

Der US-israelische Angriff auf den Iran hat eine Flut von Online-Desinformation ausgelöst: Alte Bilder wurden im falschen Kontext geteilt, Videospielsequenzen als Raketenangriffe ausgegeben oder Kampfszenen mit KI generiert. 

Seitdem die US-amerikanischen und israelischen Angriffe am 28. Februar 2026 einen regionalen Konflikt entfacht haben, ist parallel dazu ein Informationskrieg ausgebrochen, in dem Anhänger beider Seiten soziale Medien mit Falschmeldungen überschwemmen, die sich oft schneller verbreiten als die Fakten vor Ort.

AFP-Faktencheckerinnen und Faktenchecker haben eine Reihe von Behauptungen pro-iranischer Accounts widerlegt, die alte Videos gepostet hatten, um die Schäden durch die Raketenangriffe Teherans auf Israel und Golfstaaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Saudi-Arabien zu übertreiben.

"Es findet definitiv ein Narrativ-Krieg im Internet statt", sagte Moustafa Ayad vom Institute for Strategic Dialogue (ISD) gegenüber AFP. 

"Ob es nun darum ging, die Angriffe im gesamten Golf zu rationalisieren oder angesichts der israelischen und US-amerikanischen Angriffe die militärische Macht des Iran zu demonstrieren – das Ziel scheint darin zu bestehen, die 'Feinde' zu zermürben."

Am anderen Ende des Spektrums haben iranische Oppositionsmedien laut Forscherinnen und Forschern auf X und Telegram falsche Narrative verbreitet, in denen sie die iranische Regierung selbst für einen Raketenangriff auf eine iranische Mädchenschule verantwortlich machten. 

Das ISD warnte zudem vor gefälschten Social-Media-Konten, die sich als hochrangige iranische Führungskräfte ausgeben.

Unterdessen haben Videospiel-Clips, die als iranische Raketenangriffe umgedeutet wurden, und KI-generierte Bilder von versenkten US-Kriegsschiffen, darunter die USS Abraham Lincoln, Millionen von Aufrufen auf den großen Plattformen erzielt.

Ähnliche Desinformationstaktiken wurden auch in anderen globalen Konflikten wie in der Ukraine und im Gazastreifen beobachtet.

"Es ist wirklich die Geschwindigkeit und das Ausmaß dieser Darstellungen, die erstaunlich sind und einen Großteil der Online-Verwirrung darüber verursachen, was beispielsweise angegriffen wurde oder wie hoch die Zahl der Opfer ist", sagte Ayad.

Solche gefälschten Bilder  – die den Iran bedrohlicher darstellen, als es die Beweise vor Ort vermuten lassen – haben laut der Desinformations-Beobachtungsorganisation NewsGuard allein auf der Plattform X von Elon Musk insgesamt mehr als 21,9 Millionen Aufrufe erzielt. 

'Kriegsnebel'

X kündigte am 3. März 2026 an, Content-Ersteller für 90 Tage von dem Umsatzbeteiligungsprogramm der Plattform auszuschließen, wenn sie KI-generierte Videos von bewaffneten Konflikten veröffentlichen, ohne offenzulegen, dass diese künstlich erstellt wurden. 

Die Änderung der Richtlinien zielt auf das ab, was das Unternehmen als Bedrohung für die Authentizität von Informationen im Rahmen des andauernden Krieges gegen den Iran bezeichnet.

"In Kriegszeiten ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Menschen Zugang zu authentischen Informationen vor Ort haben", sagte Nikita Bier, Produktleiterin bei X, und fügte hinzu, dass es mit den aktuellen KI-Technologien "ein Kinderspiel ist, Inhalte zu erstellen, die Menschen in die Irre führen können." 

Die neue Richtlinie zur Offenlegung von KI-Inhalten stellt eine bemerkenswerte Kehrtwende für eine Plattform dar, deren Ansatz zur Moderation von Inhalten seit Elon Musks Übernahme im Oktober 2022 für 44 Milliarden Dollar heftig kritisiert wurde. 

"Der Kriegsnebel verwandelt sich schnell in einen regelrechten Sumpf des Krieges, da KI-generierte Inhalte unendlichen Lärm in Informationsökosystemen verursachen", sagte Ari Abelson, Mitbegründer von OpenOrigins, einem Unternehmen für Medienauthentizität, das gegen Deepfakes kämpft.

"Angesichts eines weiteren globalen Konflikts von immenser Tragweite, der sich derzeit im Iran abspielt, ist es wichtig, dass wir alle verstehen, wie sich unser Medienökosystem verändert."

Eine Studie von NewsGuard hat gezeigt, dass das Tool zur umgekehrten Bildsuche von Google ungenaue, KI-generierte Zusammenfassungen von gefälschten und irreführenden Bildern im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt erstellt hat, was das Chaos im Internet weiter verschärfen könnte.

Dies offenbart eine "erhebliche Schwachstelle in einem weit verbreiteten System zur Überprüfung der Echtheit von Bildern", so die Organisation. Google gab zunächst keinen Kommentar ab.

Die USA und Israel starteten den Angriff am 28. Feburar 2026 und töteten kurz darauf Irans Obersten Führer, Ayatollah Ali Chamenei, zwei Tage nachdem US-Gesandte in Genf mit dem Iran über ein Atomabkommen verhandelt hatten.

Seitdem hat der Iran seine Vergeltungsangriffe mit Raketen und Drohnen im Nahen Osten ausgeweitet und am 3. März 2026 ein US-Konsulat und einen Stützpunkt angegriffen. Die USA und Israel gaben an, wichtige Ziele in Teheran bombardiert zu haben.

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