Blumen und ein Foto von Alex Pretti an einer provisorischen Gedenkstätte in der Gegend, in der er am 24. Januar 2026 von US-Bundesbeamten in Minneapolis erschossen wurde (AFP / Octavio JONES)

Einsatz gegen Migranten in Minneapolis: Zahlreiche Falschinfos über von US-Beamten getöteten Alex Pretti im Umlauf

Mit Alex Pretti wurde am 24. Januar 2026 ein zweiter US-Bürger in Minneapolis, der bevölkerungsreichsten Stadt des US-Bundesstaats Minnesota, von US-Bundesbeamten getötet. Das Ereignis, das eine Welle der Empörung auslöste, wurde in zahlreichen Beiträgen in sozialen Medien aufgegriffen. Viele von ihnen zielten darauf ab, Pretti durch Falschinformationen zu diskreditieren. AFP hat einige dieser Behauptungen überprüft.

Nach dem Tod von Renee Good, die am 7. Januar 2026 von einem Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE getötet worden war, erschossen Beamte der US-Grenzschutzbehörde Border Patrol etwa zwei Wochen später, am 24. Januar 2026, Alex Pretti. Der 37-jährige US-amerikanische Krankenpfleger wurde während einer Demonstration in Minneapolis getötet. Einwohnerinnen und Einwohner protestierten gegen die Präsenz und Methoden von Border Patrol und ICE, die seit Wochen in der bevölkerungsreichsten Stadt des US-Bundesstaats Minnesota im Einsatz sind, um die von US-Präsident Donald Trump angeordneten Massenabschiebungen umzusetzen. 

Die Trump-Regierung behauptete sofort, Pretti habe einen Angriff auf die Bundesbeamten geplant, wobei der US-Präsident die Schuld dafür dem "von den Demokraten verursachten Chaos" zuschrieb. Einige Tage später versicherte ein Bericht des US-Heimatschutzministeriums (DHS) an den Kongress, dass sich Pretti, der legal eine Pistole bei sich trug, der Festnahme durch maskierte Beamte widersetzt habe. Die Behauptung, dass er die Absicht gehabt habe, einen Angriff auf die Ordnungskräfte zu verüben, wurde darin jedoch nicht untermauert. 

Für seine Waffe besaß Pretti einen gültigen Waffenschein. Die Gesetze des Bundesstaats Minnesota erlauben das verdeckte Tragen einer Schusswaffe. Videos des Vorfalls, die AFP und andere Medien analysierten, widerlegen hingegen die Behauptung, dass der Krankenpfleger die Ordnungskräfte bedroht habe.

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Am Rande einer Demonstration am 24. Januar 2026, wenige Stunden nachdem Alex Pretti erschossen wurde (AFP / ROBERTO SCHMIDT)

In keinem der von AFP gesichteten Videos scheint der 37-Jährige zu versuchen, nach seiner Waffe zu greifen. Zudem liegen seine Hände auf dem Boden, als der erste Schuss fällt. Videoanalysen von etwa zehn Medien, darunter von der Washington Post, der New York Times und des internationalen Recherchekollektivs Bellingcat, kamen zu denselben Schlussfolgerungen.

Dennoch verbreiteten sich Falschinformationen in sozialen Medien, die einseitige Analysen und manipulierte Bilder vermischen.

Montagen zeigen Pretti angeblich mit Schusswaffe 

Eine Aufnahme, in der Pretti angeblich einen der anwesenden Beamten mit einer Waffe bedroht, wurde vielfach in sozialen Medien auf Französisch geteilt. Darin ist der Krankenpfleger Pretti mit einer Pistole in der Hand zu sehen, die er auf die Brust des vermummten Beamten zu richten scheint. Einige Nutzerinnen und Nutzer behaupteten, Pretti hätte das Feuer auf die Beamten eröffnet.

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X-Screenshots der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 27. Januar 2026

Dieses Bild ist jedoch in Wirklichkeit eine Montage, wie das Video bestätigt, aus dem es stammt: Es handelt sich um ein Handyvideo, das aus einem Auto heraus gefilmt und am 24. Januar 2026 von dem Instagram-Nutzer @dangjessie veröffentlicht wurde. Die Beschreibung des Videos lautet: "Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit kamen wir an dem Ort vorbei, an dem es zu einer weiteren Schießerei in Minneapolis kommen sollte. Ich bin sprachlos. Das muss aufhören."

Auf dieser Aufnahme ist zu sehen, dass Pretti keine Pistole, sondern ein Smartphone in der Hand hält, das er bis zu seinem Tod nicht loslässt.

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Screenshots der Falschbehauptung (links) und des Instagram-Videos (rechts), rotes Kreuz und rote Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 30. Januar 2026

Die Montage wurde insbesondere von französischen Politikerinnen und Politikern verbreitet, unter anderem von dem Mitglied des Rassemblement National (RN) Philippe Steens und der RN-Aktivistin Marion Ceccato, deren Beiträge inzwischen gelöscht wurden. Andere Internetnutzende, darunter der ehemalige RN-Berater Tanguy Cornec, bezeichneten fälschlicherweise einen Bundesbeamten als Alex Pretti.

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X-Screenshots der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 27. Januar 2026

Tatsächlich handelt es sich jedoch um jenen Beamten, der Pretti entwaffnet hat. Er trägt eine dunklere Hose als Pretti, eine Mütze und einen Schal.

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Screenshots eines Videos des Vorfalls, rote Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 27. Januar 2026

Die Weste, die ihn als Mitglied der Bundespolizei ausweist, ist darüber hinaus auf den Bildern zu sehen, die in den irreführenden Veröffentlichungen geteilt werden.

Bild von Opfer mit KI bearbeitet

Andere Nutzerinnen und Nutzer behaupteten in unterschiedlichen Sprachen, Alex Pretti hätte seine Waffe aus dem Holster gezogen, als die Beamten versuchten, ihn zu überwältigen, nachdem sie ihn zu Boden gedrückt hatten und ehe einer von ihnen auf Pretti schoss. Zur Untermauerung wird in Beiträgen eine Nahaufnahme des Krankenpflegers geteilt, der einen dunklen Gegenstand in Hüfthöhe zu halten scheint.

Tatsächlich handelt es sich um einen Screenshot eines Videos, dessen Auflösung jedoch mithilfe Künstlicher Intelligenz (KI) erhöht wurde. Das führt zu visuellen Unstimmigkeiten, die auf der Originalaufnahme nicht zu sehen sind.

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Warnung: Sensibler Inhalt

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X-Screenshots der Behauptung, gelbe Markierung gehört zum Beitrag, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 27. Januar 2026

Der früheste Beitrag, den AFP mit einer umgekehrten Bildsuche finden konnte, wurde am 25. Januar 2026 auf Englisch auf X gepostet. Mehrere Anzeichen deuten darauf hin, dass diese online verbreitete Version in höherer Auflösung mit KI verändert wurde: Einer der Beamten hat keinen Kopf und seine Beine sind in einem unnatürlichen Winkel neben einem nicht identifizierbaren Objekt positioniert.

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Warnung: Sensibler Inhalt

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Screenshots der Behauptung, rote Kreuze sowie orange und rote Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 27. Januar 2026

Das KI-bearbeitete Bild stammt von einem der Handyvideos, die von der Situation aufgenommen wurden. Eine Überprüfung mit dem visuellen Analysetool Forensically lässt keine Rückschlüsse auf die Form des Gegenstands zu, den Pretti in der Hand hält – aber die Analyse der Videosequenzen zeigt, dass Pretti bereits entwaffnet war, als der Beamte zum ersten Mal schoss. Zudem handelte es sich dieser Analyse zufolge vermutlich um sein Handy. 

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Warnung: Sensibler Inhalt

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Screenshots des nicht KI-bearbeiteten Videos (links) und Detailansicht mit dem Analysetool Forensically (rechts): 27. Januar 2026

Hany Farid, Professor an der School of Information der University of California in Berkeley, erklärte auf AFP-Anfrage für einen separaten Faktencheck zu diesem Thema am 26. Januar 2026, dass das von ihm mitbegründete Projekt GetReal Security ebenfalls zu dem Schluss gekommen sei, dass es sich bei dem Bild um eine mit KI bearbeitete Version eines echten Videobildes handele.

Er sagte, diese Art der KI-Generierung sei populär geworden, da Nutzerinnen und Nutzer versuchen würden, aus Originalvideos mit geringer Qualität klarere Bilder zu erstellen. "Das Problem bei diesen Bildern ist, dass die KI-Verbesserung dazu neigt, Details zu verfälschen", erklärte Farid. 

Fotos eines linksradikalen Aktivisten als Pretti ausgegeben

Auf Englisch und Französisch wurde ein weiteres Bild verbreitet, das den Behauptungen zufolge angeblich Alex Pretti zeigen sollte. Darauf ist eine Person mit buntem Bart, bunter Perücke, knappem Oberteil und kurzem Rock zu sehen. Neben dem Bild teilten Nutzerinnen und Nutzer häufig homophobe Äußerungen oder bezeichneten Pretti als "Ultra-Linken" und Mitglied der "Antifa". Im November 2025 hatte US-Präsident Trump die deutsche "Antifa-Ost" sowie drei weitere europäische Gruppierungen auf die US-Terrorliste gesetzt. 

Der Mann auf dem Foto ist jedoch nicht Pretti, sondern der amerikanische linksextreme Aktivist Kyle Wagner.

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X-Screenshots der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 27. Januar 2026

Mithilfe einer umgekehrten Bildsuche konnte AFP Beiträge finden, die das Foto enthalten und es dem US-amerikanischen Aktivisten Kyle Wagner zuordnen. Ein Vergleich der Tätowierungen des Mannes auf dem verbreiteten Bild und auf Fotos auf dem Instagram-Profil von Wagner bestätigt, dass es sich um dieselbe Person handelt. Auch in einem AFP-Video sind die Tattoos in Wagners Gesicht zu erkennen (hier archiviert).

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X-, Instagram- und Tiktok-Screenshots (v.l.n.r.) von Kyle Wagner, rote Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 28. Januar 2026

Wagner hat seine Social Media-Accounts deaktiviert und erklärt, er sei "auf der Flucht", nachdem er in einem Video zu "direkten Aktionen" gegen ICE-Beamte aufgerufen hatte, wie der US-amerikanische konservative Fernsehsender Fox News berichtet.

KI-generierter Artikel verbreitet Anschuldigungen

Drei Tage nach dem Tod von Alex Pretti verbreiteten Nutzerinnen und Nutzer in sozialen Medien zudem die Behauptung, der Krankenpfleger sei drei Monate vor seinem Tod wegen "beunruhigender Beschwerden" von Angehörigen von Patientinnen und Patienten über "perverse Handlungen an schutzbedürftigen Personen" aus dem Krankenhaus "entlassen" worden, in dem er gearbeitet hatte.

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Facebook- und X-Screenshots der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 29. Januar 2026

Die irreführenden englisch- und französischsprachigen Beiträge stützen sich auf die Aussage einer Frau namens Elena Vasquez, der angeblichen Direktorin des Lakeshore Medical Centers im Bezirk Columbus in Minnesota, in dem Pretti angestellt gewesen sein soll. 

Die Behauptung entbehrt jedoch jeglicher Grundlage: Pretti war zum Zeitpunkt seines Todes beim Minneapolis Veterans Hospital beschäftigt, Elena Vasquez scheint nicht zu existieren und der Artikel wurde mithilfe von KI verfasst.

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Screenshot der Website Buzzreport247, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 29. Januar 2026

Eine Stichwortsuche nach dem Namen der mutmaßlichen Direktorin und der Einrichtung Lakeshore Medical Center ergab keine Treffer für eine Person dieses Namens, die diese Funktion ausübt. Außerdem zeigt eine Suche im Register des Gesundheitsministeriums von Minnesota, dass es weder im Bezirk Columbus noch anderswo in dem US-Bundesstaat eine Einrichtung namens Lakeshore Medical Center gibt.

Am 26. Januar 2026 würdigte die Föderation amerikanischer Beamter den Krankenpfleger Pretti und erklärte, er sei auf der Intensivstation des Minneapolis Veterans Medical Center beschäftigt gewesen, wo er "sein Leben dem Dienst an amerikanischen Veteranen gewidmet habe".

Die Website Buzzreport247, von der die Falschinformation stammt, wurde im Juli 2025 erstellt und scheint ausschließlich Artikel zu enthalten, die KI-generiert worden sind. Das trifft auch auf den Artikel über Pretti zu: Eine Analyse mit dem Verifizierungstool InVID WeVerify, an dessen Entwicklung AFP beteiligt ist, ergab, dass der Text fast vollständig von KI erstellt wurde.

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Screenshot des Analyseergebnisses von InVid WeVerify: 29. Januar 2026

Der Artikel enthält außerdem Unstimmigkeiten: So wird behauptet, Alex Pretti sei 42 Jahre alt gewesen – er war zum Zeitpunkt seines Todes 37 Jahre alt – und habe "nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme" der Website reagiert. Dabei ist der Artikel drei Tage nach Prettis Tod veröffentlicht worden.

Video zeigt keine Ehrerweisung für Pretti

Einige Tage nach den Schüssen auf Alex Pretti wurde unter anderem in deutschen Beiträgen ein Video in sozialen Medien geteilt, in dem Gesundheitspersonal mit Gesichtsmasken zu sehen ist, das einem mit der US-amerikanischen Flagge bedeckten Verstorbenen die letzte Ehre erweist. Das Video wurde von zahlreichen Nutzerinnen und Nutzern, aber auch von internationalen Medien wie dem katarischen Fernsehsender Al-Dschasira oder dem russischen Staatssender Russia Today verbreitet.

"Hommage im Krankenhaus in #Minneapolis, in dem der von #ICEGESTAPO ermordete Krankenpfleger arbeitete", heißt es unter einem der Beiträge.

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X- und Facebook-Screenshots der Behauptung (v.l.n.r.), rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 27. Januar 2026

Mehrere Elemente werfen jedoch Fragen zum Aufnahmezeitpunkt der Sequenz auf: Zum einen wird in keinem der Beiträge die Quelle des Videos genannt, während das Veteranenkrankenhaus in Minneapolis über seine regulären Kommunikationskanäle oder seine Social Media-Accounts kein vergleichbares Video online gestellt hat.

Zum anderen tragen die Krankenpflegerinnen und -pfleger in den Fluren chirurgische Masken und auf dem Boden sind Abstandsmarkierungen wegen Covid-19 zu sehen, was darauf hindeutet, dass das Video während der Corona-Pandemie gedreht wurde.

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X-Screenshot der Behauptung, rote Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 27. Januar 2026

Auf AFP-Anfrage erklärte ein Sprecher des Veteranengesundheitssystems von Minneapolis, das für den Betrieb des Krankenhauses verantwortlich ist, in dem Pretti arbeitete (das "Minneapolis VA"), am 28. Januar 2026: "Ich kann Ihnen bestätigen, dass das Video nicht im Minneapolis VA (dem Veteranenkrankenhaus, Anm. d. Red.) gedreht wurde, und wir haben keine weiteren Informationen dazu."

Die englischsprachige Faktencheck-Organisation Snopes veröffentlichte einen Artikel zu demselben Video und zitierte dabei einen Facebook-Beitrag, der eine authentische Hommage an Alex Pretti zu zeigen scheint. Der Nutzer, der das Video veröffentlichte, verortete es im Veteranenkrankenhaus von Minneapolis und versah es mit der Beschreibung: "Eine Schweigeminute für Alex Pretti. Einer unserer Kollegen!! Möge er in Frieden ruhen."

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Facebook-Screenshot des Beitrags: 28. Januar 2026

In zwei Reihen stehen auf den Bildern Krankenpflegerinnen und -pfleger, von denen die meisten keine Masken tragen. Auch der Boden sieht anders aus als in dem online geteilten Video. Eine Suche auf der Plattform Linkedin führte zum Profil des Nutzers, der den Beitrag veröffentlichte: Garrett Peterson. Seinem Account zufolge ist er seit 1995 als Krankenpfleger im Veteranenkrankenhaus tätig.

Ein Facebook-Post zeigt ihn bei der Feier seines 30-jährigen Dienstjubiläums im Team der Minneapolis VA, und eine Recherche im Register des Bundesstaates Minnesota bestätigte, dass er dort tatsächlich als Krankenpfleger registriert ist.

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Eine Anwohnerin gedenkt Alex Pretti am Ort seines Todes in Minneapolis am 25. Januar 2026 (AFP / ROBERTO SCHMIDT)

Mindestens sechs Menschen sind seit Anfang 2026 in ICE-Gewahrsam gestorben, mindestens 30 im Jahr 2025 – dem tödlichsten Jahr seit rund 20 Jahren.

Bereits der Tod von Renee Good Anfang Januar 2026 löste eine Welle der Empörung, aber auch Desinformation in sozialen Medien aus. AFP überprüfte mehrere Falschinformationen dazu.

Fazit: Nachdem US-Bundesbeamte den Krankenpfleger Alex Pretti am 24. Januar 2026 in Minneapolis erschossen hatten, kursierten online zahlreiche bearbeitete oder aus dem Kontext gerissene Aufnahmen sowie ein KI-generierter Artikel über Pretti. AFP widerlegte diese Falschinformationen mithilfe von KI-Analysen und fand die Originalzusammenhänge. 

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