Nein, die EU soll nicht laut dem schwedischen Regierungschef aufgelöst werden

Die Europäische Union ist ein beliebtes Ziel von Desinformation und Verschwörungserzählungen. In sozialen Medien hieß es zuletzt, der "schwedische Regierungschef" habe die Auflösung der EU gefordert. Der Mann im zugrunde liegenden Artikel sowie im beigefügten Foto ist jedoch Gustav Kasselstrand, der Vorsitzende der rechtspopulistischen Partei Alternative für Schweden. Diese Partei ist weder im schwedischen, noch im EU-Parlament vertreten. AFP konnte keine derartige Aussage des aktuellen schwedischen Regierungschefs Ulf Kristersson finden.

"Schwedischer Regierungschef fordert Auflösung der EU: 'Das europäische Projekt ist völlig gescheitert'", hieß es in einem Facebook-Beitrag vom 27. März 2025. In dem geteilten Screenshot ist ein Mann in Anzug abgebildet sowie ein Link zu einer Website mit einem angeblichen Artikel dazu angeführt, der jedoch nicht vollständig lesbar ist.

Der Beitrag kursierte auch auf anderen Plattformen wie X und Telegram. In manchen Beiträgen ist der gesamte Link zu dem Artikel mit der angeblichen Aussage des schwedischen Regierungschefs sichtbar.

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Facebook-Screenshot der Behauptung: 28. März 2025

Der Link führt zu einem Artikel auf der Website The People's Voice, die bereits mehrfach Falschinformationen verbreitet hat. In dem englischen Originalartikel auf der Internetseite ist jedoch nicht zu lesen, dass der schwedische Regierungschef die Auflösung der EU gefordert hätte.

Hierbei handelt es sich um einen Irrtum, der durch eine fehlerhafte Übersetzung entstanden ist. Nutzerinnen und Nutzer teilten einen Link einer automatischen Übersetzung des Artikels auf Deutsch. Dort wird der englische Begriff "leader" fälschlicherweise mit "Regierungschef" anstelle von "Parteichef" übersetzt.

In dem Artikel – weder im Original noch in der fehlerhaften Übersetzung – geht es zudem gar nicht um den schwedischen Regierungschef. Das ist aktuell Ministerpräsident Ulf Kristersson der bürgerlich-konservativen Moderaten Sammlungspartei.

Parteichef der Alternative für Schweden abgebildet

Der geteilte Artikel behandelt Gustav Kasselstrand. Er ist auch auf dem Foto abgebildet, wie eine umgekehrte Bildsuche zeigte. Kasselstrand ist nicht Regierungschef Schwedens. Er gehört der rechtspopulistischen Partei Alternative für Schweden (AfS) an und steht dieser vor. Das geteilte Bild des Politikers fand AFP bereits in Beiträgen aus dem Jahr 2022.

Die Kleinstpartei AfS befürwortet den Rückzug Schwedens aus der EU. AfS hat jedoch weder Sitze im schwedischen Reichstag noch im EU-Parlament.

Laut dem Artikel von The People's Voice forderte Kasselstrand das Ende der EU angeblich in einem Dokument vom 18. März 2025, das dort verlinkt ist. Darin übt Kasselstrand Kritik an der EU und ihren geplanten Verteidigungsinvestitionen. Er warnt, dass dies ein gefährlicher Schritt in Richtung einer stärkeren EU sei – im Gegensatz zu einem Europa, das aus unabhängigen Ländern besteht. Er schreibt darin jedoch nicht explizit, wie im geteilten Artikel behauptet, dass die EU beendet werden müsse.

Keine Hinweise auf derartige Äußerung Kristerssons

Seit Oktober 2022 ist Ulf Kristersson Ministerpräsident von Schweden und somit Regierungschef des Landes. Er führt die Minderheitsregierung aus der Moderaten Sammlungspartei, den Christdemokraten und den Liberalen an. Diese wird von den rechtspopulistischen Schwedendemokraten unterstützt.

Mittels Stichwortsuche fand AFP keine derartigen Äußerungen des Politikers in Bezug auf die EU.

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Schwedens Ministerpräsident Ulf Kristersson gab mit dem deutschen Kanzler am 17. Januar 2025 eine Pressekonferenz im Kanzleramt in Berlin (AFP / RALF HIRSCHBERGER)

Kristersson sprach in letzter Zeit hauptsächlich im Zusammenhang mit Verteidigungsfragen über die EU. Kristersson unterstützt etwa die EU-Pläne, die Verteidigungsinvestitionen zu erhöhen, wie aus Medienberichten von Anfang März 2025 hervorgeht. "Allein ist man nicht stark", meinte er in diesem Zusammenhang.

Fazit: Anders als in sozialen Medien behauptet, hat sich der "schwedische Regierungschef" laut einem Artikel nicht für eine Auflösung der EU ausgesprochen. Hierbei handelt es sich um einen Übersetzungsfehler. Der geteilte Artikel behandelt EU-kritische Positionen des Parteichefs der rechtspopulistischen Alternative für Schweden. Diese Partei ist im schwedischen Parlament nicht vertreten.

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