Dieser "Spiegel"-Artikel über die Kündigung eines Hamburger Busfahrers ist gefälscht

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Dutzende User haben Anfang Mai 2022 auf Facebook ein Bild eines vermeintlichen "Spiegel"-Artikels geteilt, wonach angeblich ein Busfahrer der "Hamburger Verkehrsbetriebe" gekündigt worden sei, weil er einen pöbelnden syrischen Fahrgast vor die Tür gesetzt haben soll. Damit wolle Hamburg ein Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit setzen. Diese Meldung ist so im "Spiegel" allerdings nie erschienen. Der zuständige Verkehrsbetrieb in Hamburg dementierte ebenfalls einen solchen Vorfall. Bei dem Bild handelt es sich um eine missverstandene Parodie.

Dutzende teilten die Behauptung Anfang Mai 2022 auf Facebook. Auch auf Twitter kursierte die Behauptung.

Die Behauptung: User teilen einen Screenshot einer angeblichen Wirtschaftsmeldung des "Spiegels". Zu einem Bild eines Busses heißt es unter der Schlagzeile "Busfahrer wegen Intoleranz gefeuert": "Weil ein Busfahrer von den Hamburger Verkehrsbetrieben, einen betrunkenen und pöbelnden syrischen Fahrgast vor die Tür setzte, wurde er auf Beschluss der Betriebsleitung entlassen. Damit will Hamburg endlich ein Zeichen gegen Ausländerfeindlichkeit setzen."

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 19.05.2022

Ist der Screenshot des "Spiegel"-Artikels echt?

Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass die rote Überschrift leicht in die Mitte versetzt ist und nicht dem Layout von echten Online-Artikeln des "Spiegel" entspricht. Der "Spiegel" setzt seine Überschriften in Schwarz, das aktuell geteilte Posting verwendet rot. Auch soll der Artikel im Wirtschaftsressort erschienen sein, obwohl es thematisch keinen Wirtschaftsbezug gibt.

Screenshot eines urpsümglichen "Spiegel"-Artikels (links) und des auf Facebook geteilten Bildes (rechts, rotes Kreuz durch AFP)

Eine Suche nach dem Artikeltitel bei "Spiegel.de" ergab keine Treffer, genausowenig wie bei Google und der Pressedatenbank Genios. AFP Faktencheck hat beim "Spiegel" nach der Echtheit des Artikels gefragt. Am 19. Mai 2022 bestätigte Sprecherin Anja zum Hingst in einer E-Mail, dass es sich um eine Fälschung handele: "Offenbar hat da jemand diese Meldung genommen und ein anderes Foto und einen anderen Text reinkopiert. Zumindest legt das die Menüleiste nahe. Ansonsten ist vieles anders als bei uns. Zum Beispiel die Farbe der Headline, die Typo des Teasers, das Fehlen der Dachzeile und der lustige Zusatz 'Parodie' oben im Kopf neben dem Ressort 'Wirtschaft'."

Was ist mit dem Inhalt der Falschnachricht?

Laut dem Screenshot soll sich die Situation mit einem angeblichen pöbelnden syrischen Fahrgast und dem Busfahrer bei den "Hamburger Verkehrsbetrieben" zugetragen haben. Diese gibt es so aber nicht, erklärte Christina Sluga, Sprecherin der Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein, am 19. Mai in einer E-Mail: "Die 'Hamburger Verkehrsbetriebe' gibt es nicht und der Hamburger Verkehrsverbund beschäftigt keine eigenen Busfahrerinnen und Busfahrer."

Weiter erklärte sie: "Wir sind ein Verkehrsunternehmen im Hamburger Verkehrsverbund (hvv) im Bereich Bus." Aber: "Der Bus, der auf dem Bild des angeblichen "Spiegel"-Beitrags zu sehen ist, stammt von der Hochbahn. Die Hamburger Hochbahn AG ist ein anderes großes Verkehrsunternehmen im hvv."

Eine Rückwärtssuche mit dem Bild auf Google ergab, dass das Bild tatsächlich einen E-Bus der Hamburger Hochbahn zeigt, das Medien bereits 2018 in ihrer Berichterstattung verwendeten (hier, hier).

Christoph Kreienbaum, Sprecher der Hamburger Hochbahn schrieb am gleichen Tag: "Das ist eine Falschmeldung – in allen Dimensionen. Es gab keinen derartigen Fall bei der Hamburger Hochbahn AG." Er schrieb weiter: "Ein pöbelnder Fahrgast kann von der Weiterfahrt ausgeschlossen werden. Aber nicht weil er aus einem anderen Land kommt. Das wissen unsere Fahrerinnen und Fahrer, die aus insgesamt 60 verschiedenen Ländern kommen."

Übersehener Parodie-Hinweis

In dem Bild ist auch in der Mitte ganz oben ein kleiner Hinweis auf eine "Parodie" zu finden. Diesen übersehen Facebook-User offenbar. Sie kommentieren das Bild mit Worten wie: "Unmöglich, können oder dürfen Sie sich alles erlauben?" und "Das sind die wörtlich genommenen 'Freifahrtsscheine'".

Fazit: Das Bild der "Spiegel"-Meldung ist gefälscht. Der "Spiegel" hat diese Schlagzeile nie veröffentlicht. Diesen Vorfall mit einem pöbelnden Mann im Bus und einer Kündigung des Busfahrers hat es außerdem laut dem Verkehrsbetrieb nicht gegeben. Ein Parodie-Hinweis im Bild wird von User im Internet außerdem offenbar übersehen.