Nein, der Geschäftsführer von Disney wurde nicht wegen Menschenhandels verhaftet

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Hunderte User haben seit Mitte März einen Artikel auf Facebook geteilt, wonach der Geschäftsführer von Disney, Bob Chapek, aufgrund von Menschenhandel verhaftet worden sei. Die Behauptung stammt allerdings ursprünglich von einem Satire-Beitrag. Auch die Polizei in Chapeks Wohnort Los Angeles bestätigte, dass der Disney-Geschäftsführer nicht verhaftet wurde.

Hunderte Nutzerinnen und Nutzer haben die Behauptung zum Disney-Geschäftsführer auf Facebook geteilt (hier, hier, hier). Auf Telegram sahen Hunderttausende einen entsprechenden Beitrag. Auch auf Französisch, Spanisch und Tschechisch wurde die Behauptung verbreitet, die auf einem Artikel der "Vancouver Times" vom 17. März beruht.

Die Behauptung: "Der CEO von Disney, Bob Chapek, wurde wegen Menschenhandels verhaftet!", heißt es in zahlreichen Beiträgen in sozialen Netzwerken. Dazu wird der Link zu einem entsprechenden Artikel geteilt. In einigen Postings heißt es, die Verhaftung sei zu einem Zeitpunkt erfolgt, als auch vier seiner Disney-Beschäftigten im Rahmen einer verdeckten Operation gegen den Menschenhandel in Florida verhaftet wurden.

Facebook-Screenshot der Behauptung: 22.03.2022

In dem Artikel der "Vancouver Times" heißt es, der Disney-Geschäftsführer Bob Chapek sei in seinem Wohnort im Süden Kaliforniens verhaftet worden. Chapek ist seit Februar 2020 Geschäftsführer des US-Unternehmens mit Sitz in Kalifornien und lebt nach Angaben verschiedener Medien im Los Angeles County (hier, hier). 

Auf AFP-Anfrage erklärte die Polizeibehörde Los Angeles County Sheriff's Department allerdings am 24. März, Chapek sei nicht von der zuständigen Polizeistelle verhaftet worden. 

Die zuständige Task Force für Menschenhandel der Polizeistation erklärte ebenfalls, es seien keine Verhaftungen in Verbindung mit dem Disney-Geschäftsführer bekannt. 

Eine Suche im Informationszentrum für Häftlinge der Region Los Angeles County ergab zudem keine Einträge unter den Namen "Bob Chapek" oder "Robert Chapek". 

Es handelt sich um einen satirischen Beitrag

Wie eine Online-Recherche zeigte, handelt es sich beim Artikel der "Vancouver Times" um einen satirischen Beitrag. Eine entsprechende Markierung wurde der Webseite allerdings erst nachträglich hinzugefügt. 

Die Satire-Kennzeichnung wurde zunächst nicht auf der Website erwähnt und später hinzugefügt, wie dieser Screenshot vom 23. März 2022 (links) zeigt. Dagegen die Behauptung auf Facebook gepostet am 18. März (rechts), Screenshot vom 29.03.2022.

User teilten die Geschichte der "Vancouver Times", nachdem die Polizei in Florida tatsächliche Verhaftungen in Verbindung mit Menschenhandel und Prostitution öffentlich machte. Auch Prostitution ist im US-Bundesstaat Florida illegal.

Insgesamt erfolgten 108 Festnahmen, vier davon im Zusammenhang mit unangebrachtem Verhalten gegenüber Minderjährigen. Der dortige County-Sheriff Grady Judd erklärte dazu auf einer Pressekonferenz am 16. März, dass vier Disney-Mitarbeiter unter den Festgenommenen seien.

Nach Angaben des Sheriffs wurden drei Angestellte aus den Bereichen der Gastronomie, Softwareentwicklung beziehungsweise der IT-Abteilung von Disney wegen Aufforderung zur Prostitution verhaftet. Ein vierter sei dreifach im Zusammenhang mit dem Versenden von unangemessenen Nachrichten angeklagt worden. "Er war Rettungsschwimmer im Polynesian Resort für Disney und hat damit geprahlt", erklärte der Sheriff zu Letzterem. 

AFP erhielt die vollständige Liste der bei der Aktion verhafteten Verdächtigen am 23. März von der örtlichen Polizeistelle und kann bestätigen, dass Chapeks Name darin nicht enthalten ist. 

AFP hat zudem bei der Walt Disney Company nachgefragt, ob es einen Zusammenhang zwischen Chapek und den Verhaftungen gibt. Bis zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Faktenchecks erhielt AFP allerdings keine Antwort.

Fazit: Nein, der Disney-Geschäftsführer wurde nicht wegen Menschenhandels verhaftet. Das bestätigte die zuständige Polizeistelle. Bei dem zu der Behauptung verbreiteten Artikel handelt es sich um einen satirischen Beitrag. 

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