Dieses Bild beweist keine Ungereimtheiten bei den zurückliegenden Landtagswahlen

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Hunderte User auf Facebook und Tausende auf Telegram haben kurz nach den Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz das Foto einer aufgebrochenen Wahlurne bei intakter Versiegelung geteilt. Sie soll als Beweis für möglichen Wahlbetrug dienen. Die Aufnahme stammt allerdings von der Landtagswahl in Thüringen im Jahr 2019 und zeigte auch damals schon keinen Wahlbetrug.

Hunderte User haben das Foto der offenen Urne seit dem 15. März auf Facebook geteilt (hier, hier). Tausende sahen es auf Telegram (hier). In der Beschreibung des Bildes heißt es etwa: "Da kommen einem doch ganz automatisch komische Vermutungen hoch." In einer Gruppe mit dem Namen "ANTI B90/GRÜN KAMPAGNE" schreibt ein User außerdem: "Sagt ja schon alles".

Auf Telegram stellen User der Wahlurnen-Aufnahme zudem ein Bild der lachenden und gerade wiedergewählten Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), bei.

Facebook-Screenshot: 15.03.2021

AFP hat zunächst eine Bildersuche nach der Aufnahme durchgeführt. Unter den Ergebnissen fanden sich mehrere Quellen, die die Aufnahme in besserer Auflösung zeigen. Etwa hier auf dem Blog "Isnichtwahr" und hier bei der Nachrichtenseite "Thüringen24". Beide Portale haben das Bild bereits im Oktober 2019 hochgeladen.

In besserer Qualität lässt sich dann auch klar der Schriftzug "Landtagswahl am 27.10.2019" auf der Urne erkennen. Damit kann das Bild nicht bei den Wahlen in Rheinland-Pfalz oder Baden-Württemberg entstanden sein. Es stammt aus den bereits zurückliegenden Wahlen in Thüringen 2019 (mehr zu den Wahlen und der darauf folgenden Regierungskrise in Thüringen gibt es hier). Auch die Faktencheck-Plattform Mimikama hatte bereits 2019 über die Aufnahme berichtet, die damals schon als Beweis für Wahlbetrug in Thüringen herangezogen wurde. Eine genaue Verortung über die Hintergründe der Aufnahme gab es damals noch nicht.

Beweist das Bild dennoch Wahlbetrug in Deutschland?

AFP hat am 15. März beim Büro des Thüringer Landeswahlleiters nach der Aufnahme gefragt. Eine Sprecherin erklärte am Telefon: "Nein, einen Wahlbetrug hat es hier nicht gegeben."

Den Ursprung des Fotos habe damals der Landeswahlleiter Günter Krombholz im Nachgang der Wahlen herausgefunden: "Am Wahltag war ein Mann in ein Wahllokal im Landkreis Gotha gestürmt, bedrohte die Wahlhelfer und brach dann die Wahlurne mit einem Werkzeug gewaltsam auf", sagte die Sprecherin. Er habe zeigen wollen, wie einfach das sei. Nachdem die Wahlhelfer ihn überwältigen konnten, sei die Urne dann sofort wieder verschlossen worden. Stimmzettel seien keine verloren gegangen.

Die zuständige Polizei in Gotha bestätigte am 16. März gegenüber AFP, dass es am Tag der Wahl einen solchen Zwischenfall mit einer aufgebrochenen Urne in der Kleinstadt Ohrdruf im Landkreis Gotha gegeben hatte. 

Fazit: Nein, die aktuell geteilte Aufnahme zeigt keinen Wahlbetrug oder sonst irgendeinen Vorfall bei den Landtagswahlen 2021. Sie stammt von den Landtagswahlen in Thüringen 2019. Auch damals war sie schon kein Beweis für Wahlbetrug, wie Landeswahlleiter und die Polizei Gotha AFP bestätigten.