(AFP / Ina Fassbender)

Aus diesen Trockenheits-Grafiken wurde eine wichtige Einschränkung entfernt

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Hunderte User haben Ende Mai eine Bildkarte der Wissenschaftssendung "Quarks" geteilt, auf der es heißt: "Die Landwirtschaft muss erst einmal nicht mehr unter Dürre leiden." Dies sei der Beweis dafür, dass die Dürre aus dem vergangenen Jahr wieder behoben ist, heißt es weiter. Aus der Original-Bildkarte wurde allerdings ein Satz herausgeschnitten. Demnach sind die tieferen Bodenschichten durchaus weiterhin ausgetrocknet. Die so entstehenden Probleme beschreibt der Dürremonitor 2021 des Helmholtz Zentrum für Umweltforschung.

Es laufe gar nicht so gut mit der "Klimakatastrophe" vor der Bundestagswahl, heißt es in einem hundertfach seit Ende Mai geteilten Posting auf Facebook (hier, hier). Und: "Letztes Jahr hieß es noch, es werde Jahre dauern bis sie Dürre wieder behoben ist."

Den mutmaßlichen Beweis, dass die Dürre vorbei ist, liefert den Usern eine Bildkarte der WDR-Wissenschaftssendung "Quarks". Darauf sind zwei Deutschlandkarten zu sehen, die Ende Mai 2020 und 2021 vergleichen. Aus tiefem rot auf der linken 2020-Karte werden nur einige wenige gelbe Punkte auf der 2021-Karte. Dazu heißt es: "Die Landwirtschaft muss erst einmal nicht mehr unter Dürre leiden."

Facebook-Screenshot: 31.05.2021

Tatsächlich gab es im Jahr 2020 zahlreiche Medienberichte über die Probleme mit einer zu großen Dürre in Deutschland (hier, hier). Beweist die verbreitete Bildkarte aber, dass die zitierten Expert*innen bei der Einschätzung der Folgen falsch lagen?

AFP fielen zunächst einige Ungereimtheiten im verbreiteten Bild auf. Der Satz unter den Grafiken wirkt seltsam platziert, inklusive Pixel-Fragmenten um den Text herum.

Deshalb hat AFP nach dem Original-Posting der Sendung "Quarks" gesucht und wurde auf deren Facebook-Seite fündig. Im Vergleich zum Original, so wird sofort klar, wurde die Bildkarte verändert und ein wichtiger "Aber"-Satz weggelassen. Dort heißt es: "Aber: Die tieferen Bodenschichten (1-2m) sind aufgrund der vorherigen Jahre weiterhin sehr ausgetrocknet. "

In einem Instagram-Posting mit der Karte führt Quarks aus: "Doch unser Dürreproblem ist damit nicht komplett gelöst. Weil die vergangenen Jahre zum Teil extrem trocken waren, sind die tieferen Bodenschichten ziemlich ausgetrocknet. Es bräuchte auch in den kommenden Monaten immer mal wieder Dauerregen und kühlere Temperaturen, um auch diese Bodenschichten gut zu durchfeuchten."

Als Quelle gibt Quarks das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und dessen Dürremonitor Deutschland sowie den Deutschen Wetterdienst an. Der Dürremonitor liefert nach eigenen Angaben täglich flächendeckende Informationen zum Bodenfeuchtezustand in Deutschland.

AFP hat am 2. Juni Monitor-Koordinator Andreas Marx kontaktiert. Er sagte in einem Telefonat: "Die Aussage ist immer gewesen, dass es in Deutschland ungefähr bis zu einem Jahr dauern würde, um die Dürresituation hinter sich zu lassen." Die für Ende Mai dargestellte Karte des Dürremonitors zeigt laut Marx lediglich den Normalzustand des oberen Bodens nach den Wintermonaten.

"Das bedeutet nicht, dass alle Regionen die Dürre bereits überstanden haben", sagte der Experte. "Mancherorts ist der Boden oben nass, untendrunter aber noch knochentrocken. Damit haben vielleicht nicht die Landwirte, aber durchaus die Sektoren Wald und Forstwirtschaft sowie die Grundwasserversorgung zu kämpfen." Gerade die Situation der Wälder sei nicht optimal, auch wenn sie sich im Vergleich zu den vergangenen Jahren gebessert habe.

Fazit: Aus der verbreiteten Bildkarte wurde wichtiger Kontext entfernt, der im Original zur Einordnung diente. Auch das für die Daten zuständige Helmholtz Zentrum sagte zu AFP, dass die Folgen der Dürre vor einem Jahr nicht bereits völlig abgeklungen sind.