Mikrobiologe Bhakdi verbreitet irreführende Behauptungen über Immunreaktionen nach Corona-Impfungen

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Hunderttausende Nutzerinnen und Nutzer haben seit Anfang August ein Video auf Facebook gesehen, in dem der Mikrobiologe Sucharit Bhakdi vor einer heftigen Immunreaktion nach Corona-Impfungen warnt. Besonders in Gefäßzellen verursachten die vom Körper nach Impfungen produzierten Spike-Proteine Thromben und Blutungen, behauptet Bhakdi. Aber auch andere Körperregionen könnten angeblich wegen des Impfstoffs vom eigenen Immunsystem angegriffen werden. Zudem zeigten Studien, dass dieses bereits mit dem neuen Coronavirus vertraut sei. Eine Impfung sei deshalb nicht notwendig. Expertinnen und Experten widersprechen Bhakdis Behauptungen gegenüber AFP.

Tausende User haben die Behauptungen Bhakdis seit Anfang August auf Facebook (hier, hier) und auf Twitter (hier) gesehen. Ähnlich viele konnten sich den Beitrag auf Youtube anschauen (hier), mittlerweile hat die Plattform ihn gelöscht. 

Die Falschbehauptungen: In einem etwa zwanzig Minuten langen Video warnt Bhakdi vor heftigen Immunreaktionen, die bei der Produktion von Spike-Proteinen in Folge von Corona-Impfungen auftreten sollen. Demnach könne der Impfstoff in die Blutbahn gelangen und dort Spike-Proteine bilden. Wenn dann das Immunsystem des Körpers diese angreife, könne es zu Blutgerinnseln oder Blutungen kommen, behauptet Bhakdi. Trete der Impfstoff aus den Blutgefäßen aus, könnten genauso andere Körperregionen vom eigenen Immunsystem angegriffen werden. Es könne auch zu absterbendem Gewebe in Lymphknoten kommen. Bhakdi möchte zudem mit Hilfe mehrerer Studien bewiesen haben, dass der Körper bereits eine Immunantwort für das neuartige Coronavirus besitzt. Die Impfung sei daher überflüssig. AFP hat die einzelnen Thesen Bhakdis überprüft. Sie sind irreführend bis falsch. 

Facebook-Screenshot der Falschbehauptung: 10.08.2021

Mikrobiologe Sucharit Bhakdi wurde in der Vergangenheit öffentlich immer wieder wegen nicht belegbarer Behauptungen zum Coronavirus und Impfungen kritisiert. Die Universität Mainz, an der Bhakdi bis 2012 lehrte, distanzierte sich bereits mehrfach von seinen Aussagen. Zuletzt geriet Bhakdi auch aufgrund antisemitischer Bemerkungen in die Kritik. Für die Partei Die Basis tritt er als Kandidat zur Bundestagswahl an. Auf Anfrage der AFP vom 13. August an seine Partei, wiederholte Bhakdi seine Behauptungen. Er schrieb etwa: "Nekrose in LK (Anm. d. Red.: Lymphknoten): Viele Ärzte haben Ultraschallbefunde, die das belegen (...) Das Immunsystem funktioniert nach konstantem Muster (...) es gibt keine Alternative (gerne Lehrbücher konsultieren)", schrieb Bhakdi. 

1. Behauptung: Spike-Proteine werden in Blutgefäßzellen produziert

Bhakdi behauptet in seinem Video, der Impfstoff würde in die Blutbahn des Körpers geraten. Dabei würden vor allem an Endothelzellen, also an der inneren Zellschicht der Blutgefäße, Spike-Proteine produziert, die vom eigenen Immunsystem als Ziele erkannt würden. 

Im Rahmen eines vergangenen Faktenchecks erklärte allerdings bereits Christian Münz, Professor für Virale Immunbiologie an der Universität Zürich, am 6. Mai gegenüber AFP: "Die Impfung wird intramuskulär verabreicht, dadurch kommt es hauptsächlich zur Expression von Spike in Muskelzellen." Während dieses Prozesses könnten die Spike-Proteine kaum ins Blut gelangen. "Damit das Spike-Protein Endothelzellen in Blutgefäßen schädigen könnte, müssten davon große Mengen im Blutstrom vorliegen," erklärte Münz. Dies sei aber nach Impfungen nicht der Fall. 

Die Leiterin der Forschungsgruppe Biochemie und Bioorganische Chemie an der Universität Leipzig, Annette Beck-Sickinger, bestätigte dies gegenüber AFP am 5. Mai. "Die entstandenen Spike-Proteine werden in der Muskelzelle zum Teil an der Oberfläche dem Immunsystem gezeigt oder in noch kleinere Teile geschnitten und über einen Präsentator den T-Zellen vorgeführt. Wir haben nach der Impfung somit kein freies Spike-Protein, das durch den Körper mäandert und unsere Gefäße zerstört. Die Muskelzellen sind fest im Muskel verankert."

Selbst wenn es eine solche Produktion im Blut geben würde, wäre dies nicht beunruhigend, erklärte der Tübinger Forscher Daniel Sauter in einem anderen AFP-Faktencheck zum Thema vom 17. Juni: "Der Nachweis von freiem Spike-Protein außerhalb der Injektionsstelle wäre nicht zwangsläufig mit Nebenwirkungen oder Toxizität verbunden und daher an sich nicht beunruhigend. Im Organismus zirkulieren Hunderttausende Proteine, die in verschiedenen Organen verstoffwechselt und abgebaut werden. Das Vorhandensein körperfremder Proteine im Blut ist nicht unbedingt mit toxischen Effekten verbunden."

Peter Murray, Forschungsgruppenleiter für Immunregulation am Max-Planck-Institut, erklärte Ähnliches gegenüber AFP am 2. Juni in einer E-Mail. Er ergänzte, dass körperfremde Stoffe immer aus dem Körper entfernt würden. Ausnahme seien etwa von klein auf tolerierte Nahrung, Darmbakterien, Kleidung am Körper. Das Spike-Protein gehöre aber nicht zu diesen Ausnahmen. "Das bedeutet, dass es, egal was passiert, eingefangen und entfernt wird", erklärte Murray

2. Behauptung: Die Spike-Proteine lösen eine gefährliche Immunantwort aus

Bhakdi behauptet, die vom Impfstoff produzierten Spike-Proteine würden Angriffe des Immunsystems auslösen. Dabei könne es zu Thromben, also Blutgerinnseln, kommen. Bei einer Zweitimpfung reagiere das Immunsystem aufgrund bereits existierender Antikörper dabei so heftig, dass die Immunangriffe die Gefäßwand der Blutgefäße verletzen könnten. Blut "suppe" dann heraus. Der austretende Impfstoff könne dann auch Spike-Proteine in anderen Körperregionen produzieren, die ebenfalls angegriffen würden. 

Zu dieser Beschreibung listet Bhakdi unter seinem Video zwei Studien auf (hier, hier), die als Nachweis dienen sollen. Zwar wurde in den beiden Studien tatsächlich bei einer kleinen Patientengruppe eine heftige Immunreaktion auf Spike-Proteine festgestellt, bei den Probanden handelte es sich jedoch um infizierte Covid-19-Patientinnen und -Patienten, nicht um Geimpfte. Rückschlüsse auf die angeblichen Auswirkungen von Corona-Impfstoffen lassen sich damit nicht ziehen. 

Das durch den Impfstoff erzeugte Spike-Protein ist nicht das Virus, es ist harmlos. Es wird nur lokal produziert, kann sich nicht vermehren und wird nach kurzer Zeit vom Körper wieder abgebaut. Gefährlich ist nur das Sars-CoV-2-Virus (siehe auch hier).

Das bestätigte auch Prof. Dr. Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), in einem Telefonat mit AFP am 11. August. Die Immunantwort bei Impfungen und Infektionen sei nicht vergleichbar. "In beiden Studien geht es darum, dass das Komplement System (Anm. d. Red.: dieses System aktiviert Teile der Immunabwehr) an der Pathogenese einer schweren Covid-19-Erkrankung beteiligt sein kann. Es wird aber keinerlei Bezug zu einer Impfung dargelegt." Bhakdi vermische in seiner Argumentation Infektion und Impfung. 

Prof. Dr. Kaufmann, emeritierter Direktor des Max-Planck-Instituts für Infektionsbiologie, erklärte gegenüber AFP am 10. August, die Immunantwort bei Infektionen falle breiter aus. Bei Impfungen sei diese nur gegen das Spike-Protein gerichtet. Bei echten Infektionen würden auch andere Teile des Virus vom Immunsystem angegriffen.

Einen Co-Autor einer der beiden von Bhakdi gelisteten Studie hatte AFP bereits im Juni um eine Einschätzung zur Gefahr von Spike-Proteinen gebeten. 

David Walt, Professor für Pathologie an der Harvard Medicine School, erklärte am 11. Juni in einer E-Mail: "Es ist wahr, dass die Spikes, die bei einigen schweren Infektionen auftreten, toxisch sind. Die Werte, die wir nach der Impfung bei einigen Personen messen, sind unglaublich niedrig, und wir fanden bei den meisten geimpften Personen keine vollständigen Spikes. Unsere Schlussfolgerung war, dass der Impfstoff wie beabsichtigt wirkt. Der Impfstoff ist unglaublich sicher!"

Es gibt laut Infektionsbiologen Kaufmann zwar Berichte über Thrombosen nach der Impfung, diese seien aber außerordentlich selten. Obwohl Bhakdis Aussagen theoretisch nicht auszuschließen seien, geht Kaufmann nicht davon aus, dass das veränderte Spike im Impfstoff solche Abläufe direkt bewirken kann. Auch für das angebliche Austreten des modifizierten Spike-Proteins aus Gefäßen gebe es keinerlei Hinweise. 

Eine Sprecherin des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), welches die Wirkungsweise der in Deutschland zugelassenen Impfstoffe beobachtet, teilte gegenüber AFP am 11. August mit, dass Blutungen und Thrombosen als beobachtete Nebenwirkungen bei Vektorimpfstoffen, das heißt bei Astrazeneca und Johnson & Johnson, aufgetreten seien. Wäre Bhakdis Theorie auch nur ansatzweise zutreffend, "müsste das bei Vektorimpfstoffen und mRNA-Impfstoffen gleichermaßen beobachtet werden," erklärte das PEI. Dies sei aber nicht der Fall.

Auch, dass die Spike-Proteine sich an Gefäßzellen absetzen, sei nicht belegt. Die durch die Impfung produzierten Spikes sind laut PEI zudem nicht gefährlich. Es seien auch viel weniger als jene Spikes, die bei einer Infektion von sich vermehrenden Viren gebildet werden. 

Immunologe Watzl weist zudem darauf hin, dass die Reaktion des Immunsystems auf möglicherweise freigesetzten Impfstoff, von Bhakdi "ganz weit hergeholt" sei. "Alles, was er beschreibt, würde nur passieren, wenn große Mengen Impfstoff in die Blutbahn gespritzt würden. Aber das passiert nicht."

Schließlich erklärte auch Prof. Dr. Frank Kirchhoff, Direktor am Institut für Molekulare Virologie an der Uniklinik in Ulm, am 11. Juni gegenüber AFP, die angeblichen durch Spikes verursachten Schäden hätten bereits bei Geimpften auf der ganzen Welt sichtbar werden müssen. Die Anlagerung und die dadurch ausgelösten unerwünschten Effekte müssten bereits kurz nach der Impfung beginnen, wenn die Konzentration an mRNA und die dadurch ausgelöste Spike-Produktion hoch ist, erklärte Kirchhoff. Die meisten Impfkampagnen begannen im Dezember 2020. Die bisherigen Untersuchungsergebnisse (hier, hier) belegten eine hohe Wirksamkeit und Sicherheit belegen. 

3. Behauptung: Im Lymphknoten kommt es zum Absterben von Gewebe

Bhakdi erklärt in seinem Video, dass es auch zu einer Nekrose im Lymphknoten, also dem Absterben von Gewebe, kommen könne. Der Impfstoff gelange auch in die Knoten. Dabei bezieht sich Bhakdi auf die dort vorhandenen Lymphozyten. Dabei handelt es sich um eine Untergruppe weißer Blutkörperchen, deren unterschiedliche Varianten einen wesentlichen Teil der Immunabwehr bilden. Zu ihnen gehören beispielsweise T-Helferzellen, die Fremdstoffe erkennen oder Killer-Lymphozyten, welche infizierte Zellen angreifen. Laut Bhakdi produzieren auch die Lymphozyten nach einer Impfung Spike-Proteine und attackieren sich daraufhin angeblich gegenseitig. Belege für diese Behauptung lieferte Bhakdi weder im Video noch an AFP.

Immunologe Watzl erklärte dazu, dass die Informationen des Impfstoffs "natürlich in die Lymphknoten gelangen" müssten. Sogenannte antigenpräsentierende Zellen, die nach einer Impfung die Produktion der Spike-Proteine in den Muskelzellen wahrnehmen, nehmen diese Information auf und transportieren sie zum nächstgelegenen Lymphknoten. Dort würden dann mit den vorhandenen Informationen oben beschriebene Helfer- und Killerzellen entstehen.

Damit auch Lymphozyten selbst Spikes produzieren, müsste der Impfstoff laut Immunologen Watzl allerdings direkt in den Lymphknoten gespritzt werden. Da die Impfung aber am Muskel erfolgt, sei dies nicht der Fall. Auch Infektionsbiologe Kaufmann kann die angebliche Spike-Produktion an Lymphozyten nicht nachvollziehen: "Theoretisch und in ganz besonderen Konstellationen könnte das möglich sein. Bei aktuellen Immunisierungen wird das aber nicht beobachtet, also auch nicht bei mRNA-Impfungen gegen Sars-Cov-2”

Im Lymphknoten werden laut Watzl als Reaktion auf die Impfung lediglich Lymphozyten aktiviert. Diese greifen sich aber nicht gegenseitig an, sondern wandern ins Blut, wo sie ihr Leben lang nach den Stoffen suchen, auf welche sie aktiviert worden sind. "Aktivierte T Zellen können aber nicht mehr in den Lymphknoten wandern, da ihnen die nötigen Rezeptoren (Anm. d. Red.: Mit Hilfe von Rezeptoren können sich die Zellen an bestimmte Fremdstoffe binden) dafür fehlen. Daher können sie gar nicht andere Lymphozyten im Lymphknoten attackieren, selbst wenn diese das Spike produzieren würden."

Dass es in Folge der Impfung zu einer Nekrose im Lymphknoten kommen soll, kann Watzl ebenfalls nicht nachvollziehen. Um Zellen abzutöten, werde eine sogenannte Apoptose durch bestimmte Killerzellen eingeleitet. Dabei handelt es sich um ein kontrolliertes Absterben der betroffenen Zellen. Dazu gehören die Lymphozyten selbst aber nicht. Eine Nekrose finde nicht statt. Auch Kaufmann hält den beschriebenen Zusammenhang für sehr unwahrscheinlich.

Denn, um Bhakdis Behauptung eintreten zu lassen, müssten ganz bestimmte Killerzellen, sogenannte zytotoxische T-Zellen, aktiviert werden, die nach ihrer Ausschüttung ins Blut wieder zurück in den Lymphknoten gelangen müssten, erklärt Watzl. "Dort würden sie dem Szenario nach dann Spike produzierende Zellen durch Apoptose umbringen. Aber da sich der Impfstoff ja nicht selber vermehrt, wären irgendwann die Spike produzierenden Zellen weg. Wahrscheinlich würde das noch nicht mal einen größeren Schaden anrichten, da sich die Zellen im Lymphknoten eh regelmäßig erneuern und das ganze einfach ‚ausheilen‘ würde."

4. Behauptung: Das Immunsystem benötigt den Impfstoff nicht

Bhakdi behauptet, der Körper besitze bereits eine geeignete Immunantwort auf das Sars-CoV-2 Virus. Das Virus "kann auch nicht neu sein," erklärt er. Coronaviren seien alle sehr ähnlich. Eine Impfung brauche es daher auch nicht. 

Als Beweismittel bringt Bhakdi sogenannte IgG-Antikörper ins Spiel. Dabei handelt es sich um jene Antikörper, die vom Gedächtnis des Immunsystems bei Infektion mit einem bereits bekannten Erreger gebildet werden. Im Gegensatz dazu stehen die IgM-Antikörper, die beim ersten Kontakt des Körpers mit einem unbekannten Erreger gebildet werden. Letztere seien aber bei Infizierten und Geimpften nicht nachgewiesen worden, erklärt Bhakdi. 

Für seine Argumentation stützt er sich vor allem auf eine vom Fachmagazin "The Lancet" veröffentlichte Studie aus Dänemark, die Messungen von Antikörpern vorgenommen hat. Die untersuchten Patienten waren bereits genesene Covid-19-Patienten. Die Forscher konnten bei ihren Untersuchungen tatsächlich IgG-Antikörper nachweisen. Was Bhakdi allerdings nicht erwähnt: Von einer Untersuchung der IgM-Antikörper ist in der Studie gar keine Rede. Eine Beurteilung der IgM-Werte daher auch gar nicht möglich.

Im Gegenteil schreiben die Autoren in ihrer Arbeit sogar, dass bereits existierende Studien die Immunantwort auf Sars-CoV-2 untersucht hätten. Dabei sei bereits geklärt worden, dass bei einer Infektion zuerst IgM-Antikörper gebildet werden, erst danach folgen IgG-Antikörper. 

Darüber hinaus wurden die untersuchten Blutproben 14 Tage nach Genesung der Patienten entnommen. Zu diesem Zeitpunkt seien im Blut "auf jeden Fall mehr IgG-Antikörper" nachweisbar, erläutert Prof. Dr. Carsten Watzl. IgM werde als erstes ausgeschüttet aber noch während der ersten Infektion komme es auch schon zur Produktion von IgG-Antikörpern. "Rund 1-2 Wochen nach der Infektion übersteigt der Anteil an IgG- die IgM-Antikörper."

Auch die anderen von Bhakdi angesprochenen Studien können nicht nachweisen, dass der Körper bereits eine passende Immunantwort auf Sars-Cov-2 besitzt. Eine der Studien hat ebenfalls keine IgM-Werte gemessen und verweist auf andere Studien, die sehr wohl IgM-Antikörper nach Corona-Infektionen nachgewiesen haben (hier). Eine andere von Bhakdi herangezogene Arbeit misst IgM zwar, sie zeigt aber durchaus, dass diese Antikörper nach Kontakt mit dem Spike-Protein ansteigen.

Eine letzte von Bhakdi genannte Studie erkennt an, dass eine Infektion mit Sars-CoV-2 auch eine Immunantwort gegen andere Coronaviren auslösen kann, gegen die die Mehrheit der Bevölkerung bereits immun ist. Dass das Immunsystem aber mit dem neuartigen Coronavirus vertraut sei, wie Bhakdi behauptet, bestätigt diese Studie nicht. 

Eine Ähnlichkeit der verschiedenen Corona-Virusstämme "ist nicht hoch genug, um einen ausreichenden Schutz zu geben," erklärt Immunologe Watzl. Dennoch könne es zu sogenannten Kreuzreaktionen kommen, bei welchen IgG-Antikörper auf Teile des Sars-CoV-2 Virus reagieren, die von Schnupfen-Coronaviren bekannt sein könnten. 

Fazit: Dem von Bhakdi geschilderten Zusammenhang fehlen die nötigen Belege. Die zu seinem Video aufgeführten Studien sind zwar in sich schlüssig, liefern aber keine Grundlage für Bhakdis Behauptungen. Der einfache Nachweis von IgG-Antikörpern ist noch kein Beleg dafür, dass unsere  Körper bereits mit dem Sars-CoV-2 Virus vertraut sind. Zudem verbleibt ein Großteil der produzierten Spike-Proteine im Muskel. Zahlreiche Expertinnen und Experten sehen keine Gefahr in der Wirkungsweise der Impfstoffe. Auch für die angebliche Nekrose im Lymphknoten fehlen Bhakdi jegliche Belege, eine solche Entwicklung wäre bei Millionen verabreichter Impfstoffe längst aufgefallen. Expertinnen und Experten betonten gegenüber AFP unabhängig voneinander die Sicherheit der Impfstoffe.