Keine aktuelle Szene aus Ceuta: Video wurde bereits 2021 aufgenommen

Die Grenzüberquerung zehntausender Menschen aus Marokko in die spanische Exklave Ceuta im Sommer 2026 rief Falschinformationen in sozialen Medien hervor. Ein Video soll angeblich davon zeugen, wie ein marokkanischer Beamter den Grenzzaun nach Ceuta für zahlreiche Menschen im Juli 2026 geöffnet hätte. Die Aufnahme ist jedoch älter: Die spanische Polizeigewerkschaft veröffentlichte sie bereits im Mai 2021. Damals überquerten Tausende die Grenze zwischen Marokko und Ceuta.

"Ein marokkanischer Grenzbeamter öffnet das Grenztor und lässt Dutzende von Migranten in Richtung des Zaunkomplexes von Ceuta marschieren", steht in einem Video, das am 31. Juli 2026 auf Instagram gepostet wurde. Darin öffnet ein Mann eine Tür in einem Stacheldrahtzaun für zahlreiche Männer. Auf Spanisch wird außerdem ein Text eingeblendet, wonach das Video zeigen soll, dass der "Menschenansturm auf Ceuta nicht improvisiert" gewesen sei. Auch auf Facebook, X und Youtube sowie in anderen Sprachen kursierte die Aufnahme. 

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Instagram-Screenshot der Behauptung, oranges Kreuz von AFP hinzugefügt: 5. August 2026

Das Video ist jedoch fünf Jahre vor den Ereignissen Ende Juli und Anfang August 2026 in Ceuta entstanden.

Die Posts implizieren, das Video würde einige der zehntausenden Menschen zeigen, die Ende Juli 2026 aus Marokko die spanische Exklave Ceuta im Norden Afrikas erreichten. Der spanischen Regierung zufolge kamen 72.000 Menschen teils schwimmend nach Ceuta, die meisten kehrten inzwischen nach Marokko zurück. Am 4. August 2026 befanden sich demnach noch mehr als 2000 Menschen in Ceuta, darunter hunderte unbegleitete Minderjährige. 78 Menschen kamen laut der spanischen Regierung ums Leben. 

Marokko wies unterdessen die Verantwortung für den Massenandrang auf Ceuta zurück und schrieb sie stattdessen einem spanischen Gerichtsurteil zu, wonach über den Seeweg ankommende Migrantinnen und Migranten nicht ohne weiteres sofort abgeschoben werden dürfen. Die marokkanische Regierung habe Spanien vermittelt, dieses Gerichtsurteil werde für Probleme sorgen – "und es hat für Probleme gesorgt", sagte ein Regierungsvertreter.

Die spanische Regierung widersprach dieser Darstellung. Spaniens Regierungschef Pedro Sánchez äußerte die Vermutung, der Massenandrang sei auf von "Menschenhändlern" verbreitete Falschinformationen in Onlinenetzwerken zurückzuführen, die das Urteil absichtlich falsch ausgelegt hätten.

Video wurde schon 2021 aufgenommen

Mithilfe einer umgekehrten Bildsuche von Standbildern des Videos fand AFP einen Youtube-Beitrag und einen Artikel des spanischen Online-Mediums Libertad Digital vom 18. Mai 2021, die das Video beinhalten. Außerdem führte die Suche zu einem Artikel der spanischen Faktencheck-Organisation Maldita. Sie schrieb am 31. Juli 2026, das Video sei bereits im Mai 2021 aufgenommen worden. Als Beweise lieferte Maldita Artikel spanischer Medien, die das Video enthalten.  

Die spanische Tageszeitung "El País" schrieb am 18. Mai 2021 über die Aufnahme, sie zeige, wie ein marokkanischer Beamter den Grenzübergang Tarajal nach Ceuta für dutzende Menschen geöffnet habe. Allein an diesem Tag hätten 6000 Menschen die spanisch-marokkanische Grenze überquert. In einem Artikel des spanischen Fernsehsenders Antena 3, ebenfalls vom 18. Mai 2021, wird unter Verwendung des Videos dasselbe Ereignis geschildert. Den genauen Ort der Aufnahme konnte AFP nicht herausfinden. 

Medienberichten zufolge soll die marokkanische Regierung die Grenzen ab dem 17. Mai 2021 absichtlich nachlässig kontrolliert haben lassen, wodurch rund 8000 Menschen innerhalb von 36 Stunden nach Ceuta gelangt sein sollen. Hintergrund dessen sei damals der Streit um die Unabhängigkeit der größtenteils von Marokko kontrollierten Westsahara, einer ehemaligen spanischen Kolonie, gewesen. Spanien hatte den Anführer der Unabhängigkeitsbewegung Polisario im Jahr 2021 aus humanitären Gründen zur Behandlung aufgenommen, was in Marokko heftige Verstimmung auslöste. 

"El País" gab in dem Artikel die spanische Polizeigewerkschaft als Quelle für das Video an. AFP fand das Video sowohl auf dem Facebook- als auch auf dem X-Account der Gewerkschaft. Darin ist dieselbe Szene wie in den 2026 geteilten Beiträgen zu sehen. Somit kann das Video keine Ereignisse aus dem Sommer 2026 zeigen.  

"Hier haben wir die Grenzkontrollen Marokkos, die die Invasion von Ceuta ungestraft zulassen", schrieb die Polizeigewerkschaft in den Posts vom 18. Mai 2026. Auf eine AFP-Anfrage antwortete sie bis zum Veröffentlichungszeitpunkt dieses Artikels nicht. Daher ist nicht eindeutig verifizierbar, wie sich die Szene ereignet hat.

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Screenshot des X-Beitrags der spanischen Polizeigewerkschaft, grüne Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 6. August 2026

Der Mann, der im Video den Grenzzaun öffnet, trägt einen Pullover und eine grüne Hose. Einem Abgleich mit AFP-Fotos aus 2021 zufolge handelt es sich bei seiner Kleidung vermutlich um eine Uniform der marokkanischen Sicherheitskräfte.

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Vergleich der Screenshots des X-Beitrags und des AFP-Fotos, grüne Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 6. August 2026

Außerdem tragen in dem Video einige Männer medizinische Masken. Das deutet darauf hin, dass das Video während der Coronapandemie, die auch im Jahr 2021 herrschte, aufgenommen wurde. 

AFP überprüfte bereits andere Behauptungen zu den Ereignissen in Ceuta sowie zum Thema Migration.

Fazit: Ein Video eines Mannes, der den Grenzzaun zwischen Marokko und der spanischen Exklave Ceuta für dutzende Menschen öffnet, stammt nicht von Juli 2026. Es wurde bereits im Mai 2021 aufgenommen, wie Medienberichte und Beiträge der spanischen Polizeigewerkschaft aus dieser Zeit belegen. 

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