CDU-Beitrag zu Umfrage über Frankfurter Kommunalwahl ohne Kontext geteilt
- Veröffentlicht am 24. Februar 2026 um 16:42
- 3 Minuten Lesezeit
- Von: Johanna LEHN, AFP Deutschland
Am 15. März 2026 sind in Hessen Kommunalwahlen. Die CDU Frankfurt am Main veröffentlichte dazu Ende Februar 2026 einen Beitrag zu einer Umfrage, bei der die CDU vorne liegt. Online wurde behauptet, die Partei hätte die stärkste Kraft – die AfD – in ihrem Post unterschlagen. Nutzerinnen und Nutzer beziehen sich scheinbar auf bundesweite Umfragen, in denen CDU/CSU und AfD etwa gleichauf liegen. Die geteilte Umfrage betrifft jedoch die Kommunalwahl in Frankfurt, in der die AfD auf Platz fünf liegt.
Ein Balkendiagramm zeigt Prozentwerte für CDU, SPD, Grüne und die Linke, angeführt von den Christdemokraten mit 24 Prozent. "... die Parteien über uns lassen wir einfach weg. Ihr seid zu lustig !!!!", schrieb ein Nutzer am 21. Februar 2026 in einem Facebook-Beitrag zu dem Diagramm und scheint damit auf die AfD anzuspielen, die in bundesweiten Umfragen Ende Februar 2026 auf ähnliche Zustimmungswerte wie die CDU kommt. Das Diagramm ist mit dem Logo der CDU Frankfurt am Main und der Überschrift "CDU an der Spitze!" versehen.
Auch ein AfD-Kreisverband postete die Grafik auf Facebook und kommentierte: "Die Stärkste politische Kraft im Land passt der CDU nicht ins Bild." Eine AfD-Kommunalpolitikerin sowie andere Nutzerinnen und Nutzer verbreiteten ähnliche Behauptungen auf X.
Dass die AfD aus der Grafik herausgelassen wurde, weil sie angeblich die Umfrage anführen würde, stimmt jedoch nicht: Die Erhebung von Ende Februar 2026 bezieht sich auf die Kommunalwahl in Frankfurt am Main im März 2026. Die AfD belegt darin Platz fünf, das Diagramm des CDU-Beitrags bildet jedoch nur die vier stärksten Parteien ab.
Auf den offiziellen Facebook- und Instagram-Accounts der CDU Frankfurt am Main fand AFP den Originalbeitrag vom 20. Februar 2026. "Ein Linksbündnis wäre in Frankfurt trotzdem möglich", schreibt die Partei darin unter anderem und bezieht die Umfragewerte somit auf die Stadtpolitik.
AfD kommt in Frankfurter Umfrage auf elf Prozent
Unterhalb des Diagramms ist zudem "FAZ/Forsa" als Quelle angegeben. Mit einer Stichwortsuche fand AFP den Artikel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ("FAZ") über die Erhebung zur Kommunalwahl am 15. März 2026, die die Zeitung bei dem Umfrageinstitut Forsa in Auftrag gegeben hatte.
Die Werte aus dem Artikel stimmen mit jenen im Beitrag der CDU überein. Die "FAZ" schreibt: "Laut der Umfrage liegt die CDU in Frankfurt bei 24 Prozent, die SPD bei 20 Prozent, die Grünen kommen auf 19 Prozent. Auf dem vierten Platz folgen die Linken mit zwölf Prozent vor der AfD mit elf Prozent. Volt und FDP kommen jeweils auf drei Prozent, BFF (Bürger für Frankfurt, Anm. v. AFP) und BSW auf zwei Prozent der Wählerstimmen."
Somit wurde die in Hessen als rechtsextremer Verdachtsfall eingestufte AfD zwar im Beitrag nicht abgebildet, der Grund war allerdings nicht ihr Abschneiden als angeblich stärkste Partei. Auch die SPD Frankfurt veröffentlichte auf ihrer Website einen Artikel über die Umfrage. Darin bettete sie eine Grafik ein, in der alle Parteien abgebildet sind. Auch daraus geht hervor, dass die AfD in der Erhebung im Auftrag der "FAZ" auf Platz fünf landet.
Im Hessentrend des Hessischen Rundfunks landete die AfD Anfang Februar 2026 zwar auf dem zweiten Platz, aber mit 20 Prozent ebenfalls nicht vor der 32 Prozent starken CDU, wie manche Nutzerinnen und Nutzer in ihren Beiträgen behaupteten.
Parteien schneiden auf Bundesebene anders ab
Hinzu kommt: In bundesweiten Umfragen wie der Sonntagsfrage zur Bundestagswahl, die verschiedene Institute wöchentlich erheben, unterscheiden sich die Werte auch für jene Parteien, die im Beitrag der CDU abgebildet sind. In der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels aktuellsten Umfrage von Insa, die am 24. Februar 2026 herausgegeben wurde, kommen CDU/CSU und AfD auf jeweils 25 Prozent, die SPD auf 15,5 Prozent und die Grünen und die Linke auf jeweils elf Prozent. Auf BSW und FDP entfallen je 3,5 Prozent.
In ganz Hessen finden am 15. März 2026 Kommunalwahlen statt, bei denen Kreistage, Gemeindevertretungen, Orts- und Ausländerbeiräte gewählt werden. In 23 Städten sind die Bürgerinnen und Bürger gleichzeitig zur Wahl der Bürgermeisterin oder des Bürgermeisters aufgerufen.
Wählerinnen und Wähler haben bei einer Kommunalwahl so viele Stimmen, wie es Sitze in dem Gremium gibt, das neu besetzt wird. Sie können Kandidatinnen und Kandidaten eine oder mehrere Stimmen geben oder eine Liste wählen und dabei auch Kandidatinnen und Kandidaten streichen, die keine Stimme erhalten sollen. Eine Sperrklausel wie etwa auf Bundesebene, die sogenannte Fünf-Prozent-Hürde, gibt es bei den hessischen Kommunalwahlen nicht.
Weitere Faktenchecks sammelt AFP auf der Website.
Fazit: Die CDU Frankfurt am Main hat in einem Beitrag mit Umfragewerten die AfD nicht ausgelassen, weil sie höhere Prozentwerte erreicht hätte als die CDU selbst. Die Erhebung bezieht sich auf die Kommunalwahl in Frankfurt am Main am 15. März 2026, bei der die AfD Platz fünf belegt.
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