Dieser Bericht aus Osnabrück ist eine Silvester-Satire

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Lastwagen, Motorräder, Autos und exotische Tiere seien für Karusselle im Osnabrücker Stadtgebiet nun verboten. Diese alte Behauptung teilen Mitte Januar erneut Hunderte User auf Facebook. Dazu zeigen sie das Foto eines Zeitungsartikels. Dabei handelt es sich allerdings um einen Satire-Artikel der "Neuen Osnabrücker Zeitung" von 2019.

"Karusselautos sind jetzt Tabu", heißt es im Titel eines Zeitungsartikels, den seit dem 19. Januar über 850 User hier erneut auf Facebook geteilt haben. In der Beschreibung des zugehörigen Postings heißt es: "Ich wollte es nicht glauben, aber hier kann man es nachlesen. Schausteller werden LKW's, Motorräder, und Pkw's auf dem Kinderkarussel verboten. Ich denke irgendwann müssen wir auch alle Fotos von Verbrennermaschinen vernichten...!!!"

Ein weiteres Foto des Artikels, das die Facebook-Seite "Kein KFZ Dieselverbot in Deutschland" geteilt hat, erreichte bisher 459 Facebook-Nutzerinnen und -Nutzer. Im Beitragstext der Seite heißt es dabei bereits: "Es ist zwar nur Satire, aber alleine, dass man vermutet, dass es wirklich so sein könnte lässt schlimmes erahnen. Man traut es den Grünen einfach zu, dass so sie sowas fordern."

Facebook-Screenshot: 25. Januar 2021

Tatsächlich berichtet der gezeigte Artikel von einer vermeintlichen Verfügung der Stadt Osnabrück, die Ausstellern den Karusselbetrieb mit kleinen Autos, Lkws, Mini-Motorrädern, Flugzeugen, Hubschraubern und exotischen Tieren seit dem 1. Januar 2019 verboten zu haben scheint. Grund dafür sei die Erziehung von Kindern gewesen, heißt es im Text. Laut Artikel erklärten zwei vermeintliche "Fraktionschefs" im Niedersächsischen Landtag, Volker Bajus (Grüne) und Frank Henning (SPD): "Wenn Erziehende ihre Kinder auf ein klimaschädliches Rennauto setzen oder auf den Rücken eines wilden Tigers, erleben die Aufwachsenden das Autofahren oder die Ausbeutung von Wildtieren als etwas Positives." Genehmigt seien deshalb nur noch Fahrräder, Nutztiere, Kutschen und Fahrzeuge des öffentlichen Personennahverkehrs.

Satirische Neujahrstradition der "Neuen Osnabrücker Zeitung"

Die "Neue Osnabrücker Zeitung" (NOZ) verfasste den Artikel als Teil einer langjährigen Silvestertradition der Zeitung, bei der diese erfundene Satire-Geschichten abdruckt. Weil der Spaß allerdings überregional zum Teil ernst genommen wurde, veröffentlichte die NOZ selbst bereits am 2. Januar 2019 eine ausführliche Klarstellung. Auch "Spiegel" und "Mimikama" veröffentlichten damals bereits Faktenchecks zum vermeintlichen Karrusselverbot.

Die NOZ schreibt in ihrem Artikel, dass die gemeinsame Erklärung der Grünen und SPD "natürlich ersonnen" sei. Weiter heißt es: "Tatsächlich zeigt das Foto des Artikels nur einen kleinen Ausschnitt der ersten Lokalseite, die an Silvester traditionell mit ‘Tills Silvesterpunsch und Bleigießerei’ überschrieben ist. Dabei handelt es sich um ein Satireformat, das – ähnlich dem Portal ‘Postillon’ – viel diskutierte Nachrichten aufgreift und weiterspinnt – nur mit lokalen Inhalten."

Diese Tradition gäbe es laut NOZ bereits seit 1967. Das belegen Fotos der Zeitungsseiten von 1998, 2007, 2009 und 2010 in der Richtigstellung. Die Artikel würden ausschließlich als gedruckte Zeitungsseite veröffentlicht und jeweils am zweiten Januar als Scherz "entlarvt".

Mimikama veröffentlichte damals ein Foto der ganzen Seite. Darauf ist deutlich die Überschrift "Tills Silvesterpunsch und Bleigießerei" zu lesen.

Mimikama-Screenshot: 25. Januar 2021

Den Text habe sich der NOZ-Redakteur Arne Köhler ausgedacht, heißt es im Artikel der Zeitung. Dieser zitiert Köhler mit den Worten: "Die Idee kam mir bei einem Besuch des Osnabrücker Weihnachtsmarktes, und ich will gar nicht verhehlen, dass dabei auch zwei oder drei Becher Glühwein eine Rolle gespielt haben." Er sei überrascht gewesen, wie leicht Menschen auf Fake News reinfallen würden, die so klar erkennbar seien.

FAZIT: Die Stadt Osnabrück verbot Ausstellern nie, Autos und exotische Tiere in ihren Karussellen aufzustellen. Es handelte sich bei der Nachricht lediglich um eine satirische Neujahrstradition der "Neuen Osnabrücker Zeitung", die überregional in den Sozialen Netzwerken scheinbar nicht bekannt war und ernst genommen wurde.