Diese ARD-Zahlen waren ein Test und zeigten keine echten Wahlhochrechnungen

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Hunderte User haben Ende September Ausschnitte aus einer ARD-Quizshow auf Facebook geteilt. Im Bild sollen Hochrechnungen der Bundestagswahl 2021 zu sehen sein, noch bevor diese überhaupt stattgefunden hatte. Über den Bildausschnitten wird von Wahlbetrug gesprochen. Die ARD erklärte jedoch, es habe sich um eine Test-Grafik gehandelt, die aus Versehen ausgestrahlt wurde. Die eigentlichen Ergebnisse der Bundestagswahl unterschieden sich auch von den Gezeigten.

Mehrere Hundert Nutzerinnen und Nutzer haben die ARD-Ausschnitte auf Facebook auch nach dem Ende der Bundestagswahl geteilt (hier, hier). Auch auf Twitter (hier) wird die Einblendung der Hochrechnung weiter geteilt. Auf Telegram (hier, hier) sahen diese Tausende.

Die Falschbehauptung: Geteilt werden Bilder einer Quiz-Sendung im Ersten. Am unteren Bildrand sind angebliche Hochrechnungen zur Bundestagswahl zu sehen. In zahlreichen Beiträgen und Kommentaren wird daher über einen möglichen Wahlbetrug spekuliert.

Facebook-Screenshot der Falschbehauptung: 28.09.2021

Am Freitag, dem 24. September, zwei Tage vor der Bundestagswahl 2021, waren in einer Quiz-Show der ARD für einige Sekunden Hochrechnungen zur Wahl zu sehen. Die Ausgabe der Sendung "Gefragt - Gejagt" ist noch einige Tage nach der Ausstrahlung in der ARD-Mediathek abrufbar. Die Einblendung, welche den Bildausschnitten nach zu urteilen etwa bei Minute 38 aufgetreten war, ist in der Mediathek nicht mehr zu sehen.

Aus mehreren geteilten Bildausschnitten sowie einem Mitschnitt auf Twitter (hier) gehen allerdings die angegebenen Prozentzahlen der Parteien hervor, die im ARD-Programm eingeblendet wurden. So hieß es dort, die Union erhalte 22,1 Prozent der Stimmen, die SPD 22,7 Prozent, AfD 10,5 Prozent und FDP 13,2 Prozent. Nach den Angaben für die FDP bricht die Einblendung bereits ab. Das Ergebnis der Linken ist nur teils zu erkennen und scheint bei um die fünf Prozent zu liegen.

Das Erste spricht von einem Versehen

Bereits kurz nach der Ausstrahlung meldete sich "Das Erste" auf Twitter zu Wort. Dort hieß es in der Quizsendung sei ein "fiktives Laufband mit Hochrechnungszahlen zu sehen gewesen". Es habe sich um einen Test gehandelt, der versehentlich gesendet wurde: "Wir bitten das zu entschuldigen."

Auch auf dem Twitter-Kanal der Sendung "Gefragt - Gejagt" erschien ein Kommentar: "Die Einblendung der Hochrechnung war ein Test der Kollegen für Sonntag. Ist halt leider kurz live gegangen. Es war lediglich ein Test der Technik."

Auf AFP-Anfrage erklärte ein Sprecher der ARD-Programmdirektion am 28. September zu dem Vorfall, es habe sich um eine technische Panne gehandelt. Holger Lichtenthäler, Leiter des ARD-Sendezentrums "Das Erste" erklärte: "Es war ein technischer Test des Wahlcrawls, der in der Vorbereitung auf den Wahlsonntag im inaktiven Sendebereich gemacht werden sollte, aufgrund eines Schaltfehlers aber on air ging. Es war ein Versehen, für das wir um Entschuldigung bitten."

Waren die eingeblendeten Zahlen ausgedacht?

Eine Zusammenfassung der letzten Umfrageergebnisse verschiedener Institute ist über die Webseite Wahlrecht.de abrufbar. Keines der dort angegebenen Resultate stimmt mit den in der ARD eingeblendeten Hochrechnungen überein.

Der Bundeswahlleiter gibt das vorläufige Endergebnis der Bundestagswahlen 2021 mit Stand vom 27. September folgendermaßen an: SPD 25,7% , CDU 18,9% , Grüne 14,8%, FDP 11,5%, AfD 10,3%, CSU 5,2%, Linke, 4,9% und Südschleswigscher Wählerverband 0,1%.

Die tatsächlichen Bundestagswahlergebnisse stimmen demnach ebenfalls nicht mit der Hochrechnung überein, die am 24. September in der ARD gesendet wurden.

Fazit: Bei den in der ARD eingeblendeten Hochrechnungen vom 24. September handelte es sich um eine technische Panne. Das Erste führte Tests in Vorbereitung der Wahlen durch, welche nur im inaktiven Sendebereich zu sehen sein sollten. Die eingeblendeten Ergebnisse stimmen weder mit damaligen Wahlumfragen, noch mit den offiziellen Ergebnissen überein und nahmen diese damit auch nicht vorweg

BUNDESTAGSWAHL 2021