Video aus den USA: Japans Regierungschefin legte Kranz am Grab des unbekannten Soldaten nieder

Die japanische Premierministerin Sanae Takaichi reiste im März 2026 zu einem dreitägigen Besuch in die USA, bei dem auch ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump stattfand. In diesem Zusammenhang verbreitete sich in sozialen Medien die Behauptung, Takaichi hätte einen amerikanischen Piloten gewürdigt, der eine Atombombe auf Japan abgeworfen hätte. Wie japanische Medien berichteten sowie das Büro der Regierungschefin jedoch bekannt gaben, ehrte sie während ihres Besuchs keinen Atombombenpiloten, sondern legte einen Kranz am Grabmal des unbekannten Soldaten im Nationalfriedhof Arlington nieder, wo keiner der beteiligten Piloten begraben ist.

"Die Japanische Premierministerin verneigt sich vor dem US Piloten (Grab) der die Atombombe auf ihr Land warf!", heißt es in einem Facebook-Beitrag vom 22. März 2026 zu einem 47-sekündigen Video. Darin ist die Premierministerin Japans Sanae Takaichi zu sehen. Sie marschiert in Begleitung einer Frau in US-Militäruniform, weiterer US-Soldatinnen und US-Soldaten sowie Mitgliedern dessen, was wie eine diplomatische Delegation aussieht. In der nächsten Sequenz legt sie einen Kranz an einem Denkmal nieder, das in der letzten Szene kurz zu sehen ist.

Das Video tauchte mit ähnlichen Behauptungen in Bulgarisch, Polnisch, Russisch sowie Tschechisch auf. Auch die iranische staatliche Nachrichtenagentur IRNA veröffentlichte den Clip in diesem Kontext auf X.

Die Beiträge kursierten in sozialen Netzwerken, nachdem die japanische Regierungschefin ihren dreitägigen Staatsbesuch vom 18. bis 20. März 2026 in den Vereinigten Staaten abgeschlossen hatte. Medien berichteten anschließend über ihr Treffen mit US‑Präsident Donald Trump am 19. März 2026, bei dem er in ihrer Anwesenheit im Oval Office des Weißen Hauses einen Scherz über den japanischen Angriff auf den US‑Marinestützpunkt Pearl Harbor machte. Trump antwortete auf die Frage eines Journalisten, warum er seine Verbündeten vor den Angriffen auf den Iran nicht informiert habe: "Wer weiß mehr über Überraschungen als Japan?" Mit dem Überraschungsangriff der japanischen Marine auf den US-Flottenstützpunkt Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 zogen die USA in den Zweiten Weltkrieg, was letztendlich zur Kapitulation Japans und dem Ende des Kriegs führte. Ein Clip von Trumps Äußerung wurde auf Deutsch begleitend zur Falschbehauptung auf Instagram geteilt.

In einem Telegram-Beitrag vom 24. März 2026, der mehr als 13.000 Mal angesehen wurde, kommt in diesem Kontext ein Pilot namens Charles Sweeney vor, "der die B-29 'Bockscar' im Jahr 1945 steuerte, als sie die Atombombe 'Fat Man' auf Nagasaki abwarf".

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Facebook-Screenshot der Behauptung, rotes Kreuz von AFP hinzugefügt: 23. April 2026

Doch die Behauptung ist falsch. Bei dem Grabmal im Video handelt es sich nicht um das Grab eines US-Soldaten, der eine Atombombe auf Japan abwarf.

Takaichi besuchte den US-Nationalfriedhof Arlington

Eine umgekehrte Bildsuche einzelner Videoframes führte zu Beiträgen in sozialen Netzwerken, die dasselbe Video in einem völlig anderen Kontext präsentieren und keine Atombombenpiloten erwähnen. In den Beiträgen heißt es, Takaichi habe Anerkennung dafür erhalten, am Grabmal des unbekannten Soldaten auf dem Nationalfriedhof Arlington im US-Bundesstaat Virginia einen Kranz niedergelegt zu haben. Das Denkmal der unbekannten gefallenen amerikanischen Soldatinnen und Soldaten wurde 1921 errichtet.

Eine Stichwortsuche im Internet bestätigte, dass die japanische Regierungschefin am 20. März 2026, dem letzten Tag ihres US-Besuchs, dem unbekannten Soldaten die Ehre erwies. Japanische Medien berichteten über das Ereignis, während das Büro der japanischen Regierungschefin darüber auf Facebook und X informierte.

Takaichis Besuch auf dem bedeutendsten US-Militärfriedhof wird zudem durch offizielle Fotos bestätigt, die auf der Website des US Defense Visual Information Distribution Service (DVIDS) verfügbar sind, der verteidigungsbezogene Fotos, Videos und Audiodateien veröffentlicht.

Die Fotos umfassen auch die Aufnahme, die in den Beiträgen von Takaichis Büro in sozialen Netzwerken verwendet wurde. Im folgenden Screenshot sind die Fotos des DVIDS, inklusive jene von Takaichi während der Kranzniederlegung, gelb hervorgehoben.

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Screenshot der Fotos des Takaichi-Besuchs auf der DVIDS-Website, gelbe Hervorhebungen von AFP hinzugefügt: 23. April 2026

AFP verglich die letzte Sequenz des Videos, das mit der Falschbehauptung kursierte, mit einem AFP-Foto des Grabmals des unbekannten Soldaten. Dieser Vergleich bestätigt ebenfalls, dass das Video Takaichis Besuch an der Gedenkstätte auf dem Nationalfriedhof Arlington zeigt.

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Vergleich eines Screenshots aus dem geteilten Video (links) und eines AFP‑Fotos des Grabmals des unbekannten Soldaten auf dem Nationalfriedhof Arlington (rechts), Reliefdetail von AFP rot markiert: 22. April 2026 (AFP / Brendan SMIALOWSKI)

Das Relief des Denkmals ist im Video und auf dem Foto identisch.

Hiroshima- und Nagasaki-Piloten sind nicht in Arlington beigesetzt

Während das Video also vor dem Grabmal des unbekannten Soldaten in Arlington aufgenommen wurde, steht zugleich fest, dass keiner der Piloten, die 1945 Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki abwarfen, auf diesem Militärfriedhof beigesetzt ist. Japan hatte im Dezember 1941 die US-Pazifikflotte in Pearl Harbor auf Hawaii angegriffen. Die Vereinigten Staaten traten daraufhin in den Zweiten Weltkrieg ein, was schließlich zur Kapitulation Japans und der Beendigung des Zweiten Weltkriegs im Pazifik führte.

Der Bomber, der am 9. August 1945 die Plutoniumbombe mit dem Namen "Fat Man" über der Industriestadt Nagasaki abwarf, wurde von Major Charles W. Sweeney gesteuert. Laut seinem Nachruf in der "New York Times" starb er am 16. Juli 2004 im Alter von 84 Jahren im Rang eines Generalmajors in einem Krankenhaus in Boston. 

Das Veterans Legacy Memorial, ein Online‑Projekt der US‑Regierung, gibt an, dass Sweeney auf dem Nationalfriedhof in Massachusetts beigesetzt ist, der laut Google Maps fast acht Autostunden von Arlington entfernt liegt.

Der Pilot, der die erste jemals in einem Krieg eingesetzte Atombombe am 6. August 1945 abwarf, hieß Paul W. Tibbets Jr. Er hatte einen US‑Bomber vom Typ B‑29 Superfortress gesteuert, benannt nach seiner Mutter Enola Gay. Die Bombe mit dem Namen "Little Boy" legte Hiroshima an diesem Tag in Schutt und Asche und tötete 70.000 Menschen, rund ein Fünftel der damaligen Stadtbevölkerung. Bis Ende 1945 starben etwa 70.000 weitere Menschen an den Folgen der nuklearen Strahlung.

General Tibbets starb laut seinem Nachruf in der "New York Times" am 1. November 2007 im Alter von 92 Jahren in seinem Haus in Columbus im US‑Bundesstaat Ohio. Dem Nachruf zufolge wollte Tibbets kein Grab haben, da er befürchtete, es könne zu einem Ort von Protesten seiner Gegnerinnen und Gegner werden.

Laut der US-amerikanischen NGO Atomic Heritage Foundation war Tibbets während des Bombardaments, das als das "Manhattan-Projekt" bekannt wurde, Colonel und stieg später zum General auf. "General Tibbets bat darum, nach seinem Tod kremiert zu werden. Seine Asche wurde über dem Ärmelkanal verstreut. Er sagte mir oft, seine liebsten Erinnerungen stammten aus der Zeit, als er über große Gewässer flog", schrieb sein früherer Manager und Verleger Gerry Newhouse an AFP in einer E‑Mail vom 16. April 2026.

Fazit: Online kursierte die Behauptung, Japans Regierungschefin hätte einem Piloten Tribut gezollt, der eine Atombombe über ihr Land abwarf. Ein Video sollte dies belegen. Doch die Aufnahmen zeigen Sanae Takaichi bei einer Kranzniederlegung am Grabmal des unbekannten Soldaten in Arlington – nicht am Grab eines Atombombenpiloten.

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