Diese Toiletten-Schilder in der Universität Innsbruck sind gefälscht

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Im Netz verbreiteten sich Ende Januar 2023 Fotos gefälschter Schilder in der Universität Innsbruck. Darauf werden Toiletten für alle Geschlechter ausgewiesen. Die Uni selbst bezeichnete die Schilder allerdings als Fälschung. Sie seien nicht durch die Universität ausgehängt worden. Auch studentische Organisationen bestätigten gegenüber AFP, dass die Fotos keine echten Schilderder Universität Innsbruck zeigten.

Dutzende User teilten Fotos und Berichte zu den angeblichen Schildern in der Universität Innsbruck auf Facebook (hier, hier). Auch ein deutschsprachiger Blog-Artikelberichtete von der angeblichen Beschilderung, ebenso wie Politiker der rechtspopulistischen Partei FPÖ, darunter Markus Abwerzger, Landesparteiobmann der FPÖ Tirol, und Martin Graf, Abgeordneter im Nationalrat der FPÖ. Auch das österreichische Nachrichtenportal "oe24" berichtete von den Schildern und Abwerzgers Reaktion.

Die Behauptung: "WC All-Gender" ist angeblich auf einem Schild der Universität Innsbruck zu lesen. Dazu heißt es, die Toilette stehe allen Menschen offen. Eine Herrentoilette sei in der Nähe zu finden. Der FPÖ-Politiker Markus Abwerzger amüsierte sich auf Twitter über das Schild. "Die Uni Innsbruck ist nun endgültig dem linken Wokeismus erlegen", schrieb der Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) zu dem Schild auf Facebook.

Facebook-Screenshot der Behauptung: 27. Januar 2023

Die Debatte um diskriminierungsfreie Toiletten wird bereits seit mehreren Jahren in Medien geführt (hier, hier, hier). Während manche sich für sogenannte Unisex-Toiletten, die unabhängig von der Geschlechtszugehörigkeit genutzt werden können, einsetzen, sprechen sich andere für den Erhalt klassischer Sanitäranlagen aus.

Eine wichtige Rolle in der Debatte spielen trans- und intergeschlechtliche Menschen, die häufig von Diskriminierung betroffen sind. Die Trans*Inter*Beratungsstelle definiert den Begriff "trans*" als Überbegriff für Menschen, die sich "nicht oder nur teilweise mit dem bei der Geburt eingetragenen Geschlecht identifizieren". Die Bezeichnung "inter*" begreife Menschen mit angeborenen körperlichen Geschlechtsmerkmalen, die "nicht den gängigen gesellschaftlichen und medizinischen Vorstellungen von männlichen oder weiblichen Körpern" entsprechen.

Schilder sind gefälscht

Eine Stichwortsuche nach den Begriffen "Universität Innsbruck" und "All Gender" führte AFP zu einem Thread des offiziellen Twitter-Accounts der Universität. Dort erklärte die Uni am 25. Januar 2023 zu den online kursierenden Fotos: "Diese Schilder sind fake und offenbar Teil einer Inszenierung, also keine Beschilderung durch die Uni."

Weiter schreibt die Universität auf Twitter, es handele sich um eine abgestimmte Aktion, um "eine absurde Diskussion anzuzetteln". Die Universität bekenne sich zu Diversität und Gendergerechtigkeit.

Auf AFP-Anfrage erklärte ein Sprecher der Universität Innsbruck am 27. Januar 2023, bisher sei nicht bekannt, wer für die Aktion verantwortlich sei. Die vier vorhandenen Unisex-Toiletten der Universität seien zudem anders beschriftet. Der Sprecher legte ein Foto der entsprechenden Toiletten bei. Darauf zu sehen ist lediglich die Beschriftung "WC" ohne weitere Zusätze:

Foto einer Unisex-Toilette an der Universität Innsbruck, bereitgestellt durch die Universität Innsbruck

Auf anderen Fotos der Universität sind einige der gefälschten Schilder sogar erneut überklebt worden. Auf den Aufklebern heißt es: "Es gibt nur zwei Geschlechter". Bei diesen Bildern handele sich wohl um den "zweiten Teil der Inszenierung", spekulierte die Universität Innsbruck.

Twitter-Screenshot vom Profil der Universität Innsbruck: 30. Januar 2023 ( Saladin SALEM)

Die Junos der Universität Innsbruck, die Jugendorganisation der liberalen österreichischen Partei Neos, berichtete am 25. Januar 2023 auf Instagram über die kursierenden Fotos von "All Gender WCs". Nachdem die Studierendenorganisation die Schilder zunächst lobte, korrigierte sie sich. Nun enthält der Beitrag den Hinweis, dass es sich bei den Schildern um Fälschungen handele. Sie seien nicht "von der Universität angebracht" worden.

Lukas Schobesberger, stellvertretender Junos-Bundesvorsitzender und stellvertretender Vorsitzender der österreichischen Hochschüler_innenschaft Innsbruck, erklärte am 27. Januar 2023 gegenüber AFP: "Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung war uns noch nicht bekannt, dass es sich hierbei um eine gefälschte Beschilderung handelt und durch unser Wissen um einige Diskussionen an der Universität aus meiner Rolle als stellvertretender ÖH-Vorsitzender dachten wir, dass sich in dieser Causa wirklich etwas bewegt habe."

Es sei aber bekannt, dass die Universität ohnehin einige Toiletten zu Unisex-Toiletten umfunktioniert habe. Das kommuniziere die Universität auch. Schobesberger könne sich allerdings nicht erklären, wie es zu der Aktion kommen konnte, ohne dass es jemandem aufgefallen sei, insbesondere durch die vorhandene Sicherheitstechnik.

Fazit: Die online kursierenden Fotos von Toilettenschildern in der Universität Innsbruck sind gefälscht. Das bestätigte ein Sprecher der Uni und nannte die Aktion eine "Inszenierung". Wer für die Aktion verantwortlich ist, ist aktuell unklar. Fotos der echten Unisex-Toiletten an der Universität zeigen, dass diese nur mit der Bezeichnung "WC" beschriftet sind.