Dieses Foto einer Tankstelle auf Teneriffa ist nicht aktuell

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Der russische Überfall auf die Ukraine hat weltweit zu gestiegenen Energie- und Benzinpreisen geführt. In sozialen Netzwerken kursiert ein Foto, das zeigen soll, wie günstig derzeit Sprit auf der spanischen Insel Teneriffa ist. Doch das Foto ist jedoch alt und zeigt eine Tankstelle, die seit Jahren nicht mehr existiert. Auch auf den Kanaren müssen Autofahrerinnen und Autofahrer deutlich mehr für einen Liter Sprit zahlen als vor dem Krieg.

Tausende Nutzerinnen und Nutzer haben seit Mitte August ein mittlerweile gelöschtes Foto auf Facebook geteilt, auf dem angeblich die Preisanzeige einer Tankstelle des US-amerikanischen Konzerns Shell auf Teneriffa zu sehen ist.

Die Behauptung: Das Posting zeigt die Preistafel einer Shell-Tankstelle. Der Preis für einen Liter Diesel wird darauf mit 0,928 Euro, der Preis für einen Liter Super mit 0,978 Euro angegeben. Im Beitragstext heißt es: "Das sind die aktuellen Benzinpreise auf Teneriffa Deutschland kotzt einen langsam an!!!"

Screenshot der Behauptung auf Facebook: 31.08.2022

Eine Bilderrückwärtssuche mit dem Foto führte zu einem Beitrag des lokalen deutschsprachigen Nachrichtenportals "Teneriffa News" vom 3. Juni 2018. Scheinbar war das Bild zu diesem Zeitpunkt das Bild bereits mehrere Jahre alt. In der Bildunterschrift heißt es: "Von solchen Benzinpreisen, wie hier vor einigen Jahren in Santa Cruz auf Teneriffa, kann man auf den Kanaren derzeit nur träumen." Zudem wird das Foto hier als "Archivbild" bezeichnet.

Das Portal benutzt das Bild der Shell-Tankstelle offenbar regelmäßig für seine Berichterstattung, wenn es um die Benzinpreise auf dem Archipel geht (hier, hier). So auch in einem Artikel über die aktuellen Spritpreise auf den Kanaren vom 16. August 2022. Auf seiner Facebook-Seite kündigte "Teneriffa News" diesen Beitrag mit den Worten "Das ist der aktuelle Spritpreis und die Prognose für die weitere Entwicklung" an, was den Eindruck erweckt, die Preise auf dem Archivbild seien aktuell.

Tankstelle existiert seit 2019 nicht mehr

Eine Google-Suche nach der konkreten Tankstellenfiliale in der Inselhauptstadt Santa Cruz auf Teneriffa ergab keine passenden Treffer. Während der aktuell geteilte Facebook-Beitrag nur einen Ausschnitt der Szene zeigt, ist auf dem Foto auf "Teneriffa News" der Hintergrund besser zu erkennen. Hinter der Tankstelle befindet sich eine Filiale der Bank Ing Direct. Dieselbe Filiale findet sich in der Avenida la Salle 42 in Santa Cruz. Im September 2021 hat Google Street View den Ort erfasst.

Allerdings findet sich hier keine Shell-Tankstelle mehr, sondern eine Ladestation für E-Autos. Der spanische Mineralölkonzern Disa eröffnete hier im Januar 2019 eine E-Tankstelle. Das Foto kann demnach nicht aktuell aufgenommen worden sein.

 

Auch in Spanien und auf den zu Spanien gehörenden Kanarischen Inseln sind die Spritpreise in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Nach Angaben des europäischen Benzinpreisportals "Fuelo" kostete in Spanien ein Liter Super am 30. August 2022 im Schnitt etwa 1,862 Euro. Knapp drei Wochen zuvor, am 9. August 2022, kostete der Liter noch 2,125 Euro.

In der Umgebung von Santa Cruz befinden sich laut Google drei Shell-Tankstellen (hier, hier und hier). Nach Angaben des Vergleichsportals "Benzinpreis-Blitz" kostete der Liter Super dort Ende August zwischen 1,435 und 1,523 Euro, der Liter Diesel zwischen 1,475 und 1,542 Euro. Der günstigste Preis, den AFP aktuell auf Teneriffa finden konnte, lag nach Angaben des staatlichen spanischen Benzinpreisportals am 1. September bei 1,319 Euro für einen Liter Super. Das liegt allerdings noch deutlich über den im Bild gezeigten 0,978 Euro pro Liter. Zum Vergleich: In Deutschland kostete der Liter Super E10 am 31. August 2022 laut "Benzinpreis-Blitz" im Schnitt 1,790 Euro, der Liter Diesel 2,091 Euro.

Fazit: Das Foto zeigt nicht die aktuellen Spritpreise auf Teneriffa. Es entstand vor 2018 und zeigt eine Tankstelle, die heute spätestens seit September 2021 nicht mehr existiert. Die aktuellen Kraftstoffpreise in Spanien und Teneriffa liegen deutlich höher als in dem Posting behauptet.