Dieses Video ist ein Ausschnitt einer Werbung für ein Videospiel aus dem Jahr 2018

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Internetnutzerinnen und -nutzer in mehreren Ländern haben ein Video geteilt, das angeblich eine "künstliche Frau" zeigt, die in China hergestellt und verkauft werden soll. Das ist falsch: Der Videoausschnitt, der bereits Tausende von Aufrufen verzeichnet, zeigt eine Werbung für ein amerikanisches Videospiel, das vom Studio Quantic Dream entwickelt und im Mai 2018 veröffentlicht wurde.

Am 30. April 2023 teilte die nigerianische Facebookseite "Ify beauty" ein englischsprachiges Video, das ein angebliches Interview mit einem Roboter zeigen soll. Auch Facebookseiten in Brasilien haben das Video häufig geteilt.

"Künstliche Frau, hergestellt in China, wurde auf den chinesischen Markt gebracht. Der Körper besteht aus 100 Prozent Fanta Flesh Material mit Silikonteilen", heißt es in dem nigerianischen Beitrag. Der Roboter müsse nur 72 Stunden geladen werden. Er habe "keine Seele" und "brauche kein Essen". Außerdem wird behauptet, der angebliche Roboter habe einen Preis von 200.000 Rupien (rund 2200 Euro).

In dem Beitrag heißt es weiter, dass es Pläne gebe, den Androiden auch in Indien zu verkaufen.

In dem Video kommt außerdem eine Sprecherin mit nigerianischem Akzent zu Wort, die auf Englisch behauptet, dass die "künstliche Frau" als Ehefrau, Kindermädchen, Hausmädchen und Pförtnerin eingesetzt werden könne.

Weitere nigerianische Facebook-Profile griffen die Behauptung auf. Auch in französisch-, portugiesisch- und spanischsprachigen Ländern wurde die Behauptung geteilt.

Facebook-Screenshot der Behauptung: 9. Mai 2023

Wenige Tage, nachdem das chinesische Staatsmedium "People’s Daily" im März 2023 einen KI-Nachrichtensprecher vorgestellt hatte, begann die Behauptung online zu kursieren.

Lokalen Medien zufolge ging die Enthüllung des KI-Moderators auf dem chinesischen sozialen Netzwerk Weibo unter dem Hashtag "AI virtual anchor" (virtueller KI-Nachrichtensprecher) viral und wurde mehr als 78 Millionen Mal aufgerufen.

Allerdings steht das Video, das angeblich eine "künstliche Frau" zeigen soll, in keiner Verbindung mit China oder einem neuen Robotermodell. AFP fand heraus, dass es sich um einen Werbeclip für ein Videospiel handelt, das 2018 herausgebracht wurde.

Altes Videospiel

Mit dem Videoüberprüfungstool InVid WeVerify führte AFP eine umgekehrte Bildsuche mit mehreren Schlüsselszenen durch und stieß auf eine längere Version des Clips, die am 23. Mai 2018 auf dem Youtube-Kanal der Videospielmarke PlayStation Europe veröffentlicht wurde.

Die Beschreibung des Youtube-Videos "Detroit: Become Human | Chloe | PS4" lautet: "Lerne den allerersten persönlichen Assistenten-Androiden von Cyberlife kennen. Sag Hallo zu Chloe."

Laut der Playstation-Website ist "Detroit: Become Human" ein 2018 erschienenes Abenteuer-Videospiel, das von der Spieleentwicklungsfirma Quantic Dream kreiert wurde, die das Spiel ebenfalls auf der eigenen Website vorstellt.

KI-gesteuerter Roboter

Dem Menschen nachempfundene Roboter sind nicht neu, aber bisher gibt es keine Hinweise auf ihre Vermarktung.

In 2017 hatten chinesische Forschende der Universität für Wissenschaft und Technologie in Heifei den ersten menschenähnlichen Roboter des Landes mit dem Namen Jia Jia vorgestellt.

Damals hatte Teamleiter Chen Xiaoping vorausgesagt, dass KI-Roboter wie Jia Jia vielleicht schon in zehn Jahren einfache Aufgaben in chinesischen Restaurants, Pflegeheimen, Krankenhäusern und Haushalten übernehmen könnten. "In fünf bis zehn Jahren wird es in China viele Anwendungen für Roboter geben", hatte er damals bei einer Konferenz in Shanghai gesagt.

Mittlerweile gibt es mehrere KI-unterstütze Roboter auf der ganzen Welt: Sophia, die 2016 vorgestellt wurde, die Nachrichtensprecherin Fedha in Kuwait, die indische virtuelle Moderatorin Sana und Tang Yu, die Geschäftsführerin des chinesischen Videospielunternehmens Fujian NetDragon Websoft.

Fazit: In China wurde keine künstliche Frau hergestellt und verkauft. Der verbreitete Videoclip stammt aus der Werbung für ein Videospiel, das 2018 herausgebracht wurde. Das konnte AFP mittels einer umgekehrten Bildsuche feststellen.